Rugged-Technologien

Gestern Nische, heute Mainstream?

Rugged Devices sind zu Schlüsselkomponenten für Logistik und Industrie 4.0 geworden. Im Interview erklären Eric Yeh und Jennifer Plouvier-Leupers von Getac Technology, einem Unternehmen, das ursprünglich robuste MobilGeräte für den Militär- und Verteidigungssektor entwickelte, diesen Wandel und beleuchten, wie sich der Markt weiter verändern könnte.

  • Gestern Nische, heute Mainstream?

    Rugged Devices werden mittlerweile nicht mehr nur im militärischen Bereich sondern vor allem auch von Industrieunternehmen im Lager- und Logistikbereich genutzt.

  • Gestern Nische, heute Mainstream?

    Jennifer Plouvier-Leupers, Senior Marketing Manager, Getac Technology

  • Gestern Nische, heute Mainstream?

    Eric Yeh, Sales and Operations Director DACH, Getac Technology

Herr Yeh, wie haben sich robuste Geräte in den vergangenen 30 Jahren entwickelt? 

Eric Yeh: Die Entwicklung robuster Geräte hat sich in diesem Zeitraum recht zyklisch vollzogen: Als Getac gegründet wurde, lag der Fokus ausschließlich auf der Entwicklung und Herstellung technologisch fortschrittlicher und robuster mobiler Geräte für den militärischen Bereich. Die enorme Attraktivität solcher Geräte auch für mobile Arbeitskräfte mit technologisch anspruchsvollen Einsätzen, z.B. im Versorgungssektor, hatte zur Folge, dass robuste Lösungen auch in den technischen Mainstream Eingang fanden.

Heute liegt der Fokus innerhalb des PC-Marktes zwar nach wie vor auf Innovation und Technologie, allerdings mit Schwerpunkt Mobilität. Dies hat es spezialisierten Herstellern von robusten Geräten ermöglicht, die jüngsten Fortschritte zu nutzen und Lösungen zu entwickeln, die die gleiche Leistung wie Standardcomputer bieten können, aber zusätzlich mit den Vorzügen robuster Notebooks ausgestattet sind. Die Vielfalt der Branchen, für die jetzt Geräte produziert werden, ist enorm gewachsen. 

„Rugged“ ist keine Spezialtechnologie mehr, die von militärischen Anforderungen diktiert wird, sondern sie hat sich den Erwartungen der Industrieanwender angepasst. Im Ergebnis können moderne robuste Systeme nun in vielen Arbeitsfeldern eingesetzt werden, angefangen bei industrieller Produktion über Werkstätten bis hin zu Lagerhallen oder im Außendienst und mobiler Instandhaltung. 

Frau Plouvier-Leupers, wie beurteilen Sie die Entwicklung des Marktes für robuste Geräte in den kommenden zehn Jahren? 

Jennifer Plouvier-Leupers: Wir gehen davon aus, dass der Wachstumsverlauf noch etwas nach oben geht. Wir beginnen gerade erst, an der Oberfläche dessen zu kratzen, wofür robuste Geräte eingesetzt werden können – insbesondere in den Sektoren Chemie, Öl und Gas, in denen die digitale Transformation nahezu jeden Aspekt der Arbeitsabläufe revolutioniert.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 5-6/2019. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

In vielen Branchen ist „Entwicklung“ normalerweise der Inbegriff für „kleiner, leichter, dünner“. Doch wie wir gerade auf dem Handheld-Markt gesehen haben, ist irgendwann ein Punkt erreicht, an dem „immer kleiner“ nicht mehr praktikabel ist, vor allem in Branchen, in denen Mitarbeiter Handschuhe tragen oder bei jedem Wetter im Freien arbeiten. 

Immer öfter verwenden heute auch Mainstream-Produkte z.B. den Standard IP68, ordnen sich aber nicht im reinen Rugged-Segment ein. Wie ordnen Sie diese Annäherung ein?

Yeh: Erstmal vorab: Wenn von IP die Rede ist, wird nur auf die Widerstandsfähigkeit gegen Staub sowie die Wasserabsicherung hingewiesen. 

Wenn neue Technologien auf den Markt kommen, die von Verbrauchern wie Unternehmen gleichermaßen genutzt werden, liegt es nahe, auch bestimmte Möglichkeiten in Anspruch zu nehmen, die vorher ausschließlich die Domäne spezialisierter robuster Geräte waren. Die Nutzung von IP68 ist im Prinzip analog zur Einführung neuer Technologien und Fertigungstechniken und weniger ein bestimmtes Designethos, das weitere Produktmöglichkeiten eröffnet. 

Während die Einführung von Produkten wie IP68 als „Eintrittskarte ins Spiel“ betrachtet werden kann, geht es bei echten robusten Geräten mehr um ein Gesamtkonzept und ein Verständnis dafür, wie das Produkt verwendet wird, das heißt seine Anwendung am Arbeitsplatz und seine Eignung, selbst unter schwierigsten Einsatzbedingungen zuverlässig und stabil zu funktionieren. 

Plouvier-Leupers: Ein industrie-4.0-taugliches Gerät sollte grundsätzlich auf dem aktuellsten Stand der Technik sein, da die Performance von Prozessorleistung und Batterie, in Kombination mit der Anwender-Software, eine maßgebliche Rolle spielt.

Yeh: Gleichwohl ist ein dezidiert robustes Gerät für die meisten Kunden vermutlich ein Zuviel des Guten. Wie eine bis zu 25 Meter wasserdichte Uhr, die Sicherheit bietet, wenn sie ins Spülbecken fällt. Dennoch werden Berufstaucher wohl viel eher in eine speziell dafür konzipierte Uhr investieren. 

Bildquelle: Getac

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