Kommentar

Geteiltes Echo zur Arbeitszeiterfassung

Das Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) vom 14. Mai 2019 zur systematischen Arbeitszeiterfassung stieß auf ein geteiltes Echo >>>

Mann in Karohemd sitzt auf Koffer und schreit

Die geplante Einführung der verbindlichen Arbeitszeiterfassung stößt in der Öffentlichkeit auf ein geteilte Meinungen.

Während die einen darin den Schutz vor unbezahlten Überstunden und Rund-um-die-Uhr-Verfügbarkeit sehen, kritisieren die anderen das Urteil als „nicht zeitgemäß“ und warnen vor neuer Bürokratie. Sie wollen kein „Zurück zur Stechuhr“ – das könnte mit der „schönen neuen Arbeitswelt 4.0“ kollidieren.

Schließlich legt sie den Schwerpunkt auf frische, moderne Arbeitsformen, -verhältnisse und -weisen, die sich an die Herausforderungen und Möglichkeiten der digitalen Welt anpassen. Hier steht vor allem auch die Flexibilisierung von Arbeitszeit und -ort im Mittelpunkt. Viele junge Start-ups leben diese flexiblen Arbeitsweisen vor – und zahlreiche größere Unternehmen haben bereits nachgezogen, ihre Räumlichkeiten entsprechend umgestaltet, digitale Tools integriert und mobile Endgeräte angeschafft, um ihren Mitarbeitern z.B. auch das Arbeiten von unterwegs oder daheim zu ermöglichen. Sie lassen ihnen Freiraum und vertrauen darauf, dass die Arbeit trotz „der langen Leine“ gewissenhaft und zügig erledigt wird.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 9-10/2019. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

Hierbei bleibt allerdings erst einmal offen, welchen Einfluss das im Mai gefällte EuGH-Urteil auf das „Arbeiten 4.0“ letztlich nehmen wird. Denn im ersten Schritt richtet sich das Urteil natürlich an die EU-Staaten und nicht an die Arbeitgeber selbst. Die einzelnen Länder haben hier die Aufgabe, die Unternehmen zu verpflichten, ein entsprechendes System einzurichten, das die täglichen Arbeitszeiten misst. Wie nicht anders erwartet, erreichten unsere Redaktion nach Bekanntwerden des Grundsatzurteils direkt zahlreiche Pressemitteilungen von diversen Anbietern, die „tolle, digitale Tools“ und „moderne Technologien“ hätten, um die Zeiterfassung übersichtlich, benutzerfreundlich und natürlich gesetzeskonform durchzuführen. Bleibt allerdings abzuwarten, wann das Gesetz in Deutschland tatsächlich für alle in Kraft tritt. Bundesarbeitsminister Hubertus Heil möchte wohl bis Ende des Jahres 2019 eine bindende Gesetzgebung erzielen.

Bildquelle: Getty Images / iStock

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