Kommentar: Google Stadia und Apple TV Plus

Grabenkampf um neue Märkte

Google und Apple wollen mit neuen Abo-Modellen die Unterhaltungsbranche aufmischen. Gut, dass diese Ambitionen aktuell noch nicht besonders glaubwürdig erscheinen – neue Gatekeeper sind das letzte, was das Segment braucht.

Google Stadia Controller

Controller für Google Stadia: Der neue Gaming-Dienst soll ohne PC oder Konsole funktionieren und über die Cloud per Laptop, Tablet und Smartphone zugänglich werden.

Gerade mal eine Woche liegt zwischen den Ankündigungen zu Google Stadia und Apple TV Plus. Fast so, als würden sich die beiden Konzerne bei der weiteren Erschließung des Unterhaltungssegments gegenseitig nervös machen. Während der Suchmaschinenriese mit Google Stadia endlich das Versprechen vom zugänglichen Gaming-Service in der Cloud einlösen möchte, probiert es der iPhone-Konzern mit einem Rundumschlag an neuen Modellen. Darunter findet sich nicht nur ein neuer Streamingdienst im Stile von Netflix, Amazon Prime und Co, sondern mit Apple Arcade ebenfalls eine neue Plattform für Videospiele.

Der Erfolg solcher Ökosysteme steht und fällt nahezu gänzlich mit dem Angebot an exklusiven Inhalten. Im Bestfall werden die populärsten Eigentitel zum Synonym für die jeweiligen Plattformen: Wer „House Of Cards” gucken will, bucht ein Abo bei Netflix. Wer „Super Mario” spielen will, entscheidet sich für Nintendo. Das haben auch Google und Apple verstanden. Einzig: Von exklusiven Inhalten war bisher nur sehr abstrakt und allgemein die Rede. Apple mag zwar bereits Kooperationen mit Filmemachern wie Steven Spielberg oder J.J. Abrams angekündigt haben, das alleine dürfte bei der starken Konkurrenz allerdings kaum jemanden wirklich überzeugen.

Googles Plan, aufwendige Videospielproduktion per Cloud für jedermann zugänglich zu machen, krankt dabei noch an einem ganz anderen Detail: die latenzfreie Echtzeitübertragung von hochauflösenden Inhalten erfordert hohe Bandbreiten. Die sind hierzulande bekanntlich alles andere als selbstverständlich.

Die Vorstellung, dass Apple und Google auch noch dieses Segment schlucken und unter sich aufteilen, sollte ohnehin niemand gutheißen. Der Markt für Videospiele mag zwar ebenfalls von großen Konzernen wie Sony, Microsoft und Nintendo dominiert werden, dafür mischen dort aber immerhin auch noch Unternehmen wie Valve oder Epic Games als unabhängige Plattformbetreiber mit. Der Wettbewerb ist einigermaßen lebendig. Das gleiche gilt für das Segment der Streamingdienste, auf dem neben den Platzhirschen ebenfalls kleinere Angebote wie Mubi koexistieren. Es mag sich dabei nur um ein bisschen Vielfalt handeln, das macht sie aber umso schützenswerter.

Bildquelle: Google

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