Deutsche KI-Initiative

Forschungsministerin will KI stärker fördern

Nachzügler Deutschland: Endlich eine eigene KI-Initiative oder wenigstens ihre Ankündigung für irgendwann bald.

Forschungsministerin Anja Karliczek

Forschungsministerin Anja Karliczek

Wissenschaftler rufen, Politiker antworten: „Wir werden bei KI eine ordentliche Schippe drauflegen“, kündigte Forschungsministerin Anja Karliczek in einem am Sonntag veröffentlichten Reuters-Interview an. “Gerade habe ich vier neue Forschungszentren für maschinelles Lernen gestartet.” Laut Reuters arbeite das Bundesministerium für Bildung und Forschung an einem Aktionsplan für KI. Die Ministerin denkt dabei an eine verstärkte Vernetzung von Unternehmen, Hochschulen und anderen Akteuren sowie an zusätzliche KI-Professuren.

Immerhin, die Politik hat das Problem erkannt. Denn führende Wissenschaftler haben vor kurzem in einem offenen Brief beklagt, Europa drohe bei der künstlichen Intelligenz den Anschluss an Asien und die USA zu verlieren. Dort werde die KI-Forschung, vor allem die anwendungsorientierte, viel stärker und mit mehr Geld als in Europa unterstützt. Zudem gebe es einen Brain Drain: US-Firmen werben Topleute aus Europa mit lukrativen Angeboten ab, Unternehmensbeteiligungen inklusive.

Entwicklung nutzbarer Anwendungen

„Wir sind der Grundlagenforschung und der Anwender sollte in Forschung zu KI schon sehr lange unterwegs“, sagte die Ministerin. „Wir haben in Deutschland das umsatzstärkste KI-Forschungszentrum weltweit.“ Sie spielt damit auf das DFKI an, das „Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz“, das mit Unternehmensbeteiligungen durch Google und andere Global Player glänzt. Sie gab allerdings zu, dass es ein wenig an Schnelligkeit bei der Entwicklung wirtschaftlich nutzbar Anwendungen fehle: „Wir merken ja, dass jetzt sowohl die USA als auch China viel Geld reinstecken.“

Die Ministerin schlug vor, mit steuerlicher Forschungsförderung einzugreifen. Vor allem kleinere und mittlere Unternehmen sollen zu eigenen Forschungsaktivitäten animiert werden. Zudem sei die verstärkte Gründung von Startups wichtig. Zu der im Koalitionsvertrag festgeschriebenen Schaffung eines deutsch-französischen KI-Zentrums stellte sie die Sinnfrage. Karliczek: „Vielleicht ist im Bereich der KI eine breitere Streuung der gesamten Forschung genauso sinnvoll, weil bei KI keine Rieseninfrastruktur gebraucht wird.“

Offenheit bringt Ergebnisse

Tatsächlich ist offen, ob die bei der Forschungsförderung weithin übliche Methodik des Clustering und der Zentralisierung tatsächlich zu anwendungsorientierten Ergebnissen kommt. Was dagegen beweisbar funktioniert, ist Offenheit à la Silicon Valley. Zahlreiche Innovationen im Bereich des Deep Learning sind unter der Schirmherrschaft von Unternehmen wie Google, Microsoft oder Facebook entstanden aber nicht als Betriebsgeheimnis. Die beteiligten Wissenschaftler und Praktiker veröffentlichen ihre Ergebnisse aller Regel als kostenloses Research-Paper. Darüber hinaus sind zahlreiche der eingesetzten Developer-Tools freie Software.

Dadurch kann sich ein Ökosystem aus Entwicklern und Anwendern herausbilden, die letztlich das gesamte Thema nach vorne bringen. Gut möglich, dass auf diese Weise die theoretische Fundierung von Deep Learning vernachlässigt wird. Doch die Ergebnisse sprechen für sich: Fortschritte im Bereich der Bilderkennung, Bild -und Audiogenerierung, Spracherkennung oder der automatischen Übersetzung finden sich eher im Silicon Valley als anderswo.

Bildquelle: Bundesregierung/Guido Bergmann

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