Gesündere Mitarbeiter

Gemeinschaft als Motivationsfaktor

Im Interview erläutert Alexander Kuttig, Gründer der Horizon Alpha GmbH & Co. KG und Mitgründer der Teamfit GmbH, warum in einer immer stärker digitalisierten Welt, geprägt von Homeoffice und Remote Work, das Angebot eines digitalen Produkts zur Gesundheitsförderung und zum digitalen Teambuildung ein enorm wichtiger Punkt ist.

Alexander Kutti, Teamfit

Alexander Kuttig verfügt über einen Master of Science Informatik sowie über Erfahrungen als internationaler Sprecher auf verschiedenen technischen Events. Lange Zeit war er im Bereich „Handball“ in verschiedenen Jugend- und Seniorenmannschaften tätig und besitzt eine B-Lizenz Leistungssport Handball.

MOB: Herr Kuttig, was verbirgt sich hinter der Betrieblichen Gesundheitsförderung, kurz BGF, und was sind ihre Aufgaben?
Alexander Kuttig: BGF beschreibt den Prozess der gesundheitsfördernden Organisationsentwicklung durch die Etablierung partizipativer Strukturen für Beschäftigte. Im Grunde ist es eine Strategie, die sich so nah wie möglich an den jeweiligen Arbeitsfaktoren im Unternehmen ausrichtet, die einen Einfluss auf die Gesundheit der Mitarbeiter haben können. Das kann sowohl psychische als auch physische Aspekte umfassen und zielt darauf ab, die Zufriedenheit und Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter im Unternehmen langfristig zu fördern. Heute gibt es verschiedenste Möglichkeiten an Maßnahmen: ob vor Ort oder über Online-Kurse, die live und „on demand“ genutzt werden können.

MOB: Im Zuge der Digitalisierung wurden in den letzten Jahren vermehrt digitale Tools entwickelt, um analoge Maßnahmen der BGF zu unterstützen. Doch warum führt das Bereitstellen solcher Anwendungen allein nicht zum gewünschten Erfolg?
Kuttig: Menschen werden immer den Kontakt zueinander wünschen und viele digitale Tools vernachlässigen diesen Aspekt bis heute. Auch fehlen häufig jene Strategien, diese Anwendungen im Unternehmen zu verankern, denn oft sind sich die Beschäftigten gar nicht über die verschiedenen Angebote in der eigenen Organisation bewusst. Teil des Problems ist, dass Unternehmen die Tools einfach nur bereitstellen und ihre Aufgabe damit als erledigt sehen. Das ist aber zu kurz gedacht, denn BGF und die ständige Motivation zu einem gesünderen Leben sind auch Teil der Aufgabe eines modernen Unternehmens. Derlei helfen nur, wenn das Unternehmen darüber kommuniziert und an die eigenen Umstände anpasst. Wir versuchen, mit der Teamfit-App all diese Aspekte durch einen viralen Ansatz der Verbreitung und einen klaren Fokus auf Teams und die Gemeinschaft zu lösen.

MOB: Inwieweit lässt sich z.B. der soziale Charakter von „Challenges im Netz“ auch im Unternehmenskontext nutzen, um Mitarbeiter für Betriebliche Gesundheitsförderung zu begeistern und den Unternehmenszusammenhalt zu stärken?
Kuttig: Challenges, gerade gemeinsam absolvierte, erzeugen unter den Teilnehmern ein starkes Gemeinschaftsgefühl und eine ungeheure Motivation. Dieses Teambuilding ist etwas, was jedes Unternehmen als Ziel haben sollte. Wenn man dies nun mit den Themen „Sport“, „Achtsamkeit“ und „Ernährung“ kombiniert, hat man drei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: gesündere Mitarbeiter, ein besseres Team und eine höhere Bindung an das Unternehmen.

MOB: Worauf kommt es bei der Umsetzung entsprechender Maßnahmen an?
Kuttig: Zuerst sollte eine Aktion gut vorbereitet sein und zum jeweiligen Unternehmen und den Mitarbeitern passen. Der wichtigste Aspekt ist dabei die Inklusivität: Alle können mitmachen und das Angebot muss jeden ansprechen. Das Gemeinschaftsgefühl kann nur entstehen, wenn niemand ausgeschlossen wird. Daneben spielt die Abwechslung der Maßnahmen eine große Rolle, welche mit spannendem, informativem Content unterfüttert werden sollte. Es reicht nicht, eine Aktion zu starten und über das Jahr laufen zu lassen, um zufriedene und motivierte Teilnehmer zu haben. Dafür bedarf es einer guten Planung, viel Abwechslung, sprich verschiedener Challenges mit unterschiedlichen Modi und Zielen, mal im Wettbewerb, mal kollaborativ, am besten in Kombination mit Offline- und Online-Events.

MOB: Welche Rolle spielt an dieser Stelle die bereits erwähnte Gesundheits-App „Teamfit“?
Kuttig: Sie bietet eine hochindividualisierbare Plattform, die sich an die Gegebenheiten und Ziele eines Unternehmens anpassen lässt, in der wir die Challenges abbilden. Dazu bekommt jede Organisation eine eigens gebrandete Version der App – größere Unternehmen erhalten hier sogar eine komplett eigene White-Label-Anwendung. Darüber hinaus entwickeln wir im Falle einer langfristigen Kooperation eine individuelle, dem Unternehmen eigene Challenge bzw. Challenges. Zusätzlich beraten wir bei der Konzeption der Aktionen, um eine positive Resonanz in der Belegschaft sicher zu stellen. Dazu zählen Kommunikation, um möglichst viele Mitarbeiter zu erreichen, laufende Betreuung und Content-Generierung, um möglichst viele Mitarbeiter dabei zu behalten. Die Zahlen der laufenden Aktionen sprechen hier für sich – wir erreichen im Schnitt 45 Prozent der Mitarbeiter, wovon über 50 Prozent langfristig dabeibleiben.

MOB: Wer sind grundsätzlich die Anwender jener App? Können Sie konkrete Beispiele nennen?
Kuttig: Jeder Mitarbeiter – ganz egal, ob White Collar oder Blue Collar und unabhängig von Land oder Sprache – kann mitmachen. Der inklusive Ansatz motiviert Beschäftigte aus allen Bereichen. Erfahrungsgemäß sind die sportlich aktiven Mitarbeiter als erstes mit dabei. Sie motivieren aber dann viele weitere Kollegen zum Teilnehmen.

MOB: Eine Herausforderung solcher digitalen Lösungen bildet der Datenschutz. Wie gehen Sie dieses Thema an?
Kuttig: Wir haben eine strikte Trennung von personenbezogenen Daten und Trainings- bzw. Fortschrittsdaten. Zusätzlich speichern wir alle Daten nur in verschlüsselter Form, ebenso werden sie auch nur verschlüsselt übertragen. Ein eigener Datenschutzverantwortlicher sorgt für die Einhaltung der gängigen Vorschriften. Auch geben wir keine Daten auf Personenebene an die Unternehmen weiter. Der Datenschutz ist hier gegenüber dem eigenen Arbeitgeber wichtig. Zusätzlich wird auch innerhalb der Plattform strikt getrennt, wer was von den Aktivitäten sehen kann. Nur mein eigenes Team – meist eine kleine Gruppe der engsten Kollegen – kann sehen, wann ich was gemacht habe. Andere Teilnehmer außerhalb des Teams sehen nur die Leistung des gesamten Teams, wodurch keine Rückschlüsse auf die Leistungen, Gewohnheiten und Gesundheitsstände eines Einzelnen gezogen werden können.

MOB: Welche Strategien können HR-Spezialisten letztlich einsetzen, um BGF langfristig im Unternehmen zu verankern? Was macht BGF anno 2022 erfolgreich?
Kuttig: Der wichtigste Punkt ist, zu begreifen, dass Mitarbeiter etwas gemeinsam machen und erreichen wollen. Die Gemeinschaft ist der größte intrinsische Motivationsfaktor, den wir zur Verfügung haben. Das sollte man nutzen, um das wichtige Thema „BGF“ im eigenen Unternehmen weiter voranzutreiben. Zusätzlich ist es hilfreich zu verstehen, dass das reine Einkaufen und Bereitstellen von Tools nicht genügen. Verpackt in einer guten, motivierenden Story können digitale Tools aber eine absolute Bereicherung des bestehenden BGF sein. In einer immer stärker digitalisierten Welt, geprägt von Homeoffice und Remote Work, ist das Angebot eines digitalen Produkts zur Gesundheitsförderung und – mehr noch – zum digitalen Teambuildung ein enorm wichtiger Punkt. Unternehmen, die diese Entwicklung verschlafen, werden mittelfristig nicht nur weniger gesunde Mitarbeiter haben, sondern am Ende gar keine mehr, da die Wechselbereitschaft – jetzt schon auf einem Allzeithoch – weiter steigen wird.

Bildquelle: Teamfit

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