RSS-Feeds

Google verhindert Innovation - nicht mehr

Als Google das Interesse an seinem Newsreader verloren hatte, kam die Stunde der Startups und dynamischen Kleinunternehmen.

Ein wenig ist es so, als habe es ihn nie gegeben - den Google Reader, das seinerzeit beste Werkzeug zum Lesen von RSS-Feeds. Die wirklich einfache Verbreitung (RSS, Really Simple Syndication) von Webinhalten ist zwar nur eine Nische für Wissensarbeiter, Journalisten und Newsfreaks, aber fast alle haben das Google-Werkzeug eingesetzt.

Dann hat Google den Dienst im Juli 2013 mit drei Monaten Vorlauf eingestellt. Das war ein Problem, denn es gab keine sinnvolle Alternative. Der Sogeffekt von Google hat den Markt vollkommen ausgetrocknet. Nur ein paar Apps mit Design-Schwerpunkt konnten mit dem Reader koexistieren.

Feedly ist jetzt Marktführer

Diese Situation hat sich in kürzester Zeit verändert. Das plötzliche Fehlen eines Produktes hat für jede Menge Nachfrage nach Alternativen gesorgt. Größter Profiteur der Reader-Einstellung war Feedly, das seine Benutzerbasis von vier auf etwa fünfzehn Millionen ausbauen konnte.

Das Management von Feedly hat sofort die Chance auf Marktführung gesehen und die Webapp innerhalb kürzester Zeit ausgebaut. Nach zahlreichen Update-Runden ist sie inzwischen zu einem deutlich besseren Produkt als der Reader geworden, da Google die Weiterentwicklung seines Dienstes bereits vor Jahren eingestellt hatte.

Auch einige andere Produkte haben mit einer übersichtlichen und auf Informationsdichte setzenden Benutzeroberfläche gepunktet, zum Beispiel The Old Reader. Das einstige Hobbyprojekt konnte Investoren gewinnen, ausreichend Nutzer überzeugen und hat einen Premiumdienst gestartet,

Der ebenfalls stark an das alte Google-Produkt erinnernde Digg Reader gehört zur Neuausrichtung des Web-2.0-Veteranen, dessen Hauptangebot inzwischen das Kuratieren von Nachrichten ist. Doch es gibt noch zahlreiche weitere RSS-Services: AOL-Reader, FeedBin, FeedReader, InoReader, NewsBlur und einige andere. Eine interessante Variante sind CommaFeed, Fever und Tiny Tiny RSS, die auf einem eigenen Server mit MySQL und PHP gehostet werden müssen.

Auf die Anwender hören

Die Situation ist also eine ganz andere als vor einem Jahr. Es gibt zwar mit Feedly einen relativ eindeutigen Marktführer, dessen Sogeffekt aber nicht groß genug ist, um Konkurrenten auszutrocknen. Außerdem lassen sich aus der Entwicklung der letzten zwölf Monate einige Folgerungen ableiten.

Erstens sind die für das Internet typischen Quasi-Monopole schlecht für Innovationen. Erst wenn der Monopolist das Produkt einstellt, bewegt sich etwas im Markt - es gibt wieder Raum für Konkurrenten mit neuen, besseren Funktionen.

Zweitens lohnt es sich für Unternehmen, genau auf die Anwender zu hören: Sie bekommen ein passgenaues Produkt und loyale Kernbenutzer. Feedly hat die Kunden sofort an der Planung der Features beteiligt. So konnte es flott eine Roadmap aufstellen und damit ausreichend viele Profinutzer binden - denen wiederum ein kostenpflichtiger Premiumdienst angeboten wurde.

Drittens ist RSS noch lange nicht tot, es riecht nicht einmal seltsam. Im Gegenteil: Die neue Marktdynamik hat dafür gesorgt, dass Feeds und RSS-Reader wieder stärker in die Diskussion gekommen sind. Letztlich hat sich gezeigt: Der Abgang des Google Readers war so ziemlich das Beste, was RSS geschehen konnte.

Bildquelle: Christian Evertsbusch / pixelio.de

Links:

 

 

©2020Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH

Unsere Website verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung zu. Weitere Infos finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

ok