Start-ups und die Politik

Gründer zweifeln am Koalitionsvertrag

Bei deutschen Start-ups macht sich Ernüchterung über die Politik breit. Seit einigen Jahren werden sie politisch hofiert, nun setzt sich bei den Gründern offenbar das Gefühl durch, dass es die Politik nicht wirklich ernst meint mit der „Start-up-Nation Deutschland“, wie eine Bitkom-Umfrage ermittelte.

Start-ups zweifeln am Koalitionsvertrag

Die Mehrheit der deutschen Start-ups geht davon aus, dass allenfalls wenige Maßnahmen des Koalitionsvertrags tatsächlich auch umgesetzt werden.

Laut Studie sagen aktuell zwar neun von zehn Start-ups (89 Prozent), dass Politik die Bedingungen für Start-ups in Deutschland entscheidend verbessern kann, aber zugleich sagen fast ebenso viele (86 Prozent), der Politik fehlt das Verständnis für die Probleme von jungen Unternehmen. Entsprechend fordern drei Viertel (74 Prozent): Politik sollte Start-ups möglichst große Freiräume ermöglichen und sich ansonsten raushalten. So lauten einige der Ergebnisse einer Umfrage von Bitkom Research im Auftrag des Digitalverbands Bitkom unter mehr als 300 Start-ups.

„Start-ups wissen, dass sie in vielen Bereichen auf die Politik angewiesen sind. Dabei geht es nicht vordergründig um finanzielle Förderung. Vor allem leiden innovative Tech-Start-ups besonders unter Überregulierung etwa in der Finanz- oder Gesundheitsbranche und übermäßig strenger Auslegung von Datenschutzvorgaben, die Entwicklungen im Bereich Datenanalyse und Künstlicher Intelligenz gerade mit Blick auf Wettbewerber aus den USA oder China beeinträchtigen“, sagt Bitkom-Präsident Achim Berg.

Aktuell geben nur noch vier von zehn Start-ups (44 Prozent) an, dass sich ihre eigene Situation in den vergangenen zwei Jahren verbessert hat – vor einem Jahr war der Anteil mit 54 Prozent noch deutlich höher. Große Hoffnung haben die Jungunternehmen mit Blick auf den Koalitionsvertrag nicht. Der Vertrag mit 25 Einzelmaßnahmen, von denen Start-ups profitieren könnten, bekommt von den Gründern nur die Schulnote Vier. Während praktisch niemand ein „sehr gut“ vergibt und nur drei Prozent ein „gut“ sagt jeder Zehnte: „ungenügend“. Und jedes dritte Start-up (35 Prozent) gibt freimütig zu, sich überhaupt nicht mit den Inhalten der Vereinbarung zwischen Union und SPD beschäftigt zu haben und deshalb keine Note vergeben zu können.

Ein Grund für dieses Desinteresse dürfte auch sein, dass nur eine Minderheit glaubt, dass die Ankündigungen wahr werden. Die große Mehrheit (79 Prozent) geht davon aus, dass allenfalls wenige Maßnahmen tatsächlich umgesetzt werden, acht Prozent rechnen sogar damit, dass gar nichts in diesem Bereich passiert. Gerade einmal sieben Prozent erwarten, dass viele Maßnahmen den Weg in das Gesetzgebungsverfahren finden. „Das Vertrauen der Start-ups in die Politik schwindet. Es gibt nur ein Mittel, das zu ändern: Start-up-Politik nicht nur aufschreiben, sondern machen“, so Berg. „Von einer entschlossenen Start-up-Politik würden nicht nur Jungunternehmen direkt profitieren, sondern indirekt auch alle deutschen Leitbranchen, die bei der Digitalisierung dringend das Tempo erhöhen müssen.“

Bildquelle: Thinkstock/iStock

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