Entwicklerkonferenz Google I/O

Google-Assistent läuft demnächst lokal

Der Sprachassistent von Google wird in Zukunft keine Verbindung mehr mit der Cloud benötigen, sondern direkt auf den Geräten lauffähig sein. Mit dem Nest Hub Max stellte der Konzern zudem einen Smart Speaker mit Gesichtserkennung vor.

Google-Chef Sundar Pichai kündigt bei der Entwicklerkonferenz Google I/O Neuigkeiten zur Sprachassistenzsoftware Assistant an. Foto: Andrej Sokolow

Google-Chef Sundar Pichai kündigt bei der Entwicklerkonferenz Google I/O Neuigkeiten zur Sprachassistenzsoftware Assistant an. ((Foto: Andrej Sokolow))

Google sichert sich damit einen Vorsprung gegenüber der Konkurrenz und kann auch einen Vorteil beim Datenschutz für sich reklamieren. Die Funktion werde im Herbst mit neuen Smartphones der Google-Marke „Pixel“ eingeführt, sagte der zuständige Manager Scott Huffman zum Auftakt der Entwicklerkonferenz Google I/O am Dienstag. In einer Demonstration auf der Bühne reagierte die Assistenzsoftware extrem schnell auf alle Sprachbefehle. Dank dem Durchbruch läuft zum Beispiel auch die Diktierfunktion problemlos ohne Netzverbindung im Flugzeug-Modus.

Um die neue lokale Funktionsweise umzusetzen, sei die nötige Softwarebasis von 100 Gigabyte auf 500 Megabyte geschrumpft worden, erklärte Google-Chef Sundar Pichai. Insgesamt arbeite die Software zum maschinellen Lernen bei Google verstärkt direkt auf den Geräten der Nutzer, statt Rohdaten dafür auf Server des Konzerns zu schicken.

Bessere Kontrolle der Privatsphäre

Pichai betonte, dass Google den Nutzern bessere Möglichkeiten zur Kontrolle über ihre Privatsphäre geben wolle. So solle die automatische Löschung älterer von Google gesammelter Nutzer-Informationen mit der Zeit auf mehr Datenkategorien ausgeweitet werden. Zunächst lässt Google Daten zur Web- und App-Nutzung mit einem Verfallsdatum von 3 oder 18 Monaten versehen. Die Google-Karten bekommen einen Inkognito-Modus, wie man ihn etwa von Web-Browsern kennt. Bei Android Q, der nächsten Version des weltweit meistgenutzten Mobil-Betriebssystems, wird der Daten-Zugriff von App-Entwicklern zudem insgesamt deutlich eingeschränkt.

Zum Auftakt der Entwicklerkonferenz in einem Freilicht-Amphitheater in der Nähe der Firmen-Zentrale in Mountain View ließen Google-Kritiker ein kleines Flugzeug mit einem Protest-Banner über der Veranstaltung kreisen. Darauf stand: „Kontrolle durch Google ist nicht Privatsphäre“ zusammen mit dem Hashtag „Rettet lokale Nachrichten“. Das Dröhnen des Flugzeugmotors ließ die Teilnehmer immer wieder in den Himmel blicken. Wer hinter der Aktion steckte, wurde zunächst nicht bekannt.

Neue Hardware

Als neue Geräte stellte Google das Smartphone Pixel 3a und einen neuen vernetzten Lautsprecher mit Display mit dem Namen Nest Hub Max vor. Das Telefon ist eine etwas abgespeckte Version des aktuellen Pixel 3, die Google zu einem US-Preis von 399 Dollar auf den Markt bringt. Damit spielt der Internet-Konzern erstmals im mittleren Preissegment mit, in dem vor allem chinesische Anbieter sehr stark sind. Das Telefon soll mit neuen Funktionen wie AR-Navigation punkten, bei der Richtungspfeile im Kamerabild auf dem Display in die reale Umgebung eingeblendet werden.

Der Hub-Max-Lautsprecher bekommt unter anderem eine Gesichtserkennung, um relevante Informationen für den Nutzer einzublenden, der gerade auf das Display schaut. Alle Daten zur Gesichtserkennung blieben ausschließlich auf dem Gerät, betonte Googles Hardware-Chef Rick Osterloh. Dieser Lautsprecher soll zunächst im Sommer nur in den USA, Großbritannien und Australien auf den Markt kommen. In Deutschland wird zunächst neu das vorherige Modell Nest Hub verkauft.

Datenschutzbedenken: Smart Speaker mit Gesichtserkennung

Der Internet-Konzern stellte zudem einen smarten Lautsprecher mit Display und Kamera vor, der die Anzeige daran anpassen kann, wer gerade vor ihm steht. Alle Informationen zur Gesichtserkennung würden dabei ausschließlich auf dem Gerät verarbeitet und gingen nicht ins Netz, betonte Googles Hardware-Chef Rick Osterloh zum Auftakt der Entwicklerkonferenz Google I/O.

Das „smarte Display“ mit dem Namen Nest Hub Max soll zunächst nur in den USA, Großbritannien und Kanada auf den Markt kommen und 229 Dollar kosten. Google verspricht durch die automatische Personalisierung dank Gesichtserkennung einen höheren Nutzen. Zugleich stehen Datenschützer vor allem in Europa Gesichtserkennung generell sehr skeptisch gegenüber. Google betonte, die Funktion werde standardmäßig ausgeschaltet sein und von den Nutzern erst aktiviert werden müssen. Den Sorgen entgegentreten will der Konzern auch mit einem Datenschutz-Versprechen für das vernetzte Zuhause: Man werde stets klar angeben, welche Daten wofür erhoben werden, heißt es darin unter anderem. Und Google werde persönliche Informationen nie an irgendjemanden verkaufen.

Vernetzte Lautsprecher mit Display gibt es unter anderem von Amazon. Das Konkurrenzgerät des Online-Händlers mit dem Namen Echo Show, das die Sprachassistentin Alexa an Bord hat, war ein Hit im vergangenen Weihnachtsgeschäft. Facebook bietet ähnliche Technik unter dem Namen Portal vor allem für Videotelefonate an. Die Portal-Kameras erkennen, wenn sie ein Gesicht in ihrem Blickfeld sehen, damit möglichst alle Personen im Raum ins Bild kommen - dabei identifizieren sie die Nutzer aber nicht. Zugleich könnte das Online-Netzwerk zumindest bei Nutzern, die der Gesichtserkennung in Facebook-Fotos zugestimmt haben, eine ähnliche Funktion wie Google einführen.

Zum Start des Nest Hub Max in weiteren Ländern gab es vorerst keine Informationen. In Deutschland wird zunächst neu das vorherige Modell Nest Hub verkauft, das kleiner ist und keine Kamera hat.

dpa/pf

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