Managed Mobility liegt im Trend

Gerätemanagement ist nicht alles

Managed Mobility liegt voll im Trend. Einerseits, weil die Anwender auf dem Gebiet dringend etwas tun müssen, und andererseits, weil die Konkurrenz nicht schläft: Viele etablierte Anbieter von Lösungen zum Management mobiler Endgeräte ergänzen ihre Produkte um erweiterte Funktionen, weil regelmäßig neue Produkte erscheinen.

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Die meisten haben schon welche, andere wollen sie erst noch – Smartphones und Tablets, privat und im Job. Abseits der als langweilig geltenden Blackberrys haben sich Mobilgeräte aus dem Privatkundenmarkt im Berufsalltag durchgesetzt. Doch in Unternehmen darf es (eigentlich) nichts geben, was nicht verwaltet und administriert werden kann.

Die richtigen Werkzeuge dafür zu finden, ist gar nicht so einfach, denn übersichtlich ist der Markt für Mobile Device Management (MDM) nicht gerade. Es gibt mehr als 70 Produkte, von denen ein Großteil allerdings nur Teilbereiche abdeckt. Das Spektrum der umfassenden Lösungen reicht von stark auf Administratoren zugeschnittenen MDM-Spezialservern wie Datomo bis hin zu den Selfservice-Cloud-Lösungen von T-Systems.

Unübersichtlicher Markt

Regelmäßig tauchen neue Mitspieler auf, und bekannte Unternehmen rüsten ihre Produkte mit MDM-Funktionen auf. So hat Blackberry-Hersteller RIM kürzlich seine MDM-Plattform „Mobile Fusion“ gestartet. Sie basiert auf dem bekannten, in vielen Unternehmen installierten Blackberry Enterprise Server und bietet ähnliche Funktionen. Das Besondere dabei ist jetzt, das erstmals Geräte mit Android- und iOS-Betriebssystemen ebenfalls verwaltet werden können.

Um dies bewerkstelligen zu können, hat RIM für sein Produkt den MDM-Spezialisten Ubitexx aufgekauft. Und auch Symantec war auf Einkaufstour, um seine Produktpalette zu ergänzen. Die Plattform „Symantec Mobile Management“ basiert im Kern auf der aufgekauften Lösung von Odyssey Software, die mobiles Geräte-Management als Erweiterung von Microsoft Systemcenter anbietet.

Integration in vorhandene Management-Anwendungen oder eigener Server? Stand­alone-MDM oder im Paket mit anderen Funktionen? Cloud oder nicht? Der Markt gibt jede denkbare Lösung her. Eine Schneise in diesen Dschungel können Unternehmen nur schlagen, wenn sie vorher genau über ihre Anforderungen nachdenken.

Angesichts der Vielfalt der Devices und Betriebssysteme steht die Unabhängigkeit von den Endgeräten im Vordergrund. Dies allerdings ist nicht so einfach. Vor allem Android mit seinen zahlreichen Varianten verursacht den MDM-Anbietern Kopfschmerzen.

Auch Christof Baumgärtner, Deutschland-Manager beim MDM-Spezialisten MobileIron, beklagt die Fragmentierung der Android-Plattform. Aus seiner Sicht gibt es für den Wirrwarr nur eine einzige Lösung. „Es ist entscheidend, gute und enge Geschäftsbeziehungen zu allen Herstellern in der Branche zu besitzen”, beschreibt Baumgärtner die Strategie von MobileIron. Diese Kontakte sind die Basis für eine frühzeitige Unterstützung von neuen Systemversionen.

Enterprise-Appstores und Selfservices

Auch Sybase nutzt seine guten Kontakte zu den Herstellern: „Samsung hat MDM-Schnittstellen entwickelt, die weit über die Android-Standards hinausgehen”, sagt Tobias Philipp, Presales Manager EMEA bei der SAP-Tochter. „Als Resultat der engen Zusammenarbeit zwischen SAP und Samsung unterstützt Afaria als erste MDM-Plattform diese erweiterten Funktionen.”

Durch diese enge Bindung an die Hersteller können MDM-Spezialisten ihren Vorsprung gegenüber anderen Anbietern locker halten. Doch die Wünsche der Unternehmen gehen über eine geräuschlose und schnelle Unterstützung aller gängigen Systemvarianten weit hinaus. „MDM als Technologie ist nicht alles“, betont Philipp. „Es bedarf der Definition von unternehmensspezifischen Policies für Tablets und Smartphones.” Die Aufgabe lautet: Die mobilen Geräte müssen in die vorhandenen Managementstrukturen eingepasst werden. Die Regeln des Unternehmens sollen auch auf dem Smartphone oder Tablet gelten. Enterprise-Appstores für interne und genehmigte externe Apps, Monitoring und Selfservice sind typische Anforderungen. Darüber hinaus wollen Unternehmen interne Prozesse, Lösungen und Geschäftsdokumente auch mobil nutzen.

„Kritisch ist ein mobiles Gerät vor allem dann, wenn es auf das Unternehmensnetzwerk zugreift und wenn Dokumente bearbeitet oder lokale Apps verwendet werden sollen,“ meint Carsten Mickeleit, der CEO der Cortado AG. Dabei reiche es nicht, einfach geschlossene Bereiche für Privates und Geschäftliches auf dem mobilen Gerät anzubieten und diese entsprechend abzusichern.
„Es gibt einfach zu viele Wege um diesen geschützten Bereich herum”, sagt Mickeleit. „Am Ende senken solche Ansätze die Sicherheit, weil sie Mitarbeiter motivieren, Dokumente in Cloud-Dienste zu verschieben.” Eher sei es sinnvoll, die Aktivitäten nicht zu unterbinden, sondern vollständig zu protokollieren.

Mobilgeräte als Mittel zum Zweck

Die MDM-Lösung von Cortado hat ihren Ursprung in der Workplace-Lösung „Cortado Corporate Server“, die das ortsunabhängige Arbeiten an Dokumenten in den Vordergrund stellte. Die mobile Hardware ist aus dieser Sicht reines Mittel zum Zweck. Deshalb erweiterte Cortado seine Lösung, die eine vollständige Unternehmensintegration für Smartphones und Tablets vorsieht, nun um MDM-Funktionen.  Wenn geschäftliche Dokumente und Daten aus Unternehmen ins Spiel kommen, reagieren Unternehmen nervös. Vor allem die immer weiter um sich greifende Praxis, private und geschäftliche Nutzung zu vermischen – Stichwort: Bring our Own Device – macht neue Lösungsansätze notwendig. Dabei wird vor allem über Virtualisierung (siehe „Zwei Smartphones, ein Gerät“) und eine systeminterne Trennung der Bereiche (Siehe „Sauber getrennt“, S. 29) nachgedacht.

Auch wenn solche Konzepte sich am Markt noch durchsetzen müssen: Bei „Mobile Device Management” ist zur Zeit viel in Bewegung. Das sieht auch MDM-Veteran Marco Gocht so. Sein Unternehmen Isec7 hat mit B*Nator bereits MDM gemacht, als das noch nicht so hieß – für Windows CE und Windows Mobile, die verblichenen Urahnen von Windows Phone. Auch da wurden die Grundfunktionen wie Löschen oder Sperren von den Nutzern vorausgesetzt. Deshalb sieht Gocht sein Produkt eher als Mobility Management Suite, die flexibel alle Wünsche der Unternehmen erfüllen kann. Für ihn ist die MDM-Szene bereit, den nächsten Schritt zu machen. „Die Zukunft gehört übergreifenden Managed Mobility-Lösungen.” Gocht ist sicher: „Es wird bald eine Konsolidierung im Markt geben.“

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