Stadtplanung 4.0

Geteilte Daten sind doppeltes Wissen

Die Städte von morgen brauchen datenkompetente Menschen, die der wachsenden Komplexität der Gesellschaft gerecht werden.

Großstadt

Im Rahmen der Stadtplanung 4.0 sollten auch Wohnkonzepte der Zukunft wie etwa Wohn-Sharing auf der Agenda stehen.

In der Corona-Krise sind innovative Dashboards zum Monitoring aktueller Dynamiken entstanden. Auch stadtplanerisches Handeln erfordert die integrierte Sicht auf unterschiedliche gesellschaftliche Bereiche. Dazu braucht es eine kommunale Datenstrategie, die einerseits den Zugriff auf verknüpfte Datenquellen ermöglicht und Technologien wie Künstliche Intelligenz (KI) nutzt, um relevante Informationen zu generieren. Andererseits müssen zahlreiche Stakeholder einbezogen werden – Entscheider, Fachexperten, aber auch Bürger und Journalisten, die Folgen kommunalen Handelns kommunizieren.

Jeder dieser Stakeholder braucht Datenkompetenz: das Verständnis, was Daten leisten und wie sie zum Wohl der Gesellschaft eingesetzt werden können. Nur so können datengestützte Entscheidungen getroffen und von den Betroffenen mitgetragen werden. Denn gelungene Stadtplanung 4.0, egal ob im Bereich „Gesundheit“, „Bildung“, „Energie“, „Wohnen“ oder „Mobilität“, braucht Partizipation.

Frühzeitige Prognosen

Kommunen müssen heute komplexe Systeme steuern und Risiken managen – etwa in der Verkehrsplanung. Sie müssen Impulse für die Daseinsvorsorge generieren und neue Wege des Mitplanens ermöglichen, um sich an veränderte Lebensbedürfnisse anzupassen, etwa infolge regional unterschiedlicher Auswirkungen des demografischen Wandels: Wachstum von Städten, Schrumpfung und Alterung ländlicher Regionen. Damit die langfristige Gesundheitsversorgung gewährleistet ist, müssen Bevölkerungsentwicklungen mit der vorhandenen Infrastruktur abgeglichen werden.

Datenbasierte Schulentwicklungsplanung setzt auf mittel- und langfristige Szenarien, die beispielsweise Bildungstrends berücksichtigen. Die vorhandene Schullandschaft kann einem Stresstest unterzogen werden, um folgende Fragen zu beantworten: Wo werden zukünftig welche Schulgebäude benötigt? Wie lässt sich ein vielfältiges schulisches Angebot gewährleisten? Wie sieht die Infrastruktur für Homeschooling aus?

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 03-04/2022. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

Im Bereich der Energie- und Wärmeversorgung müssen optimale Standorte von Ladestationen für Elektrofahrzeuge gefunden werden. Es braucht frühzeitig Prognosen, welcher Strombedarf zukünftig entsteht und ob bzw. wie dieser mit der Infrastruktur abgedeckt werden kann. Das gilt für Bedarfe, die beim Neubau von Stadtvierteln in Abhängigkeit von der künftigen Bewohnerstruktur entstehen, wie auch für steigende Energiebedarfe einer stärker digitalisierten Wirtschaft. Was Wohnen, Arbeiten und Mobilität angeht, ist zu untersuchen, wie Pendlerbewegungen durch New-Work-Konzepte und Homeoffice reduziert werden können. Auch Wohnkonzepte der Zukunft, wie Wohn-Sharing je nach Lebensphase, sollten auf der Agenda der Stadtplanung 4.0 stehen, betont Stat-up, ein Spezialanbieter für Statistische Beratung und Data Science.

Objektive Entscheidungen

Mit einer Weiterentwicklung zu Planungs- und Steuerungs-Tools können kommunale Dashboards Entscheidungen unterstützen, weil verschiedene Szenarien für die Stadtplanung und die Politik modelliert und objektiv miteinander verglichen werden können. Idealerweise eröffnen sie zugleich die Möglichkeit, durch die Community der Nutzer flexibel neue Daten zu sammeln und die Prognosemodelle zu verbessern. Dafür gilt es, die Kommune transparent zu gestalten (etwa durch Open-Data-Konzepte), Zielgruppen zu aktivieren und deren dezentral vorhandenes Wissen kooperativ zu erheben.

Digitalisierung stellt Daten und Tools bereit. Sie teilen und nutzen zu können und das auch zu wollen, ist eine Frage von Wissen, Fähigkeiten, aber auch einer offenen Haltung und der Kooperationsbereitschaft von Stadtplanern, Städtestatistikern, politischen Entscheidern und den Bürgern. Dies macht die Stadtplanung 4.0 zu einer interdisziplinären Herausforderung.

Bildquelle: Stat-Up

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