Google I/O 2018

Google Assistant wird zum dialogfähigen Helfer

… und auch viele weitere Google-Produkte bringen Neuerungen mit künstlicher Intelligenz. KI ist eben überall im Fokus.

Der Google Campus in Mountain View

Der Google Campus in Mountain View

Die Google I/O präsentierte wie jedes Jahr einen bunten Reigen aus smarten und oft verblüffenden Software-Lösungen. Dabei zeigte sich, dass bei Google wie bei allen Digitalunternehmen das Thema künstliche Intelligenz im Vordergrund steht. So hat Google seinen Assistenten überarbeitet und ermöglicht ihm eine deutlich natürlichere Konversation. So soll es in Zukunft möglich sein, Folgefragen zu stellen und nach einer kurzen Pause weitere Kommandos zu geben, ohne den Assistenten erneut anzusprechen. Darüber hinaus wird es möglich sein, dem Assistenten in einem Satz mehrere Befehle zu geben. Außerdem soll er auch in Google Maps verfügbar sein.

Googles Assistent führt natürlich klingende Gespräche

Besonders interessant ist die noch nicht endgültig fertig gestellte Funktion Google Duplex, mit der Google Assistant selbsttätig Gespräche führen kann und dabei nicht von einem menschlichen Sprecher zu unterscheiden ist. Die beeindruckende Demo auf der Google I/O zeigt deutlich, wohin die Reise geht: Persönliche KI-Assistenten, die nicht mehr als „Maschine“ identifiziert werden.

Damit Unterhaltungen besser gelingen, nutzt Google Duplex eine kontextabhängige Stimmintonation und fügt regelmäßig Marker wie „Hmm“ oder „Aha“ ein, wie das menschliche Sprecher auch ganz unwillkürlich machen. Das Ziel ist ein Assistent, der für Aufgaben wie „Mach mir einen Termin beim Zahnarzt“ völlig autonom agiert, in der Praxis anruft und den Termin vereinbart. Zumindest in den Demos lässt sich nicht erkennen, dass hier eine KI bei einem Menschen anruft und mit ihm eine Unterhaltung beginnt.

Wann Google Duplex tatsächlich auf den Markt kommt, ist noch offen. Die Entwickler arbeiten bereits seit mehreren Jahren an dem verbesserten Assistenten. Entscheidend für seine Funktionalität ist das Zusammenspiel aus Spracherkennung, Datenbankabfragen und Sprachsynthese. Um Irritationen bei den menschlichen Gesprächspartnern zu vermeiden, ist es besonders wichtig, den Klang der Sprache an das Thema des Dialogs anzupassen. So sollte ein Hilferuf auch tatsächlich wie einer klingen und nicht wie die Ansage eines Hollywood-Roboters.

KI an allen Ecken und Enden

Dass die Erkennung natürlicher Sprache und ihre Synthese inzwischen schon recht weit vorangeschritten sind, lässt sich auch an einer neuen KI-Funktion für Gmail zeigen: Smart Compose. Sie nutzt Machine Learning, um bisher geschriebene Texte auszuwerten - wird also immer besser. Dabei werden nicht wie bisher lediglich einzelne Worte vorgeschlagen, sondern kontextabhängige Satzphrasen. Ein Beispiel: Wer einen Satz mit dem Wort „hoffentlich“ beginnt, könnte von Smart Compose die Ergänzung „sehen wir uns bald wieder“ präsentiert bekommen. Die Funktion wird bereits ausgerollt, ist aber noch experimentell.

Ebenfalls zu den KI-Produkten von Google gehört Google Lens, die automatische Bildanalyse. Sie wird in die Kamera-App von Google integriert und kann dadurch die erfassten Objekte analysieren. Bislang funktioniert das nur innerhalb der Fotogalerie mit bereits vorhandenen Bildern. Die Echtzeit-Analyse der Kamerabilder ermöglicht viele zusätzliche Funktionen, etwa das Einblenden von Informationen oder die Übersetzung erkannter Texte. Geplant ist außerdem eine Integration in Google Maps, sodass Infos und Pfeile zur Navigation eingeblendet werden können.

Und auch Google News setzt auf KI. Die neue App ersetzt den Google Play Kiosk und bietet diverse Funktionen zum Abonnieren von Nachrichtenquellen und Themen. Google verwirklicht damit eine Echtzeit-Analyse der Inhalte, bei der ähnliche Themen in Gruppen angezeigt werden. Dabei werden die News-Artikel bereits beim Erscheinen im Internet analysiert, sodass die Beziehung von Menschen, Orten und Dingen zu einer sinnvollen Gruppierung führt. Ab nächster Woche soll die App ausgeräumt werden und auch Google News im Browser in der neuen Form erscheinen.

Android P kommt, auch mit neuen KI-Funktionen

Die Vorstellung von Android P rückte auf der Google Konferenz beinahe an den Rand. Doch wie in jeder Version stellt Google Neuerungen vor. In dieser Woche startet auch der Beta-Test, Android P kann bereits heruntergeladen werden. Im Unterschied zu früheren Tests funktioniert die Testversion nicht nur auf Pixel-Smartphones, sondern auch auf ausgewählter Hardware von anderen Herstellern.

Die neue Version wird einige auffällige Neuerungen an der Benutzeroberfläche bringen, unter anderem eine vollkommen neue Navigationsleiste. Sie ist jetzt nur noch ein Strich am unteren Rand, der als Home-Button funktioniert und darüber hinaus nach dem Verschieben diverse Systemelemente eröffnet. Zudem gibt es jetzt eine verbesserte Taskansicht zum Beenden von Apps, in der durch Wischen navigiert werden kann. Sie wird durch Hochziehen des Home-Buttons geöffnet. Den Back-Button gibt es weiterhin, er wird bei Bedarf eingeblendet. Außerdem hat Android jetzt eine eingebaute Verzögerung beim Drehen der App: es muss erst durch Antippen eines speziellen Buttons bestätigt werden. Dadurch entfällt das nervige Wackeln am Smartphone, wenn es versehentlich verdreht wurde.

Viele Neuerungen spielen sich eher im Hintergrund ab. Beispielsweise zeichnet Android mehr Daten zur App-Nutzung auf, sodass Zusatzfunktionen möglich werden. So können für einzelne Apps Nutzungszeiten festgelegt werden. Wer beispielsweise zu lange mit Games daddelt, wird erst gewarnt und dann ausgesperrt. Diese Funktion ist recht praktisch, um die tägliche Nutzungszeit eines Smartphones zu steuern - also eher etwas für Eltern oder Selbstkontrollfreaks. Eine weitere interessante Änderung ist eine mit KI ausgerüstete, lernfähige Verwaltung. Sie ermittelt ein persönliches Nutzungsprofil und gibt häufig genutzten Hintergrund-Apps optimierte Zeitscheiben beim Prozessor. Ob das aber wirklich energiesparend, muss sich erst noch in der Praxis zeigen.

Bildquelle: Google

©2018Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH

Unsere Website verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung zu. Weitere Infos finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

ok