Phänomen E-Scooter

Gekommen, um zu bleiben

Während Millennials „voll darauf abfahren“, mit dem E-Scooter durch die Stadt zu düsen, werden nach der ersten Euphorie nun kritische Stimmen laut. „Nicht nachhaltig, überflüssig, zu gefährlich“ – im Interview erklärt Bird-Deutschland-Chef Christian Gessner, was er von diesen Vorurteilen hält.

  • Ansicht der Stadt Berlin

    In großen Städten wie Berlin zählen E-Scooter mittlerweile fest zum Stadtbild. ((Bild: Getty Images/iStock))

  • Bird-Deutschland-CEO Christian Gessner

    Wir wissen, dass alternative, zukunftsweisende Transportmodelle Zeit brauchen, bis der Markt sie annimmt und der Mehrwert gesehen wird“, sagt Christian Gessner von Bird. ((Bild: Bird))

MOB: Herr Gessner, sie stehen in den großen Städten mittlerweile fast an jeder Ecke: E-Scooter. Doch wie schaut die bisherige allgemeine Bilanz hinsichtlich des Einsatzes in Deutschland aus?
Christian Gessner:
Wir sind sehr zufrieden mit der bisherigen Nutzung unserer E-Scooter. Eine sukzessive Erweiterung der Flotte ist bereits in Planung. Dies geschieht allerdings in Maßen, da wir ein nachhaltiges Wachstum und eine langfristig konstruktive Zusammenarbeit mit Politik, Verwaltung sowie Bürgern anstreben.

MOB: Worin bestehen die Vorteile von E-Scootern im Vergleich zur Nutzung des ÖPNV oder von Fahrrädern?
Gessner:
Wir sehen sie als Ergänzung zum öffentlichen Nahverkehr, nicht als Ersatz, denn sie bieten der Masse abrufbare, bequeme und nachhaltige Mobilität für die letzte Meile. Uns geht es um eine nachhaltige und ökologisch sinnvolle Alternative zum privaten PKW.  

MOB: Durch den Einsatz von E-Scootern soll u.a. gegen die Verkehrsdichte und CO2-Emissionen in Städten vorgegangen werden. Allerdings werden die Roller täglich per Transporter eingesammelt und später wieder an Hotspots abgestellt. Inwieweit lässt sich hier also wirklich von Nachhaltigkeit sprechen?
Gessner:
Ein Beispiel: Würden wir nur eine einzige Fahrspur umrüsten, könnten wir im Vergleich zum Auto fünf Mal so viele Menschen auf Scootern befördern, den Verkehr in Städten viel effizienter gestalten und den Kohlenstoffausstoß massiv eindämmen. Für das Ausliefern und Einsammeln unserer Birds nutzen wir derzeit in vielen Regionen eine Vielzahl an Transportmöglichkeiten – von Hybrid-Vans bis hin zu elektrischen Tuk-Tuks. Auch für Deutschland sind wir an der Planung entsprechender Möglichkeiten und wollen diese schnellstmöglich umsetzen. So leisten wir unseren Beitrag zur größtmöglichen Nachhaltigkeit.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 9-10/2019. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo. 


MOB: Viele E-Scooter sollen oft nur ein bis zwei Monate halten, dann müssen sie aus dem Verkehr gezogen werden. Der Bird One Germany soll bis zu 18 Monaten im Sharing-Betrieb durchhalten. Wie bewerkstelligen Sie das?
Gessner:
Unsere E-Scooter sind nicht „von der Stange“. Unsere neuen Modelle setzen die nächsten Standards in Bezug auf Qualität, Sicherheit und Lebensdauer. Der Bird One Germany wurde speziell für den deutschen Markt entwickelt und produziert. Hier weist auch der Akku eine bis zu 60 Prozent längere Haltbarkeit auf. Außerdem ist die Beleuchtung stärker, und die Konstruktion ist robuster als die anderer Konkurrenzmodelle.
 
MOB: Was passiert denn mit den E-Scootern, wenn ihr Stündchen geschlagen hat?
Gessner:
Bei Bird setzen wir sehr stark auf das „Create-to-Create“-Prinzip. Im Fall der Fälle nutzen wir Einzelteile eines beschädigten E-Scooters, um einen anderen zu reparieren. Wir finden, dass dieser Aspekt sowohl ökologisch als auch ökonomisch wegweisend ist. Derzeit arbeiten wir zudem mit einem, in Großbritannien ansässigen Unternehmen zusammen, das die sichere Entnahme von Batterien, Verpackung und Entsorgung/Recycling unter Einhaltung aller einschlägigen Gesetze und Umweltvorschriften einschließlich der WEEE-Richtlinie (Waste Electrical and Electronic Equipment) und der ADR- Richtlinie (Europäisches Übereinkommen über den internationalen Gefahrguttransport auf der Straße) anbietet. Diese Zusammenarbeit greift auch für Deutschland.

MOB: Was muss in den kommenden Monaten passieren, damit E-Scooter kein kurzlebiger Trend sind?
Gessner
: Wir wissen, dass alternative, zukunftsweisende Transportmodelle Zeit brauchen, bis der Markt diese annimmt und der Mehrwert gesehen wird. Unserer Meinung nach müssen Entscheider und Verantwortliche aus Politik und Wirtschaft involviert sein, damit wir ein Umdenken in der Gesellschaft bewirken. Wir arbeiten deshalb partnerschaftlich mit Städten und Gemeinden zusammen und unterstützen diese bei der Erreichung ihrer individuellen Mobilitätsziele. Damit wird Mobilität als Ganzes gestärkt, ohne den Kohlenstoffausstoß zu erhöhen. So bringen wir Bürgern das Prinzip und die Vorteile der E-Mobilität am besten näher. Denn wenn wir unsere Klimaziele in Zukunft erreichen und gemeinsam aktiv Nachhaltigkeit gestalten wollen, müssen wir jetzt handeln.

 

 

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