Remote-Arbeit bindet Mitarbeiter – und lohnt sich nicht nur deswegen für den Arbeitgeber.
Das ist das zentrale Ergebnis des „Remote Work Reports 2022“ von Anydesk, für den über 800 deutsche und US-amerikanische Remote Worker befragt wurden. Ein flexibler Arbeitsplatz ist für viele Mitarbeiter die neue Normalität und – wie die Umfrage zeigt – ein Mindeststandard. Etwa jeder zweite befragte Remote-Arbeitende in Deutschland gibt an, dass er wohl kündigen würde, falls sein Arbeitgeber Remote- oder Hybrid-Arbeit streicht. Oder anders gesagt: Remote-Arbeit bindet Mitarbeiter – und lohnt sich nicht nur deswegen für den Arbeitgeber. Knapp 45 Prozent der Mitarbeiter arbeiten nach eigenen Angaben zuhause mehr als im Büro – bei 35 Prozent ist das Arbeitspensum vergleichbar. Die überwältigende Mehrheit leistet also mehr, wenn sie nicht im Büro arbeitet.
Doch Remote Work bedeutet nicht, dass die Mitarbeiter dem Büro generell fernbleiben. Stolze 81 Prozent der Befragten geben an, dass sie regelmäßig im Büro anzutreffen sind. Jeder zweite Remote Worker arbeitet sogar drei oder mehr Tage im Büro (49,8 Prozent). Entgegen allen Vorurteilen gehen Mitarbeiter, die selbstbestimmt und flexibel den Arbeitsplatz wählen können, sehr verantwortungsvoll vor und passen den Arbeitsort den geforderten Notwendigkeiten an. Interessant dabei: Remote-Arbeit ist nicht nur ein Vertrauensbeweis des Arbeitsgebers, für jeden Dritten fühlt es sich sogar so an, dass ihm dadurch mehr Vertrauen entgegengebracht wird als in Präsenzarbeit – jeder Zweite betrachtet das Vertrauensniveau des Arbeitsgebers in sich selbst als unverändert.
Starken Verbesserungsbedarf gibt es jedoch beim Thema „Sicherheits- und Compliance-Richtlinien“. Nur bei 54,6 Prozent der Remote-Arbeiter stellen Unternehmen eine konkrete Verhaltensrichtlinien zur Verfügung. 15,9 Prozent der remote arbeitenden Mitarbeiter verneinen die Existenz solcher Regelungen und 29,5 Prozent sagen, dass sie es nicht wüssten – was im günstigsten Fall bedeutet, dass einfach die Regeln nicht kommuniziert worden sind. Hier werden 50 Prozent der Mitarbeiter im Stich gelassen.
Die Umfrage untersucht auch die technische Seite von Remote Work. Wie sieht es etwa bei IT-Problemen aus? Hierzu gibt rund ein Drittel der Remote Worker an, oft mit technischen Problemen zu kämpfen. Mit dem IT-Support bei Remote Work hadert jedoch mehr als die Hälfte der Befragten (fast 53 Prozent).
Auch bei der Frage, was die Arbeitserfahrung bei Remote Work verbessern könnte, stehen technische Aspekte ganz oben auf der Liste. Befragte aus Deutschland wünschen sich vor allem eine stabilere Internetverbindung (26,7 Prozent), gefolgt von schnellerem Internet (22,4 Prozent) und besserem IT-Support (13,0 Prozent). Internetstabilität und fehlende Bandbreite ist jedoch weniger ein Thema der Unternehmen als eines der Internet-Provider, des Netzausbaus und der oft zu geringen Bandbreiten. Hier muss Deutschland auch im Vergleich zu den anderen Industrienationen deutlich aufholen.
Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 07-08/2022. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.
Letztlich zeigt die Studie: Flexible Arbeitsmodelle bieten vielerlei Vorteile für Unternehmen und Mitarbeiter. Sie erfordern aber auch eine aktive Unterstützung der Mitarbeiter durch geeignete Technik und einen schnellen Support bei Problemen sowie dezidierte Richtlinien für die Sicherheit der Unternehmen.
Bildquelle: Getty Images / iStock / Getty Images Plus