iPhone 5S

Fingerabdrücke bieten nur Scheinsicherheit [Update]

Biometrie wird jetzt zur Alltagstechnik, denn das erste Smartphone mit Fingerabdrucksensor ist auf dem Markt. Doch ist das wirklich gut?

Das iPhone 5S lässt sich auch mit einem Fingerabdruck sperren und entsperren. Ganz generell soll die biometrische Technologie im iPhone PIN oder Wischgeste ersetzen - allerdings nicht völlig, denn beides bleibt auf Wunsch noch nutzbar. Solche Fingerabdruckscanner sind nichts Neues. Sie sind bei vielen Leuten ein beliebtes Computerzubehör, denn schneller und unkomplizierter lässt sich eine Zugangssperre für den eigenen Rechner nicht einrichten.

Schnell ist der Daumenscan, weil ein Druck auf das Scanmodul viel schneller ist als die lästige Tipperei auf der Tastatur. Unkompliziert ist diese Art des Rechnerschutzes, weil die Anwender weder ein schwer zu merkendes Kennwort brauchen noch auf Probleme stoßen, wenn sie es doch einmal vergessen. Die Technologie ist inzwischen ausgereift und es war nur eine Frage der Zeit, bis solche Scanner auch in einem Smartphone auftauchen.

Doch die Fingerprint-Technologie ist nicht ganz unproblematisch. Denn Fingerabdrücke lassen sich leicht fälschen, mit konventionellen Methoden und sicher demnächst auch mit einem Foto des Abdrucks, der richtigen Software und einem 3D-Drucker. Dies bedeutet also, dass der Fingerabdruck als Kennwortersatz lediglich für Scheinsicherheit sorgt.

Da ein Mensch überall Fingerabdrücke hinterlässt, kann der Abdruck extrem leicht gefälscht werden. Es gibt zwar inzwischen schwer auszutricksende Scanner, aber der Fingerabdruck eignet sich trotzdem nicht als Sperre oder Schlüssel - ein Mißbrauch ist vergleichsweise leicht möglich. Details nennt Security-Guru Bruce Schneier, mehr Vertrauen in die Technologie hat der Biometrie-Experte Stefan G. Weber.

Eines der wenigen sinnvollen Anwendungsgebiete für Fingerprint-Biometrie ist die Identifikation eines legitimen Anwenders beim Start eines privat genutzten Computers. Dies gilt aber nur angesichts der Tatsache, dass viele PC-Nutzer und fast alle Anwender von Smartphones und Tablets die Kennwortsperre beim Start oder beim Ausschalten des Displays nutzen.

Das Pro-Argument lautet hier: Ein relativ unsicherer Schutz ist immer noch besser als gar keiner. Denn eine unüberwindbare Hürde für einen durchschnittlichen iPhone-Dieb ist der Fingerprint auf jeden Fall, die Daten auf dem Gerät sind also geschützt. Wer im Grunde nur das wertvolle Gerät will, dürfte kaum ernsthaft an den Daten interessiert sein.

Nun folgt das große “Aber”: Unproblematisch ist diese Zugangssperre nur dann, wenn die Daten lediglich lokal auf dem iPhone gespeichert werden. Anderenfalls können sie durchaus von Computerkriminellen, aber auch von überwachungsfreudigen Geheimdiensten für eigene Zwecke kopiert werden. Es wird zwar nicht der Fingerabdruck als solcher gespeichert, sondern lediglich ein daraus erzeugter Datensatz. Aber ein Mißbrauch dieser Daten ist vorstellbar.

Angesichts der immer noch Neues und Kreatives aus der Überwachungsbranche zu Tage fördernden Snowden-Leaks ist es also der Einsatz der Fingerabruckfunktion am iPhone nur bedingt empfehlenswert. Zu diesem Schluss kommt auch der Hamburger Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar: “Biometrische Merkmale kann man nicht löschen. Sie begleiten uns das Leben lang. Fingerabdrücke sollte man daher nicht für alltägliche Authentifizierungsverfahren abgeben.”

Update:

Wie erste Testanwender des iPhone 5S berichten, fragt das neue iPhone beim Zurücksetzen auf den Fabrikzustand immer die Apple-ID und das iTunes-Kennwort ab. Bei den früheren Geräten und iOS-Versionen gab es diverse Tricks, um einen Reset auch ohne Passwort zu starten.

Es ist allerdings unklar, ob die neue Sicherheitsvorkehrung (leicht) umgangen werden kann. Wenn Apple alle Hintertüren geschlossen hat, wäre der Fingerabdruckscanner ein ebenso einfacher wie umfassender Diebstahlschutz: Wer ihn einsetzt, macht das Gerät für Diebe wertlos. Das dürfte bei der Durchsetzung der Biometrie-Technologie im Alltag hilfreich sein.

Bildquelle: Harry Hautumm  / pixelio.de

©2020Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH

Unsere Website verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung zu. Weitere Infos finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

ok