Tipps für Gründer

Frank Thelen: „2014 war ein gutes Jahr für Start-ups in Deutschland"

„Starte niemals ein Unternehmen, um schnell reich und berühmt zu werden", sagt Frank Thelen. Der Gründer und Investor aus Bonn erklärt im Interview seine aktuellen Projekte Doo und Scanbot. Und er stellt die #MakeItHappen Kampagne von Microsoft vor, bei der es um Kapital und Coaching für Startups geht.

Frank Thelen finanziert als CEO des Venture Capitalists e42 Startups. 2014 war Thelen in der TV-Sendung „Die Höhle der Löwen” zu sehen.

Herr Thelen, haben sich die Rahmenbedingungen für Startups 2014 in Deutschland verbessert?
Frank Thelen: 2014 war ein gutes Jahr für Startups in Deutschland. Wir haben mehr Gründungen, mehr Kapital und mehr Aufmerksamkeit und Unterstützung von Politik und den Medien erfahren. Diese positive Entwicklung geschieht allerdings auf einer sehr kleinen Basis. Wir sind also auf einem guten Weg, aber noch sehr, sehr weit von den Größenordnungen der USA entfernt.

Große IT-Firmen suchen die Nähe innovativer Gründer. Zur Zeit arbeiten Sie an der #MakeItHappen Kampagne von Microsoft mit. Worum geht es?
Frank Thelen: Microsoft bietet Plattformen und Produkte an, die das tägliche Geschäft von Gründern und kleinen Unternehmen effizienter machen. Mit der #MakeItHappen Aktion wollen wir auf diese neuen Möglichkeiten hinweisen. Startups können sich mit Ihrer Idee bewerben und erhalten 5.000 € Kapital, Windows Phones und ein Coaching mit mir, so zusagen ein kleiner Boost um schnell durchzustarten.

Sie haben mit eigenen Startups Erfolge gefeiert, aber auch Rückschläge erlebt. Welche Ratschläge geben Sie jungen Gründern heute?
Frank Thelen: Starte niemals ein Unternehmen, um schnell reich und berühmt zu werden. Der Weg ist steinig, lang und Du wirst nur überleben, wenn Du es aus Überzeugung machst. Wenn Du dir eine Welt ohne Dein Produkt nicht mehr vorstellen kannst und für Dich alles andere nachrangig ist, gründe Dein Unternehmen und lass Dich nicht aufhalten!

Aktuell ist die Neuausrichtung ihrer Unternehmung „Doo“ hin zu „Scanbot“ spannend. Was passiert da?
Frank Thelen: Wir sind mit einer großen Idee für das “Papierlose Leben” gestartet. Wir haben Venture Capital aufgenommen, ein großes Team gebaut und Tag und Nacht gearbeitet. Nach dem wir unsere 1.0 veröffentlicht haben, wurde uns klar wie groß die Herausforderung wirklich war. Wir haben uns nicht abschrecken lassen und ein Jahr später Doo 2.0 veröffentlicht. Wir haben viel Unterstützung und Begeisterung von Firmen wie Microsoft, Apple und Google erhalten. Unsere Bundeskanzlerin hat uns sogar den Innovate4Society Award von Microsoft überreicht.

Aber wir mussten auch den harten Fakten ins Auge sehen: Wir hatten nicht so viele Kunden gewinnen können wie geplant. Eventuell waren wir zu früh mit unserer Idee, aber auch nach einem zweiten Anlauf sahen wir kein ausreichendes Wachstum. Wir haben dann auf Basis unserer Doo-Technologie eine sehr einfache App zum Scannen von Dokumenten veröffentlicht: Scanbot. Scanbot gewinnt bisher deutlich mehr Kunden als geplant und entwickelt sich langsam wieder Richtung papierloses Leben. Es ist wichtig immer wieder neue Idee umzusetzen und zu riskieren keinen Erfolg zu haben. Nur so können wir uns weiter entwickeln und revolutionäre Produkte entwickeln.

Mit Apps Geld verdienen: Die App Scanbot ist umsonst, hat aber eine In-App-Purchase-Möglichkeit. Wie gut funktioniert diese Strategie?
Frank Thelen: Hierbei ist wichtig zu verstehen, dass ein User keine laufenden Kosten generiert. Einzig entschieden ist daher die Anzahl der Kunden, die wir zu zahlenden Kunden machen. Ein Produkt zunächst in der freien Version zu testen und dann später die Pro Funktionen zu kaufen, funktioniert für unsere Kunden und unsere Firma bisher sehr gut.

Welche mobilen Technologien werden uns 2015 in Sachen Produktivität helfen?
Frank Thelen:
Schnelle Verbindungen via LTE und hochauflösende Bildschirme bilden die Basis für hervorragende Apps mit Cloud-Anbindung. Hierdurch haben wir eine gute Experience und jederzeit Zugriff auf alle Daten.

Sie sind nah dran an technologischen Innovationen. Wagen Sie einen noch weiteren Ausblick: Was kommt nach dem Smartphone? Und welche Rolle spielen deutsche Startups dabei?
Frank Thelen:
Intelligente Apps auf Basis von Milliarden Sensoren werden unser tägliches Leben verändern. Heute besiegt der Computer den Schach-Weltmeister, morgen wird er unser Leben besser steuern können als wir selber. Neue Hardware wie Uhren, 3D-Brillen werden endlich in ausreichender Qualität geliefert.

Bildquelle: www.frank.io

©2019Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH

Unsere Website verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung zu. Weitere Infos finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

ok