Für die Klangreisen werden binaurale Beats in komponierte Musik eingebettet, wodurch jede Session ihre passgenaue Soundwelt erhalten soll. ((Bildquelle: Thinkstock))
Philipp Hofheinz von Sonamedic. ((Bildquelle: Sonamedic))
MOB: Herr Hofheinz, warum braucht die Welt eine Meditations-App?
Philipp Hofheinz: Studien bestätigen, dass es für entsprechende Anwendungen einen großen Markt gibt: 80 Prozent der berufstätigen Bevölkerung zwischen 35 und 60 Jahren leiden an Schlafstörungen, 63 Prozent der Deutschen empfinden ihr Stresslevel im Job als hoch. Es gibt also in unserer Gesellschaft eine klare Tendenz zur inneren Unruhe, die durch Krisen wie die Covid-19-Pandemie steigt. Um den genannten Problemen entgegenzuwirken, suchen immer mehr Menschen einen Ausgleich durch Achtsamkeitstraining oder Meditation. Häufig unterstützt durch Apps, denn mit diesen ist man ortsunabhängig und kann die Meditation leicht in den Alltag integrieren. Außerdem steigt die Akzeptanz von Themen wie mentaler und kognitiver Gesundheit, Achtsamkeitsübungen und eben auch Meditationen. Diese Themen galten bis vor wenigen Jahren noch als zu esoterisch für den Massenmarkt. Seitdem hat sich viel getan und mittlerweile gibt es viele verschiedene Angebote, über die man sich diesen Themen „ganz ohne Räucherstäbchen“ nähern kann. Und genau das ist auch der Ansatz von Sonamedic.
MOB: Was sind die Herausforderungen bei der Entwicklung einer solchen Applikation?
Hofheinz: Die größte Herausforderung war es, ein Produkt zu entwickeln, das die gewünschte Wirkung entfaltet. Mein Mitgründer Andreas Lehnert und ich haben keinen Hintergrund in der traditionellen Meditation, daher haben wir unseren Schwerpunkt bei der Unterstützung der gewünschten Gemütszustände auf die Wirkung von Sound gelegt. Die nächste Herausforderung bestand darin, eine intuitive und benutzerfreundliche App zu entwickeln. Hier haben wir nach der Public Beta alles umgeschmissen und die App auf Basis von Feedback komplett neu konzeptioniert und entwickelt. Bei der Gründung des Unternehmens bin ich, vor allem bei der Vorstellung der Geschäftsidee, sehr häufig auf Unverständnis gestoßen: „Achtsamkeitstraining mit dem Handy? Das passt ja überhaupt nicht zusammen! Die Leute sollten ihre Handys besser öfter mal weglegen!“ Ich verstehe das natürlich und habe auch selbst intensiv über diese Diskrepanz nachgedacht. Ich bin aber dennoch überzeugt, dass es verschiedene Möglichkeiten gibt, die neuen technologischen Möglichkeiten zu einem vitalen Teil unserer Welt zu machen. Die Entwicklung und die starke Integration dieser Technologien in unser ganzes Leben ist Realität und die Menschen werden ihre Smartphones nicht einfach wieder weglegen und weniger online sein. Statt uns gegen diese Kraft zu stellen, sollten wir eher darüber nachdenken, wie wir diese neuen Möglichkeiten am besten nutzen können.
Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 7-8/2021. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.
MOB: Was verbirgt sich hinter binauralen Beats und wie kommen sie in Ihrer App zum Einsatz?
Hofheinz: Bei unseren geführten Meditationen werden die sprachlich begleiteten Musik- und Soundwelten mit binauralen Beats kombiniert. Binaurale Beats sind ein moderner Ausdruck für das physikalische Prinzip der binauralen Schwebung, einer wissenschaftlich belegten Methode der Audiotherapie, um über Töne verschiedene Gemütszustände wie Entspannung zu fördern. Diese Beats entstehen im Gehirn, wenn dem rechten und dem linken Ohr – idealerweise über Kopfhörer – zwei unterschiedliche Frequenzen zugespielt werden. Unser Gehirn versucht, diesen Tonhöhenunterschied zu messen und erzeugt einen dritten, psychoakustischen Ton. Einen „Phantomton“, über den gezielt Hirnwellenbereiche stimuliert und variiert werden können, die für bestimmte Zustände wie Entspannung geeignet sind. Für die Klangreisen betten wir binaurale Beats in komponierte Musik ein, wodurch jede Session ihre passgenaue Soundwelt erhält. Eine weitere Besonderheit der App: Die begleitenden Texte werden von prominenten deutschen Stimmen gesprochen.
MOB: Welche Rolle können Meditations-Apps im Unternehmensalltag spielen?
Hofheinz: Sonamedic ist ursprünglich als Anwendung für den Endverbraucher gestartet, wird nun aber auch immer öfter im Bereich der betrieblichen Gesundheitsvorsorge verwendet. Die Mitarbeiter unserer Partnerunternehmen können unsere kurzen Sessions nutzen, um sich zu entspannen, ihre Produktivität zu fördern oder Stress zu reduzieren. Es ist bekannt, dass die psychische Gesundheit der Mitarbeiter essenziell für den Unternehmenserfolg ist. Aktuell entdecken auch immer mehr kleine und mittlere Unternehmen die enormen Vorteile, sich auch aktiv um die mentale Gesundheit ihrer Mitarbeiter zu kümmern. Nicht zuletzt geht es dabei um handfeste wirtschaftliche Vorteile, für die Volkswirtschaft ebenso wie für einzelne Unternehmen. Zu diesem Ergebnis kommt u.a. bereits der Iga.Report 28 der Initiative Gesundheit und Arbeit aus dem Jahr 2015. Demnach führen kluge Investitionen ins betriebliche Gesundheitsmanagement durchschnittlich zu einem Return on Investment (ROI) von 1:2,7. Das liegt u.a. am deutlichen Rückgang krankheitsbedingter Fehlzeiten, und zwar, wie Daten aus mehr als 2.400 Studien zeigen, um durchschnittlich ein Viertel. Egal, ob wir von New Work oder der steigenden Bedeutung des Themas „Mental Health“ sprechen – wir stehen mit der Digitalisierung gesundheitsfördernder Maßnahmen in Unternehmen am Anfang einer unglaublich spannenden Entwicklung.
MOB: Können Sie abschließend ein konkretes Praxisbeispiel nennen?
Hofheinz: Eines unser Partnerunternehmen ist die Management-Beratung für IT-Organisationen Serview. Seit diesem Jahr stellt das Unternehmen allen Trainingsteilnehmern unsere App für 30 Tage kostenlos zur Verfügung. Die Nutzer können sich so während des Trainings besser auf die Lerninhalte fokussieren. Auch Serview-Geschäftsführer Michael Kresse nutzt die App, um sich vor wichtigen Terminen zu fokussieren.