Götz Reinhardt ist verantwortlich für den Aufbau langfristiger und vertrauensvoller Kundenbeziehungen.
MOB: Herr Reinhardt, inwieweit wünschen sich Mitarbeiter in großen und kleinen Unternehmen mehr Nachhaltigkeit und Flexibilität in den Arbeitsprozessen?
Reinhardt: Die Bedürfnisse in der Gesellschaft und damit auch in der Belegschaft verändern sich enorm. Der Wunsch nach Selbstbestimmtheit, Flexibilität und verantwortungsbewusstem Konsum nimmt immer weiter zu. Das verändert die Arbeitswelt und auch die Art und Weise, wie Mitarbeiter dienstliche Mobilität gestalten und den Weg zur Arbeit zurücklegen wollen. Unsere aktuelle Global Business Travel Survey zeigt z.B., dass 89 Prozent der befragten Mitarbeiter ihre Geschäftsreisen dieses Jahr klimafreundlicher gestalten wollen. Und auch für den Arbeitsweg wünschen sich bereits 40 Prozent der Arbeitnehmer ein flexibel einsetzbares Mobilitätsbudget statt eines Dienstwagens. Hier sehen wir in den Studienergebnissen auch kaum Unterschiede zwischen Mittelstand und Großunternehmen.
MOB: Welche Rolle spielt ein Mobilitätsbudget in der Bemühung von Unternehmen, ihre CO2-Emissionen zu senken und zu „verstärkt grüneren Städten“ beizutragen?
Reinhardt: Wenn Mitarbeiter statt Privatauto oder Firmenwagen andere Transportmittel nutzen und die Kosten dafür vom Unternehmen getragen werden, macht das auch die Städte, in denen die Arbeitnehmer wohnen, lebenswerter. Hauptverkehrsadern werden in der Rushhour entlastet, Parkplätze sind nicht mehr so knapp oder können ganz ersetzt werden – beispielsweise durch Grünflächen, die einen positiven Beitrag gegen Hitze und CO2-Belastung leisten. Das Mobilitätsbudget trägt zu einer Umverteilung bei der Verkehrsmittelwahl bei, hin zu nachhaltigeren Alternativen wie ÖPNV und Sharing-Angeboten. Unternehmen können ihre Firmenflotten klimafreundlicher und ihr Mobilitätsangebot breiter und zukunftsfähiger aufzustellen.
MOB: Für welche Bereiche/Produkte/Lösungen sollte solch ein Mobilitätsbudget eingesetzt werden?
Reinhardt: Grundsätzlich ist ein Mobilitätsbudget für alle Unternehmen interessant, die ihrer Belegschaft ein zukunftsorientiertes Mobilitätsbenefit anbieten möchten. Das kann für Büroangestellte genauso interessant sein wie für Mitarbeiter im Außendienst. Unternehmen, die z.B. SAP-Concur-Lösungen für das Geschäftsreise-Management nutzen, können den Anwendungsbereich ihrer Cloud-Lösung einfach ausweiten. Bei SAP selbst konnte das schnell und einfach umgesetzt werden. Jetzt benutzen wir intern die entsprechende Mobile-App sowohl zur Buchung und Abrechnung von Geschäftsreisen als auch für die Verwaltung des Mobilitätsbudgets. Gerade Unternehmen, die ihren Firmensitz in der Stadt haben oder junge Fachkräfte von sich überzeugen möchten, können mit dem Mobilitätsbudget punkten. Parken in der Stadt ist teuer und viele junge Mitarbeiter haben weniger Interesse an einem eigenen Auto.
MOB: Welchen Stellenwert besitzen heute noch Firmenwagen bei der Mitarbeiterbindung?
Reinhardt: Wie gesagt gibt es hier einen wichtigen Aspekt zu bedenken: Der tatsächliche Besitz von Dingen spielt für viele Mitarbeiter eine zunehmend untergeordnete Rolle, besonders in den nachfolgenden Generationen Z und Alpha. Es geht immer mehr ums Erleben statt ums Besitzen. Der Wunsch nach As-a-Service-Leistungen steigt. Dabei darf man nicht vergessen, dass viele Mitarbeiter in Ballungsgebieten leben und sich das Auto in den nächsten Jahren eher weiter aus der Stadt zurückziehen wird. Das alles wird einen Einfluss auf die Attraktivität des Firmenwagens haben, davon bin ich überzeugt.
MOB: Wie trägt Ihr Unternehmen selbst zu mehr Nachhaltigkeit und letztlich einer „grüneren Stadt“ bei?
Reinhardt: Als Anbieter von integrierten Geschäftsreiselösungen sehen wir eine Sache schon sehr lange sehr deutlich: Wer als Arbeitgeber ein breites Spektrum an Mobilitätsoptionen anbietet und auf nachhaltige Optionen hinweist, der macht es Mitarbeitern einfacher, verantwortungsbewusste Mobilitätsentscheidungen zu treffen. Konsolidierte Daten helfen wiederum, nachhaltige Verkehrsmittel sichtbar zu machen. Das trifft nicht nur auf Geschäftsreisen, sondern auch auf den Arbeitsweg zu. Das sogenannte Flex Commuting, das mithilfe des Mobilitätsbudgets gefördert wird, entlastet die Straßen und Autobahnen – gerade im Berufsverkehr. Wir freuen uns, dass wir mit unseren IT-Lösungen die flexible Kombination von Verkehrsmitteln, ja neue Mobilitätsgewohnheiten, unterstützen und damit einen positiven Beitrag zur Stadt der Zukunft leisten können.
Bildquelle: SAP Concur