Fotocommunity: Interview mit Jennifer Davies, Yahoo

Flickr setzt auf Mobile

Die Fotocommunity Flickr – mittlerweile über zehn Jahre aktiv – gehört zum Internetgiganten Yahoo. Über die Bedeutung des mobilen Bereiches für den Bilderdienst und seine 92 Millionen Nutzer sprach MOBILE BUSINESS mit Jennifer Davies, Director Mobile Business Operations, Yahoo EMEA.

Jennifer Davies, Director Mobile Business Operations, Yahoo EMEA

Frau Davies, es hat sich viel getan bei Flickr und Yahoo – wie haben Sie den neuen Schwung erlebt?
Jennifer Davies:
Ja, es hat sich viel getan bei uns, gerade im Laufe des letzten Jahres. Deutliche Zeichen dafür sind die Neuerungen, die wir im letzten Jahr veröffentlicht haben. Wir konnten Limitierungen, die vorher bestanden, beseitigen: Jedem Nutzer bieten wir jetzt ein Terabyte Speicherplatz für Bilder an, unsere Webseite konnten wir neu gestalten und intensiv in Mobility investieren. Außerdem konnten wir einige Firmen kaufen und eingliedern – und das als Unternehmen, welches selbst von Yahoo gekauft wurde.

Veränderte sich mit den Neuerungen die Ausrichtung von Flickr? Hin zu privaten Accounts, weg von der ambitionierten Amateurfotografen-Plattform?
Davies:
Das würde ich so nicht sagen. Flickr, die Gemeinschaft ambitionierter Amateurfotografen oder sogar Profifotografen, hat sich nicht geändert. Was hinzugekommen ist, sind viele private Nutzer. Wir erleben viel mehr private Uploads von Einzelnutzern – die meisten über Mobilgeräte -,  aber wie gesagt, ich würde es nicht so werten, dass hier zwei verschiedene Nutzergruppen agieren. Es sind einfach unterschiedliche Anwendungsfälle: Das eine ist öffentlich, das andere privat.

Im mobilen Bereich gibt es viel Konkurrenz, z.B. Instagram oder Pinterest. Wie bewerten Sie dieses Marktgefüge?
Davies:
Der ganze Markt hat sich wahnsinnig verändert und ist riesengroß geworden. Rückblickend kann man sagen: Wir waren die erste Fotocommunity, die diesen Service in großem Maßstab anbot. Aber: Flickr ist Flickr und nicht X, Y oder Z.

Wird sich diese Menge an Diensten zum Teilen und Speichern von Fotos konsolidieren?
Davies:
Das lässt sich schwer sagen. Konsolidierung ist möglich, aber der Markt wächst immer noch enorm. Wir stehen erst am Anfang, gerade der mobile Bereich wächst unglaublich stark. Mobile ist keine Wette mehr! Wenn ich mir anschaue, welche Browser auf unsere Webseite zugreifen: Der Anteil mobiler Browser steigt unglaublich stark.

Welche mobilen Systeme genießen für Sie Priorität?
Davies:
Unsere Fokussierung liegt auf Android und iOS. Wir möchten auf diesen beiden Plattformen alle Formfaktoren abdecken.

Wie steht es um Windows oder alternative OS?
Davies:
Mal schauen. Wir wollen vor allem dort präsent sein, wo die Nutzer sind. Aus Businessperspektive heraus legen wir großen Wert auf das Developer Network. Auch auf Windows-Phones finden sich gute Flickr-Apps von der Developer Community.

Mit diesem Ansatz haben Sie gute Erfahrungen gemacht?
Davies:
Absolut, ja. Unsere Philosophie ist: Wir bauen immer erst unsere APIs und benutzen sie selbst. Es ist nicht so, dass ein Produkt gebaut wird und dann noch ein paar APIs für die Developer gebastelt werden. Wir geben die APIs direkt an die Community frei.

Dass der amerikanische Markt den Takt vorgibt, wird Ihrer Meinung nach so bleiben?
Davies:
Es ist erstaunlich, wie viele der technologisch erfolgreichen Innovationen aus dem Silicon Valley kommen. Dort kommen bestimmte Faktoren zusammen: die Investitionsfreunde der Kapitalgeber, die Dynamik sowie die Vernetzung. Es ist zwar ein riesengroßes Valley, aber es gibt viele Kontakte zwischen den Firmen.

Inwiefern können Unternehmen Flickr nutzen?
Davies:
Wenn Unternehmen eine Plattform suchen, um sich fotografisch zu präsentieren, dann ist Flickr genau richtig. Im September 2013 haben wir dafür eine wichtige Voraussetzung geändert: Wir hatten kein Follow-Modell, sondern Nutzer mussten ein Unternehmen als Kontakt hinzufügen. Dies haben wir geändert und jetzt können die Nutzer jeder Marke oder jedem Benutzer einfach folgen.

Darüber hinaus ist „Crowdfunding für Bilder“ eine der besten Funktionen, die wir Unternehmen anbieten können. Wenn ein Unternehmen eine Marketingkampagne plant und darüber nachdenkt, sein eigenes Produkt mit Bildern aus der Community anzureichern, kann man diesbezüglich sehr gut mit uns zusammenarbeiten.

Haben Sie konkrete Beispiele für eine solche Kampagne?
Davies:
Zum Beispiel unsere eigene Kampagne Flickr 12 Days oder generell die Yahoo-Wetter-App.

Welche strategische Ausrichtung verfolgt Flickr? Welche Schritte sind als Nächstes geplant?
Davies:
Wir haben sicher sehr US-lastig angefangen, aber wir schauen nun auch viel mehr nach Europa. Internationale Märkte stehen 2014 im Fokus. Im letzten Jahr haben wir uns auf das Redesign und die mobilen Anwendungen konzentriert, 2014 wird es weiterhin stark um Mobile gehen, aber auch um die Intelligenz um Bilder herum. Fotos, die Nutzer aufnehmen, laden viele heute automatisch in die Cloud. Die ganzen Prozesse davor – Caption vergeben usw. –  werden verschwinden. Wir denken intensiv darüber nach, wie dies zu lösen ist.

An der Stelle sollten wir über Datenschutz und Privatsphäre reden. Interessant ist, dass Ihr Unternehmen und andere an automatischen Bilderkennungsalgorythmen arbeiten: Was kann man damit später einmal alles aus Bildern herauslesen, was dem Nutzern heute noch gar nicht bewusst ist? Wo liegen die Möglichkeiten, wo die Gefahren?
Davies:
Immer, wenn es um Privatsphäre und Bildrechte geht, sind wir sehr konservativ. Wir haben immer gesagt, dass Bilder nicht Flickr, sondern dem Nutzer gehören. Es gibt bei der Bilderkennung zwei Wege: Der eine ist, dass man transparent ist und dem Nutzer sagt: Wir glauben, hier handelt es sich um dies oder jenes. Oder man macht es eben still im Hintergrund. Und so, wie wir momentan darüber nachdenken, werden wir es wie bei den Bildrechten und wie bei der Privatsphäre machen: transparent.

Was bereits möglich ist: Frontal aufgenommene Gesichter sind leicht erkennbar. Schwerer ist es, Dinge im Foto zu identifizieren. Ob innerhalb oder außerhalb eines Raumes fotografiert wurde, ist durch die Belichtungsverhältnisse herauszubekommen. Je mehr man ins Detail geht, desto schwieriger wird es. Möglich ist aber definitiv vieles.

 

Jennifer Davies ...
... Director Mobile Business Operations, ist dafür zuständig, Yahoos mobile Produkte für Europa und den Nahen Osten auszurollen. Zuvor war Jennifer Davies für das Thema Social zuständig, u.a. für die Weiterentwicklung und regionale Ausrichtung von Yahoos Fotocommunity Flickr, die Yahoo-Integration mit Facebook sowie für die Community Yahoo Clever. Bevor die 39jährige zu Yahoo kam, war sie von 2005 bis 2009 bei Expedia beschäftigt, zuvor arbeitete sie für T-Mobile International in London und Bonn sowie für Vodafone in Düsseldorf.

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