Quantensprung ausgefallen

Firefox-Marktanteil sinkt, Chrome herrscht überall

Seit einem halben Jahr ist der schnellere und verbesserte Firefox zu haben. Der Marktanteil sinkt trotzdem.

Friefox

Der Marktanteil von Firefox sinkt weiter

Firefox Quantum sollte ein Quantensprung sein, doch bisher ist davon nichts zu sehen, im Gegenteil. Die Marktanteile für Firefox haben sich nicht positiv entwickelt. Weltweit gibt es laut StatCounter eine leichte Absenkung des Marktanteils, von etwa 6,7 Prozent vor einem Jahr auf 5,5 Prozent. Selbst im traditionell starken Markt Deutschland geht es abwärts. Inzwischen beträgt der Marktanteil von Firefox bei den Desktop-Browsern unter 30 Prozent, wenn die mobilen Browser mit einbezogen werden, sind es sogar nur knapp 17 Prozent.

Von einem Anstieg durch das Erscheinen von Firefox 57 Quantum und den nachfolgenden Updates ist nichts zu bemerken, es gibt nicht den kleinsten Knick der Kurve nach oben. Andere Services wie NetMarketshare kommen zu etwas abweichenden Zahlen, zeigen aber dieselbe Tendenz: Der Marktanteil von Firefox sank seit März 2017 von etwa 15 auf zehn Prozent. Dies zeigt, dass die Entwicklung eines hochwertigen, schnellen Browsers alleine nicht den Absturz in den Marktanteilen aufhalten kann. Zwar hat Firefox Quantum inzwischen die meisten der Probleme gelöst: Der Seitenaufbau ist schneller, der Speicherbedarf geringer als früher. Doch die Anwender reagieren offensichtlich nicht auf die Verbesserungen.

Denn Chrome ist weiterhin unangefochtener Sieger mit einem weltweiten Marktanteil von fast 60 Prozent, Tendenz weiterhin leicht steigend. Zwar gibt es neben Firefox durchaus einige Herausforderer, doch lediglich Safari kann wegen der weiten Verbreitung von Apple-Geräten einen signifikanten Marktanteil halten, nämlich etwas mehr als 14 Prozent. Alle anderen sind weit abgeschlagen und auch Herausforderer Edge hat lediglich einen Marktanteil von 1,86 Prozent. Zwar ist Edge auf Windows vorinstalliert. Doch genutzt wird auch dieser Browser nicht.

Anstieg von Chrome durch aggressives Marketing

Die von Statcounter genannten Marktanteile werden anhand von echten Seitenabrufen ermittelt. Dabei wertet der Service mehr als zehn Milliarden Seitenaufrufe bei mehr als zwei Millionen Websites weltweit aus. Aufgrund dieser großen Datenbasis werden die Anteile der einzelnen Browser recht zuverlässig ermittelt und erlauben interessante Einblicke. Funfact: Der veraltete Internet Explorer wird immer noch erstaunlich häufig genutzt, nämlich bei etwa drei Prozent der Seitenabrufe. Es scheint also immer noch Enterprise-Installationen zu geben, bei denen aus „Sicherheitsgründen“ kein anderer Browser eingesetzt werden darf.

Doch der enorme Anstieg von Chrome ist erklärungsbedürftig, er hat offensichtlich keine technologischen Gründe. Der ehemalige Mozilla-CTO Andreas Gal hat schon Mitte 2017 auf ein großes Problem von Firefox hingewiesen: Die häufigen Aufforderungen beim Zugriff auf Google-Dienste, doch lieber Chrome und nicht den aktuellen Browser zu benutzen. Google hat ein recht aggressives Marketing verwirklicht, bei dem die Nutzer anderer Browser darauf hingewiesen werden, für bestimmte Funktionen oder ein besonders tolles Benutzererlebnis doch einen neuen Browser einzusetzen. Ihr wird Mozilla auch in Zukunft nur wenig entgegensetzen können, obwohl Firefox permanent weiterentwickelt wird. Doch Mozilla glaub weiterhin an Firefox, die Firefox Roadmap 2018 zeigt, was die Anwender alles erwartet.

Neben weiteren Verbesserungen der Arbeitsgeschwindigkeit steht vor allem ein Ausbau der Programmierschnittstellen auf dem Plan. Denn in diesem Bereich gab es bei Firefox Quantum die größte Änderung: Eine völlig neue API machte es notwendig, dass sämtliche Browser-Erweiterungen neu entwickelt werden mussten. Das stieß auf Kritik bei den Entwicklern, denn sie fanden die neuen Web-Extensions zu stark eingeschränkt. Hier will Mozilla nachlegen und den Entwicklern mehr Möglichkeiten geben. Weiterhin steht ein verbesserter mobiler Firefox auf dem Programm, ein ausgebauter Tracking-Schutz zur Bewahrung der Privatsphäre und viel mehr Möglichkeiten, den Browser nach eigenem Gusto zu konfigurieren und auch die Benutzeroberfläche zu verändern.

Bildquelle: Mozilla Foundation

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