Gründerszene

Gründer und Startups, statistisch betrachtet

Die Gründung eines neuen Unternehmens ist keine einfache Sache, wie Gründungs- und Startup-Monitor mit ihren Statistiken zeigen.

Startups werden oft im Team gegründet

Alle reden vom Gründen, trotzdem ist die Gründerquote in Deutschland niedrig. Dieser Widerspruch ist leicht erklärt: Auf der einen Seite gibt es eine große Skepsis gegenüber der Selbstständigkeit, die sich in einer recht niedrigen allgemeinen Gründerquote ausdrückt. Wer gerade einen sicheren Job hat, geht nur ungern ein Risiko ein.

Auf der anderen Seite gibt es aber eine Szene aus umtriebigen Adepten der Digitalwirtschaft, die häufig nicht nur ein, sondern mehrere Unternehmen gründen. Vor allem im Bereich der Informationstechnologie haben das Unternehmertum oder die Solo-Selbstständigkeit einen gewissen Hipness-Faktor bekommen.

Immerhin stellt die KfW-Bank in ihrem Gründungsmonitor 2015 einen leichten Anstieg bei den Gründungen fest. Treibende Kraft waren die freiberuflichen Branchen, etwa Sozialdienstleistungen, Unternehmensberater, Software-Ingenieure und Entwickler. Ihr Anteil ist seit einem Jahrzehnt ständig gewachsen. Im Gewerbe dagegen beobachtet die KfW einen Rückgang.

Eine positive Nachricht gibt es bei den Motiven für die Gründung: Gut die Hälfte aller Gründer sind Chancengründer, die sich selbstständig machen, um eine Geschäftsidee umzusetzen. Notfallgründungen mangels Alternative machen lediglich 30 Prozent der Gründungen aus. Die übrigen Gründer hatten andere Motive, etwa Selbstverwirklichung oder familiäre Gründe.

Der Gründungsmonitor untersucht auch die finanzielle Seite des Gründens und beklagt eine „kleinformatige Struktur“. Immerhin 62 Prozent der Existenzgründer nutzen Finanzmittel, aber zu zwei Dritteln in Form von Ersparnissen oder anderen privaten Geldern. Nur eine Minderheit von 21 Prozent setzt auf Startkapital von Dritten.

Finanzierung ist die größte Hürde

Größte Hürde für eine Gründung sind Finanzierungsschwierigkeiten. Zum Teil ist das eine Folge des zumeist geringen Finanzbedarfs, der unter dem Stichwort „Mikrokredit“ läuft. Kreditinstitute vergeben solche Kredite nur sehr ungern, da der Anteil der Kosten gegenüber dem Ertrag sehr groß ist.

Leider untersucht der Gründungsmonitor lediglich klassische Finanzierungsformen, aber nicht die Finanzierung über Business Angels oder Inkubatoren, die üblicherweise auch Beteiligungen im niedrigen fünfstelligen Bereich ermöglichen.

Hier lohnt ein Blick in den deutschen Startup-Monitor des Bundesverbands Deutsche Startups. Darin wird deutlich, dass sich die Startups der Digitalwirtschaft deutlich von anderen Gründungen unterscheiden. Sie schaffen mehr Arbeitsplätze, gelten als innovativer und werden deutlich häufiger in Teams gegründet.

Allerdings sind Startups eher ein Männerding. Der Anteil der Gründungen von Frauen liegt bei 10 Prozent gegenüber 43 Prozent allgemein. Eine weitere Besonderheit: Gut 45 Prozent aller Startup-Gründer gründen bereits zum zweiten Mal, 21 Prozent sind echte Seriengründer mit zwei oder mehr Unternehmen.

Das heißt aber nicht, dass die Gründungen immer erfolgreich sind. Rund ein Drittel der Startup-Gründer haben ein zuvor gegründetes Unternehmen bereits eingestellt, wagen sich aber trotzdem an eine zweite Runde. Ein wichtiger Unterschied ist auch die Finanzierung. Ein gutes Drittel aller Neugründungen in diesem Bereich finanzieren sich durch Beteiligungskapital, gegenüber 5,6 Prozent bei allgemeinen Gründungen.

Der Erfolg der Startups ist messbar, denn sie sind zu Jobmotoren geworden. Nach drei Jahren hat jedes Unternehmen der Digitalwirtschaft im Durchschnitt 17 Arbeitsplätze geschaffen. Kein Wunder, dass das Geschäftsklima bei den Startups gut ist: Fast 90 % der Gründer sind mit der gegenwärtigen Geschäftslage zufrieden und etwa drei Viertel gehen von einer Verbesserung aus.

Bildquelle: Thinkstock

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