Shared Mobility

Größeres Bewusstsein für Hygiene

Im Interview wirft Axel Kalisch, CEO von Ben Fleet Services, einen Blick auf den aktuellen Carsharing-Markt und dessen Herausforderungen in Corona-Zeiten.

Axel Kalisch, Ben Fleet Services

„Wir sehen uns selbst als Enabler der Shared Mobility“, so Axel Kalisch.

MOB: Herr Kalisch, welchen Einfluss hat die Corona-Krise in den letzten Monaten auf den Markt für Carsharing ausgeübt?
Axel Kalisch: Zu Beginn der Corona-Krise war die Panik am Markt tatsächlich sehr groß. Durch Lockdown und Homeoffice ging natürlich auch die Mobilität zurück. Die Nutzerzahlen sind stark gesunken, weswegen einige Carsharer sogar Fahrzeuge ausgeflottet haben. Der Markt ist also kurzzeitig eingebrochen. In vielen Bereichen hat er sich mittlerweile wieder beruhigt. Was aber heute und in den vergangenen Monaten noch spürbar ist: Der Markt konnte sich durch die Krise nicht so schnell entwickeln, wie zuvor vermutet wurde. Das hängt u.a. an Lieferengpässen, die zur Folge hatten, dass Carsharing-Anbieter ihre Fahrzeugflotte nicht weiter ausbauen konnten.

MOB: Wie gestalten sich die aktuellen Hygienekonzepte der Carsharing-Anbieter?
Kalisch: Die Corona-Krise hat das Bewusstsein für Hygiene und das Desinfizieren von Oberflächen drastisch verstärkt. Wurden Carsharing-Autos davor im Schnitt alle zwei Wochen desinfiziert, ist das nun unser tägliches Geschäft. Nicht nur nach dem normalen Reinigen desinfizieren nun unsere Agents das Fahrzeug, auch bei anderen Wartungsservices, wie beispielsweise dem Laden der Elektroautos, werden jetzt strengere Hygienevorschriften beachtet.

MOB: Welche Rolle spielen intelligente IT-Lösungen in den Bereichen „Reinigung“ und „Wartung“ von Carsharing-Autos?
Kalisch: Wie überall geht auch im Servicegeschäft von Flottenfahrzeugen nichts mehr ohne Digitalisierung. Wir binden unsere interne Software-Lösung mit einer API-Schnittstelle direkt an die Operations-Software unserer Kunden an. Die Beauftragung, Abwicklung und Dokumentation ist somit voll digitalisiert und spart auf beiden Seiten Mehraufwand.

MOB: Welche Herausforderungen sind dabei zu bewältigen?
Kalisch: Vor allem auf der Seite der Service-Provider, also unserer Seite, wurde lange Zeit manuell gearbeitet. Selbstverständlich wird unsere Software stets auf neueste Anforderungen angepasst und entsprechend kontrolliert. Sie muss in die verschiedenen Systeme der Kunden eingebunden werden können und einfach zu bedienen sein. Denn auch der Faktor „Mensch“ muss bei der Konzeption bedacht werden. Wir arbeiten hier sehr eng mit den Operations zusammen, um das bestmögliche Ergebnis zu erzielen. Allerdings lässt sich so nur schwer Geld verdienen. Der Profitabilitäts- und Margendruck der Mobilitäts-Provider wird selbstverständlich an uns als Dienstleister weitergegeben. Mit analogen Prozessen und hohem administrativen Aufwand lässt sich so nur schwer Geld verdienen. Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, durch die Zentralisierung und Digitalisierung des Servicemarkts nicht nur unsere eigene Profitabilität, sondern indirekt und durch reduzierten Aufwand auch die der Carsharer zu ermöglichen.

MOB: Welche Zielsetzungen verfolgt Ben Fleet Services, um die Mobilität von Morgen aktiv mitzugestalten?
Kalisch: Wir sehen uns selbst als Enabler der Shared Mobility. Die angesprochenen digitalen Prozesse ermöglichen es uns, die benötigten Dienstleistungen schneller zu erledigen. Dies reduziert wiederum die Zeiten, in denen Fahrzeuge nicht nutzbar oder blockiert sind, was wiederum eine höhere Auslastung ermöglicht, die letztendlich zur angestrebten Profitabilität führt. Damit tragen wir dazu bei, Sharing profitabler zu machen. Außerdem ist es uns dadurch möglich, eine höhere Dichte an Services auszuführen und Fahrzeuge wieder schneller im Einsatz zu haben. Wir tragen also indirekt dazu bei, dass das Geschäftsmodell „Shared Mobility“ nachhaltig erfolgreich werden kann. Langfristig wollen wir uns vom reaktiven zum proaktiven Dienstleister entwickeln. Unsere Datengrundlage soll uns in Zukunft „Predictive Servicing“ ermöglichen, was die Zeiten, in denen Fahrzeuge nicht nutzbar sind, auf nahezu null reduzieren soll.

Bildquelle: Ben Fleet Services

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