14.10.2014

Gesundheitsapps könnten Krankenkassen Fitnesszustand der Nutzer liefern

Von: Guido Piech

Apple kann es sich leisten, mit seiner Watch später auf den Markt zu kommen als mancher Wettbewerber – ein kommerzieller Erfolg wird sie dennoch werden. Vielleicht profitieren ja sogar die Smartwatch-Träger selbst: Wenn nämlich die integrierten Gesundheitsapps den Krankenkassen den jeweiligen Fitnesszustand der Nutzer frei haus liefern. Dann wird man bei körperlicher Aktivität vielleicht mit einem Bonus bedacht – wenn es (man) gut läuft. Und komplett überwacht, was wiederum nicht so gut ist.

Smartwatches bieten die Möglichkeit, jede Menge Daten zu sammeln. Dies könnten sich auch die Krankenkassen zunutze machen, um die Beiträge dem Lebenswandel anzupassen.

Eines vorweg: Solange die Weitergabe der Informationen freiwillig und mit ausdrücklicher Zustimmung der Nutzer erfolgt, ist eine Weiterverwertung durch Dritte, also in besagtem Falle durch die Krankenkassen, erst einmal kein Problem. Vor allem deshalb nicht, weil solche Dienste ja wohl eher die Menschen in Anspruch nehmen werden, die körperlich aktiv sind und deren Fitnesszustand in Ordnung ist. Problematisch wird es dann, wenn der Gesetzgeber die Herausgabe der Daten erzwingen sollte oder Institutionen wie die Krankenkassen die Datenerhebung und -weiterverwertung irgendwann als gottgegebenen Regelfall betrachten. Denn dann müssen sie aus diesem Selbstverständnis heraus ihre Mitglieder gar nicht zwingen, die Gesundheitsdaten herauszugeben. Dann könnten sie es sich einfach machen und diejenigen, die nicht mitmachen, per se schlechterstellen.

Vorbild Kfz

Im Automobilsektor geht die Reise bereits in diese Richtung. Ab 2015 wird jeder Neuwagen mit einer SIM-Karte ausgestattet sein. Die Idee dahinter ist gut: Im Falle eines Unfalls soll das sogenannte E-Call-System Rettungskräfte unverzüglich an den Ort des Geschehens rufen und leiten. Mittlerweile gibt es aber auch Autoversicherer, die ihre Verträge der Fahrweise der Autofahrer anpassen. Dazu wird eine Blackbox im Wagen installiert, die das Verkehrsgebahren in die Cloud übermittelt. Je nach dem, wie man sich beispielsweise an Geschwindigkeitsbegrenzungen hält, sinkt oder steigt der Versicherungsbeitrag. Wie gesagt: Alles kein Problem, solange dies freiwillig passiert. Wird es allerdings Pflicht, ist der Weg in die Komplettüberwachung noch mehr als bisher geebnet.

Ähnliches sollte man im Kopf behalten, wenn es um die Nutzung von Fitness-Apps geht. Nicht, dass man Arztbehandlungen am Ende selbst zahlen muss, weil die App erhöhte Cholesterinwerte an die Kasse übermittelt hat, die daraufhin jede Kostenübernahme ausschließt. Das wäre dann der Punkt, an dem es nicht gut läuft, sondern schiefläuft …

Bildquelle: Thinkstock/iStock

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