Microsoft im Börsenhoch

Gelungene Wende mit Satya Nadella

Microsoft ist wieder ganz oben, zumindest an der Börse. Dies zeigt deutlich, dass der Strategiewechsel von Satya Nadella erfolgreich ist.

Heute folgt die nächste Runde der herbstlichen Produktvorstellungen: Microsoft ist an der Reihe. Doch vorher gibt es erst einmal gute Nachrichten, denn der Börsenkurs des IT-Riesen aus Seattle hat sein Allzeithoch von 1999 übertroffen. Das ist für Aktionäre eine gute Nachricht. Obwohl Microsoft weit von seiner ehemaligen Marktdominanz entfernt ist, ist es immer noch ein unglaublich wertvolles und vor allen Dingen profitables Unternehmen. Die Gründe dafür sind schnell aufgezählt: In erster Linie liegt es an Office und der Cloud.

Erfolg durch Office und Cloud

Die gesamte Office-Produktlinie gehört immer noch zu den größten Umsatzbringern. In den letzten fünf Jahren lagen die Umsätze immer zwischen 22 und 24 Milliarden Dollar pro Jahr und bildeten damit 25 bis 30 Prozent der Gesamtumsätze. Einer der vielen Gründe für diesen Erfolg ist die gelungene Strategie, das Einzelplatzprogramm in einen Cloudservice umzuwandeln. Office 365 hat jetzt etwa 24 Millionen zahlende Abonnenten und auch die anderen Clouddienste boomen und sind erfolgreich.

Zwar ist immer noch Amazon mit seinen Web Services (AWS) der Marktführer, doch Microsoft wird zur ernsthaften Konkurrenz. Es ist relativ schwierig, genaue Zahlen zu den Cloud-Umsätzen zu erhalten, da Microsoft sie nicht explizit ausweist, sondern in den Produktbereichen Office und Server versteckt. Die Unit „Server Products and Tools“ ist das zweitgrößte Segment mit etwa 19 Milliarden Dollar Umsatz und einem Anteil von 22 Prozent am Gesamtumsatz.

Ein weiterer, recht beeindruckender Anstieg betrifft die Surface-Sparte. Im Finanzjahr 2016 machte Microsoft damit gut vier Milliarden Dollar Umsatz. Für ein Unternehmen, das neu in den Hardware-Markt eingestiegen ist, ein beachtlicher Erfolg. Aber: Apple beispielsweise machte letztes Jahr 21 Milliarden Dollar Umsatz mit dem iPad und 24 Milliarden mit dem Macintosh. Und auch da ist gemeinhin von einer (wenn auch recht großen) Nische die Rede.

Satya Nadella hat die Wende geschafft

Nicht so gut dagegen sieht es in der Windows-Sparte aus, sie ist in den letzten Jahren geschrumpft. Dies liegt zum einen daran, dass der PC-Markt generell kleiner wird und zum anderen an der neuen Lizenzierungspolitik für Windows 10: Es war ziemlich lange Zeit kostenlos und ist auch jetzt günstiger zu haben als seine Vorgänger.

Doch insgesamt sieht es gut aus für Microsoft. Satya Nadella hat es tatsächlich geschafft, Microsoft neu auszurichten. Vor ein paar Jahren hätte das niemand gedacht, Microsoft galt als verstaubt und war bei vielen schon abgeschrieben. Aus Gründen, denn der ehemalige CEO Steve Ballmer war zwar ein Sales-Genie, verpasste aber die wichtigsten Technologietrends der letzten Jahre: Suche, Smartphones, Mobilebetriebssystem, Medienstreaming und die Cloud.

Zwar gab es zahlreiche Projekte in dieser Hinsicht, doch sie wurden stiefmütterlich behandelt und häufig eingestellt - etwa der Tablet-PC oder Windows Mobile. Beide Systeme waren gut gedacht und mit einem gewissen Gespür für zukünftige Trends entwickelt worden. Allerdings war es nie gelungen, die Systeme wirklich modern zu machen und sie zu nutzerfreundlichen Consumer-Produkten auszubauen. Das blieb in beiden Fällen Apple vorbehalten.

Microsoft hat seine Lektion gelernt

Satya Nadella hat sofort nach dem Ballmer-Rücktritt eine kräftige Wende eingeleitet und das Unternehmen rund um die Themen Mobile und Cloud organisiert. Zudem ist Microsoft jetzt auch recht engagiert in ganz vielen, zurzeit angesagten Bereichen, etwa Augmented/Virtual Reality und KI-Sprachassistenten. Im Unterschied zur Ballmer-Ära bietet Microsoft hier nicht nur halbherzige Experimente, sondern wirkliche, durchaus alltagstaugliche Lösungen. HoloLens beispielsweise ist zurzeit das am weitesten fortgeschrittene Produkt in seinem Marktsegment.

Zudem hat Microsoft auch eine Strategie für Windows, um den trüben Aussichten im PC-Markt etwas entgegenzusetzen. Das System hat sich von der PC-Plattform gelöst und arbeitet nun auch auf anderer Hardware. So gibt es beispielsweise ein Windows für die HoloLens-Brille, für Telefone, Geräte im Internet der Dinge oder Kleinstcomputer wie den Raspberry Pie.

Diese vielen Aktivitäten zeigen, dass Microsoft-CEO Satya Nadella begriffen hat: Es reicht nicht, sich auf den erfolgreichen Produkten der Vergangenheit auszuruhen und sie mit aggressiven Vertriebsstrategien in den Markt zu drücken. Kundenströme können ganz schnell versiegen oder andere Wege nehmen. Diese Lektion mussten bereits viele Unternehmen lernen, Microsoft hat sie jetzt verinnerlicht.

Bildquelle: Microsoft

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