Umstrittene Standortübermittlung

Google im Kreuzfeuer der Verbraucherschützer

Der europäische Verbraucherverband BEUC (Bureau Européen des Unions de Consommateurs) hat bekannt gegeben, dass verschiedene europäische Organisationen aktuell Beschwerden auf Basis der DSGVO gegen Google eingelegt haben. Ausschlaggebend ist die Erhebung von Standortdaten.

Standortübermittlung auf einem Smartphone

Die Standortübermittlung bei Android-Geräten sorgt immer wieder für Kontroversen.

Die Erhebung von Standortdaten über das mobile Betriebssystem Android hatte bereits im vergangenen August für Aufregung gesorgt. Wissenschaftler fanden zu dieser Zeit heraus, dass der Chrome-Browser auch bei unbewegten Android-Geräten große Mengen an Ortungsdaten an Google überträgt. Zudem sollen auch nach Deaktivierung der Standortübermittlung immer wieder entsprechende Daten gesendet worden sein. In der Folge schaltete sich unter anderem Staatssekretär Gerd Billen (Bündnis 90/Die Grünen) ein und forderte in einem Brief an Google-CEO Sundar Pichai Aufklärung. Google korrigierte in diesem Zuge eine entsprechende Passage in seinem FAQ, die suggerierte, dass sich die Standortübermittlung komplett abschalten ließe.

Nachdem es in den letzten Monaten wieder ruhiger um die Kontroverse wurde, legen nun verschiede Verbraucherschutzorganisationen nach. Der Vorwurf: Googles Umgang mit den Standortdaten verstoße nach wie vor gegen die DSGVO. Organisationen aus sieben verschiedenen Ländern sollen offiziell Beschwerde eingelegt haben. Das berichtet der Dachverband BEUC aktuell auf seiner Webseite. „Standortdaten können viel über einen Menschen verraten, darunter seine religiöse Überzeugungen, politische Tendenzen, den Gesundheitszustand oder die sexuelle Orientierung“, heißt es dort. Google würde seine Nutzer darüber nicht ausreichend informieren, sondern diese mit verschiedenen Tricks und manipulativen Praktiken sogar dazu bringen, die entsprechenden Geräteeinstellungen unkritisch zu übernehmen.

Der Verband geht davon aus, dass dieses Vorgehen gegen die DSGVO verstößt, da Google keine Rechtsgrundlage für die Verarbeitung der entsprechenden Daten habe. Die Zustimmung für die Standortübermittlung würde nicht auf freiwilliger Basis geschehen. Darüber hinaus könne sich das Unternehmen nicht auf ein „berechtigtes Interesse” an der Erhebung und Verarbeitung von Standortdaten berufen, da diese Praxis erhebliche Auswirkungen auf die Rechte und Freiheiten des Einzelnen hätte. Als Beispiel für die manipulativen Praktiken werden unter anderem Punkte wie irreführende Informationsangaben, versteckte Voreinstellungen und trügerische Klick-Abfolgen in den Optionen genannt.

Der Datenhunger von Google sei berüchtigt, stellt Monique Goyens, Chefin des BEUC, fest. Das Ausmaß, mit dem das Unternehmen seine Nutzer manipuliere, um jede ihrer Bewegung nachzuverfolgen und schließlich zu monetarisieren, sei dennoch atemberaubend.

Bildquelle: Thinkstock/iStock

©2018Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH

Unsere Website verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung zu. Weitere Infos finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

ok