Google I/O
Ein bisschen enttäuschend war es ja schon: Kein neues Nexus, keine neue Android-Version und auch keine lustige Zusatz-Hardware für Androiden. Stattdessen hat Google auf seiner Entwicklerkonferenz einige erweiterte Dienste vorgestellt und zahlreiche Detailverbesserungen angekündigt.
Die auffälligste und wahrscheinlich massenwirksamste Neuerung ist das neue Google Maps. Die Kartenanwendung wird optisch aufgefrischt und mit vielen neuen Funktionen wie einer Spracherkennung aufgerüstet. So sind jetzt unter anderem Stauinformationen oder andere ortsbasierte Angaben besser integriert.
Außerdem soll das neue Google Maps besser auf die individuellen Bedürfnisse seiner Anwender reagieren. Basis dafür ist die Datenbasis von Google Now. Zumindest in der Vorschau wirkt die Browser-Ansicht von Google Maps deutlich eleganter als bisher. Frei zugänglich ist die Webapp noch nicht, Interessenten können sich aber für eine Preview anmelden.
Auch das Sozialnetzwerk Google+ ist grundlegend renoviert worden. So besteht der Newsstream jetzt aus einer an Karteikarten erinnernden Ansicht - wie Pinterest. Jede Karte enthält einen Google+-Beitrag und zeigt auf der Rückseite weitere Informationen. Insgesamt ist das Google-Netzwerk mit 41 neuen Funktion erweitert worden. Dazu gehören auch Erweiterungen und Verbesserungen bei Fotos, der Unterstützung von Hashtags und viele weitere Verbesserungen in den Details.
Unte dem Namen Google Hangout fasst Google alle bisherigen Messaging-Dienste zusammen. Google Talk und Google+ Messenger werden eingestellt und durch Hangout ersetzt. Er kann wahlweise als Text- oder Videochat für zwei Personen oder als Videokonferenz bis 10 Personen genutzt werden. Der bisherige Hangout-Videochat heißt jetzt ”Hangout Party”.
Auch der “Hangout On Air” ist noch vorhanden und wird über die Google+-Menüleiste gestartet. Der Clou des neuen Hangout: Dank spezieller Apps für Android und iOS sowie eines Chrome-Plugins für den Desktop-PC funktioniert die gesamte Dienstepalette geräteübergreifend.
Eine weitere Neuerung sind die beiden Erweiterungen von Google Play mit den Bezeichnungen “Google Play Music All Access“ und “Google Play Games“. Damit etabliert Google nun einen eigenen Dienst für das Streaming von Musik und einen speziellen Bereich für Spiele. Der Musikdienst erlaubt den kompletten Zugriff auf Abermillionen Titel im Musikshop von Google - für eine Monatsgebühr von 9,99 Dollar. Es ist jedoch noch völlig offen, ob und wann All Access in Europa eingeführt werden soll.
Die fünfte und letzte größere Neuerung ist das Android Studio, eine neue und verbesserte Entwicklungsumgebung für Android-Apps. Sie besitzt einen leistungsfähigen Editor und verbesserte Funktionen zum Auffinden von Fehlern. Die neue Umgebung erlaubt außerdem eine App-Vorschau für verschiedene Versionen, Sprachen und Endgeräte. Der “App Translation Service” hilft bei der einfachen Übersetzung einer App.
Mit diesen fünf Neuerungen sind die großen Themen auch schon abgehakt. Bei zahlreichen Konferenzbesuchern und -beobachtern hat das für Ernüchterung gesorgt: Keine attraktive Hardware, kein großer Wurf bei Android. Auf den ersten Blick ist es wirklich ein wenig enttäuschend, doch die diesjährige Google I/O passt genau in die aktuelle Vorgehensweise des Internetkonzerns. Google ordnet, sortiert und poliert seine Produktpalette.
Im so genannten Frühjahrsputz sind eine ganze Reihe von Diensten eingestellt oder wie Google Reader auf die Abschussliste gesetzt worden. Und auch in diesen Tagen wird weiter geputzt: Google stellt die E-Commerce-Funktion Google Checkout ein. Ganz offensichtlich möchte Google seine Produktpalette auf die massenkompatiblen und werbeträchtigen Bereiche begrenzen. Dort allerdings soll dann richtig reingebuttert werden.
Zwar ist die neue Google+-Optik bei den Nutzern ziemlich umstritten und wird als Pinterest-Clone geschmäht. Doch das soziale Netzwerk wirkt dadurch moderner als der große Konkurrent Facebook. Auch Google Maps sowie die Apps für diesen Dienst wirken zumindest in der Review aufgeräumter, schicker und zeitgemäßer als bisher. Auch die Integration von Maps, Now und Plus wächst.
Die Neuerungen zeigen deutlich eine Richtung, in die Google gehen will. Es geht unter anderem um ortsbasierte Suche mit einem an die persönlichen Vorlieben angepassten Ergebnis. Sprich: Es geht um lokalisierte Werbung und Empfehlungsmarketing. Das Zusammenwachsen seiner Dienste scheint Google im Moment wichtiger zu sein als Hardware und Android.
Bildquelle: Google