Mit dem Smartphone Geld verleihen

Geld kostenlos per App überweisen

Das Berliner Unternehmen Payfriendz will Geldangelegenheiten unter Freunden mobil lösen. Wie bei einer Messenger-App lässt sich laut Anbieter Geld an Freunde mit entsprechendem Account überweisen. Wir sprachen mit einem der beiden Gründer des Start-ups, Andreas Rührig.

„Unser Fokus liegt darauf, Geld unkompliziert, sicher und günstig in unser Zahlsystem zu bekommen. Das geht per Banküberweisung, eigener Kreditkarte, Paypal oder Aufladen am PoS“, sagt Andreas Rührig, Gründer von Payfriendz.

In den letzten Jahren hieß es immer wieder, mobiles Bezahlen stünde kurz vor dem Durchbruch. Was hat diesen Durchbruch bislang verhindert?
Andreas Rührig:
Wenn man unter mobilem Bezahlen die Zahlung mit dem Handy am Point of Sale (PoS) versteht, dann hat dies mehrere technische Gründe. Zuallererst ist es das Fehlen einheitlicher Standards: Es konkurrieren NFC, Beacons, QR-Codes und Funktechnologien. Hier sind Mobilfunkanbieter, die Smartphone-Hersteller und die Finanzunternehmen Mastercard/Visa gefragt, sich zusammenzutun und einen Standard frei zur Verfügung zu stellen. Bislang hat man es auch noch nicht geschafft, mobile Bezahllösungen am PoS-Terminal zu aktivieren. Es gibt allerdings auch Hürden bei den Nutzern. So wurden noch keine Vorteile geschaffen für die Kunden gegenüber Bargeld- oder Kartenzahlung. Außerdem wurde es verpasst, die Zielgruppe an die neuen technischen Möglichkeiten heranzuführen.

Sie bringen jetzt Ihr Produkt Payfriendz auf den Markt. Welcher Ansatz verbirgt sich dahinter?
Rührig:
Wir versuchen zunächst, Vorteile und zusätzlichen Nutzen für unsere Kunden zu schaffen, die sie mit Bargeld oder den zur Verfügung stehenden Diensten (Girokonto, Kartenzahlung) nicht haben. Dazu zählen das einfache Versenden und Anfragen von Geld – unabhängig von der Höhe des Betrags, vom Aufenthaltsort oder der Währung der Freunde.

Was genau heißt das? Wie funktioniert es?
Rührig:
Beispiele hierfür sind: ein einfaches Teilen von Restaurantrechnungen ohne mühsame Auseinandersetzung mit dem Kellner, mit Wechselgeld oder wer welchen Betrag zahlt. Außerdem ist es möglich, Geld schnell und einfach ins Ausland zu transferieren. Das System eignet sich für Freiberufler und Kleinunternehmer, also Personal Trainer, Musiklehrer, Babysitter, Flohmarkt – also überall dort, wo man Geld braucht und dem Ärger mit dem Wechselgeld entgehen möchte.

Darüber hinaus ist es ist viel einfacher, Geburtstagsgeschenke oder Gruppenreisen (Vereine, Schulen, Freunde) zu organisieren. Der wohl wichtigste Faktor ist, im Freundeskreis Geld zu verleihen – perfekt also, wenn der Geldbeutel mal wieder vergessen wurde oder der Weg zum Geldautomaten gespart werden soll.

Um dies zu etablieren, ist allerdings auch der schnelle und einfache Zugang zum verschickten Geld nötig. Daher liegt unser Fokus darauf, Geld unkompliziert, sicher und günstig in unser Zahlsystem zu bekommen. Das geht per Banküberweisung, eigener Kreditkarte, Paypal oder Aufladen am PoS.

Zusätzlich ist es wichtig, das Geld über unsere App auch im Handel nutzen zu können: Dies ist möglich über die virtuelle Payfriendz Mastercard, mit der man das Geld online ausgeben kann, z.B. für einen Flug, in Onlineshops, für Spenden oder Tickets. Die Auszahlung auf das eigene Girokonto ist ebenfalls integriert. In Zukunft kann man auch direkt mit dem Handy an sogenannten Mastercard-Pay-Pass-Akzeptanzstellen bezahlen. Wir steuern hierzu direkt den NFC-Chip auf dem Smartphone an bzw. verschicken einen NFC-Pay-Pass-
Sticker. Die virtuelle Mastercard wird man zudem auch noch als Plastikkarte erhalten. Vor allem muss die App natürlich einfach zu bedienen sein, damit der Geldversand oder die Anfrage so einfach von der Hand gehen wie eine Nachricht an einen Freund bei Whatsapp zu verschicken.

Wie wichtig wäre die Etablierung von Standards im Umfeld des mobilen Bezahlens?
Rührig:
Grundsätzlich ist es immer hilfreich, sich auf einen einheitlichen Standard zu verständigen, um neue Bezahlmethoden zu etablieren. Allerdings wird das durch die extrem schnelle Weiterentwicklung der Technik erschwert. Wir setzen aktuell mit Mastercard Paypass auf ein System, das durchaus die Chance hat, zum Standard zu werden, behalten uns jedoch die Möglichkeit vor, jederzeit andere Technologien an unser System anzuschließen – beispielsweise Beacons.

Welche Rolle wird mobile Payment Ihrer Meinung nach in naher Zukunft spielen? Inwieweit könnten Bitcoins reale Geldscheine verdrängen?
Rührig:
Ich glaube, Mobile Payment hat viele Facetten und wird sich nicht über die Zahlung mit dem Handy an der Ladentheke in die Köpfe der Leute bringen. Dienste wie unserer sind meiner Meinung nach viel besser dazu geeignet, die Menschen für Mobile Payment zu begeistern, da tatsächliche Probleme gelöst oder vereinfacht werden.

Bitcoins helfen hier nicht wirklich weiter, da sie am Ende auch nur eine „Währung“ sind. Payfriendz wird Bitcoins ebenfalls als Währung integrieren, da für uns wie gesagt die Flexibilität der Kunden im Vordergrund steht, Geld versenden und anfragen zu können, ohne dass sie dabei auf Länder oder Währungen achten müssen. Wenn ein Kunde sein Geld lieber in der Bitcoin-Währung verwaltet, aber sein Umfeld dennoch Euro hat, dann lassen wir diese Grenze verschwinden.

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