Google gründet Dach-Holding

Google ist Geschichte, Alphabet Inc. die Zukunft

Google entbündelt sich und vereint seine Geschäftsbereiche als selbstständige Einzelunternehmen unter dem Dach der neuen Holding Alphabet Inc.

Das Google-Hauptquartier in Moutainview

Große Überraschung: Google gründet eine Holding mit dem Namen Alphabet, die alle wichtigen Google-Fachbereiche als eigenständige Unternehmen enthalten wird. Google selbst wird in Zukunft nur noch Betreiber der Suchmaschine und einiger Software-Aktivitäten des Unternehmens sein. Andere Bereiche wie Calico (Lebensverlängernde Maßnahmen), X Lab (Fahrerloses Auto), Boston Dynamics (Robotik) oder Google Fiber (FTTH-Netzwerke) sollen nun als eigenständige Unternehmen geführt werden.

Auch die Gesellschafterstruktur verändert sich: Larry Page wird Alphabet-CEO, Google-Mitbegründer Sergey Brin Präsident des Unternehmens, womit vermutlich eine Art Stellvertreter des CEO gemeint ist. Google-CEO wird Sundar Pichai, der bisher unter anderem für Apps zuständig war. Auch an der Börse tut sich was, denn die bisherige Google Aktiengesellschaft wird durch Alphabet Inc. ersetzt. Alle Google-Aktien werden 1:1 in Aktien der neuen Holding umgewandelt.

Reaktion auf die Entwicklung von Google

Soweit die Fakten. Zur Gründung der neuen Holding gab es keinerlei Gerüchte, was im Grunde die erstaunlichste Tatsache an der ganzen Angelegenheit ist. Denn die neue Google/Alphabet-Struktur wirkt nicht wie ein Schnellschuss, sondern wie eine überlegte Reaktion auf die Entwicklung des Unternehmens in den letzten Jahren.

Google war schon lange kein Suchmaschinenbetreiber mehr, sondern ein Hightech-Konglomerat mit zahlreichen Aktivitäten, die sich bestenfalls noch unter dem Label "irgendwas mit Computern" zusammenfassen ließen. Einige dieser Unternehmensbereiche sind Wetten auf die Zukunft, wie etwa Smart Home, Robotik oder fahrerlose Autos. Andere sind Erweiterungen des Geschäftsmodells beispielsweise auf Cloud-Dienste oder Smartphones (Android), wieder andere sollen die Basis für die weitere Expansion schaffen, etwa Google Fiber.

Diese Aufzählung ist bei weitem nicht vollständig. Google ist im Laufe der Jahre zu einem unübersichtlichen Megakonzern geworden, der eine sinnvolle Bewertung der Google-Aktie schwer macht. Sollen die Analysten eher auf die gewinnbringenden Kerngeschäfte des Unternehmens achten oder eher auf die Fantasie, die in den verlustreichen und investitionsstarken Zukunftswetten liegt?

Google-Bilanz nur schwer zu analysieren

Diese Unsicherheit zeigte sich auch an der Börse, die Höchstkurse von 2014 sind Geschichte. Zuletzt war die Entwicklung eher mau, gemessen jedenfalls an der glorreichen Vergangenheit. Das Problem: Die Gesamtbilanz von Google wurde immer mehr zu einem bunten Mischmasch, der eine Interpretation der Geschäftsdaten schwer machte.

Ein strategisch gut angelegter Weg ist die Zergliederung des Gesamtkonzerns in Einzelbereiche mit eigenen Bilanzen und einer eigenen Unternehmensführung. Dies hat auch noch zahlreiche weitere Vorteile. So hat Google in der Vergangenheit viele Startups aufgekauft. Solche Akquisitionen dürften in Zukunft leichter fallen, da die Gründungs-CEOs ihre Unternehmen einfach unter dem Dach der Alphabet-Holding weiterführen.

Einige Dinge werden sich allerdings nicht ändern. Alphabet soll nicht als Endkundenmarke geführt werden, selbst der Börsenticker läuft weiterhin unter GOOG. Die Marke "Google" ist inzwischen so weit in die Alltagssprache eingedrungen, dass sie unmöglich zu ersetzen ist. Google kennt jeder, aber wer zur Hölle ist "Alphabet Inc."?

Bildquelle: Alphabet Inc. (TEFKAG*)

* The Enterprise Formerly Known As Google

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