Die App fürs Auto

Fensterheber runter, Scheibenwischer einschalten

Staus, Baustellen oder unsinnige Ampelschaltungen – vielen Autofahrern vergeht dabei die Lust am Fahren. Sie wünschen sich Entlastung durch intelligente Fahrassistenten, um diesen Hindernissen zu entgehen.

39 Prozent der Deutschen sind sogar bereit, die Kontrolle über Bremsen, Gas und Lenkung komplett an einen Bordcomputer abzugeben. Dies zeigt eine bevölkerungsrepräsentative Umfrage der CSC unter 1.000 Bundesbürgern.

Das Zauberwort bei der neuen Generation elektronischer Fahrhelfer heißt Vernetzung – künftig sollen Autos automatisch Verkehrsdaten untereinander austauschen können. 69 Prozent der Deutschen stehen diesem Vorhaben positiv gegenüber, wenn die vernetzte Car-IT zum Beispiel dazu dient, bei Unfällen andere Verkehrsteilnehmer zu warnen. 61 Prozent wollen zudem Ampeln in das Datennetz integrieren, um durch intelligente Schaltungen den Verkehrsfluss zu optimieren. Dabei handelt es sich längst nicht mehr nur um Zukunftsmusik. Hersteller wie BMW oder VW rechnen damit, bereits in zwei Jahren Serienfahrzeuge als „rollende Internetknoten“ vom Band laufen zu lassen.

Car-Services aus der Cloud

Die Netzanbindung liefert darüber hinaus zahlreiche Möglichkeiten für Zusatzdienste, die sich dem Fahrer via Cloud anbieten lassen. Dazu gehören zum Beispiel regelmäßige Updates von im Fahrzeug eingesetzter Software, aber auch Zugriffe für eine elektronische Fernwartung, die Werkstattbesuche zum Teil überflüssig macht. Denn in vielen Fällen lassen sich auf die Elektronik zurückzuführende Fehler durch einen Reset der entsprechenden Steuerungseinheiten lösen. Durch einen Cloud-Dienst besteht zudem die Möglichkeit, elektronische Sperren für einen bestimmten Zeitraum zu entriegeln. So statten viele Autohersteller im Prinzip baugleiche Motoren über die Chip-Einstellungen mit unterschiedlicher Leistung aus. Ein Urlauber, der nun mit dem Campingwagen Ferien machen will und dafür mehr Zugkraft am Fahrzeug benötigt, wäre dann in der Lage, kurzfristig zusätzliche PS über das Internet zu buchen.

Location-based Services im Auto

Aktuell bevorzugen die Autofahrer jedoch vor allem Zusatzdienste, die sich nicht unmittelbar auf die Fahrzeugtechnik auswirken. Drei Viertel der Deutschen wünschen sich beispielsweise, dass ihr Auto im Internet Spritpreise vergleicht und den schnellsten Weg zur günstigsten Tankstelle empfiehlt. Rund zwei Drittel der potenziellen Kunden wissen Hinweise auf den nächstgelegenen freien Parkplatz zu schätzen. Dabei geht es insbesondere um die Integration in die Car-IT. Denn viele dieser Services gibt es bereits – als Umweg über eine Smartphone-App. Entsprechend gehen die Hersteller inzwischen dazu über, technologische Insellösungen abzuschaffen und stattdessen Anbindungen für klassische Consumer-Endgeräte zu schaffen. Hinzu kommt, dass gängige Smartphones inzwischen sogar teure Ausstattungsmerkmale wie das Navigationssystem durch preisgünstige Apps ersetzen können. Viele Kunden schrecken daher davor zurück, für diese Technologien zusätzlich in die Tasche zu greifen.

Anbindung mobiler Geräte

Zwei aktuelle Entwicklungen kommen der Industrie dabei entgegen, Car-IT und mobile Geräte auf eine gemeinsame Plattform zu stellen. Zum einen steht mit LTE (Long Term Evolution) bereits eine leistungsfähige Übertragungstechnik zur Verfügung. Andererseits arbeiten die Automobilhersteller seit langem mit den Produzenten von Steuergeräten und -software zusammen. Das Ziel: Weitgehend einheitliche Funktionen wie Fensterheber, Scheibenwischer, Radio oder Sitzeinstellungen einheitlich und herstellerübergreifend zu programmieren. AUTOSAR-konforme (AUTomotive Open System ARchitecture) Apps versetzen mobile Geräte daher in die Lage, die klassischen Bedienelemente in der mittleren Steuerungskonsole eines Pkw zu ersetzen. Komplette Konfigurationen lassen sich damit auf dem Smartphone abspeichern und etwa beim Car-Sharing oder in Mietfahrzeugen direkt aufspielen – die individuellen Einstellungen stehen fahrzeugunabhängig zur Verfügung.

IT-Sicherheit im Fokus

Diese Form der Netzanbindung erfordert jedoch ein einheitliches Sicherheitskonzept. 71 Prozent der Deutschen fürchten sich mit gutem Grund vor Hacking-Angriffen auf ihr Auto. Denn bislang stellt der Pkw einen geschlossenen Kreislauf dar, der nur physischen Zugang erlaubt. Internet, mobile Geräte und Dienste aus der Cloud stellen jedoch gleich drei mögliche neue Bedrohungen dar, um beispielsweise Schadprogramme in die Car-IT einzuschleusen. Nichts wäre schlimmer, als eine elektronische Schwachstelle, die das Auto zum Beispiel mitten auf der Autobahn unter fremde Kontrolle bringt. Über die Autobranche hinaus dürfte es deshalb verstärkt zu Allianzen von Chip-Produzenten, Software-Architekten und Netzwerk-Betreibern kommen, um diesen Herausforderungen zu begegnen. Insgesamt wachsen die verschiedenen Industrien immer mehr zusammen.

Staufrei unterwegs mit intelligenter Car-IT

57 Prozent der Bundesbürger möchten, dass ihr Auto frühzeitig Stau-Entwicklungen absieht und zu diesem Zweck mit möglichst vielen anderen Verkehrsteilnehmern kommuniziert. Die moderne Car-IT leistet jedoch noch viel mehr. Denn auf Basis von gesammelten Positionsdaten lässt sich das ideale Stauverhalten berechnen. Die Verkehrsforschung liefert dafür die notwendigen mathematischen Formeln, um etwa die für Stop & Go verantwortlichen „Verdichtungsstöße“ vorauszuberechnen. Jeder kennt das: Der Vordermann im Stau bremst plötzlich und man selbst muss ebenfalls stehen bleiben – diese Manöver nehmen in der Regel einen wellenförmigen Verlauf. Besteht jedoch ein genügend großer Abstand zum Vordermann, bleibt der Verdichtungsstoß aus und die eigene Fahrt lässt sich ohne zu bremsen fortsetzen. Tatsächlich übernehmen Einsatzfahrzeuge der Polizei häufig diese Aufgabe, indem sie sich aktiv am Stauverkehr beteiligen und durch vorausschauendes Fahren dazu beitragen, den Stau langsam aufzulösen. Dies erledigen künftig die vernetzten Bordcomputer.

Bildquelle: Erich Westendarp/ pixelio.de

©2020Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH

Unsere Website verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung zu. Weitere Infos finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

ok