Ab dem 1. Juni 2021

Grüner Impfpass – Diskriminierungsgefahr?

Weltweit wird unter Hochdruck gegen das Corona-Virus geimpft, doch nicht überall so schnell wie etwa in Israel, wo Geimpfte und Genesene mittlerweile dank eines „Grünen Passes“ u.a. wieder ins Fitnessstudio oder Theater dürfen. Die EU will solch einen Corona-Impfpass ebenfalls einführen – wo ist der Haken?

Frau lässt sich impfen

Der geplante EU-Impfpass sollte aber nicht alleine darüber entscheiden, wer wohin reisen darf, solange nicht alle Bürger gleichermaßen die Möglichkeit haben, sich impfen zu lassen.

In Deutschland liegt die Quote der vollständig Geimpften gemäß RKI bei gerade mal rund 5,5 Prozent – Stand 5. April 2021. Wird im aktuellen Tempo weitergeimpft, wird es vermutlich noch Monate dauern, bis alle Bürger gegen das Virus geschützt sind. Da wäre es in jedem Fall ungerecht, wenn etwa nur all jene, die schon jetzt ihre vollständigen Impfdosen erhalten haben, konkrete Vorteile daraus ziehen können – so wie in Israel. Und alle anderen, die sich gerne impfen lassen würden, aber erst in ein paar Monaten dran sind, bleiben bis dahin weiter in ihrer Freiheit eingeschränkt?

Die EU-Kommission will einen europaweit einheitlichen „digitalen grünen Impfpass“ für Corona-Geimpfte einführen, der bis zum 1. Juni 2021 fertig sein soll. Ziel sei es, dass Geimpfte fälschungssicher ihre Immunisierung nachweisen können. Dies könnte z.B. über ein einheitlich lesbares Dokument mit QR-Code – entweder auf Papier oder auf dem Mobilgerät – erfolgen.

Der geplante EU-Impfpass sollte aber nicht alleine darüber entscheiden, wer wohin reisen darf, solange nicht alle Bürger gleichermaßen die Möglichkeit haben, sich impfen zu lassen. Dieser Diskriminierungsgefahr könnte man entgegenwirken, indem für bislang Ungeimpfte das Reisen weiterhin auch per negativem Test möglich ist. Wer z.B. auf Sylt Ferien machen möchte, muss laut Bürgermeister Nikolas Häckel künftig einen negativen PCR- oder Schnelltest vorweisen, der durch qualifiziertes Personal durchgeführt wurde.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 1-2/2021. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

Ein weiteres Problem bei der geplanten Einführung des „digitalen Impfpasses“ stellt der Datenschutz dar, schließlich wird hier mit sensiblen medizinischen Daten hantiert, die ggf. im Rahmen der europaweiten Lösung zentralisiert gespeichert werden. Daher wäre es wünschenswert, wenn der Corona-Impfpass auch allein in Papierform Gültigkeit besitzt und das digitale Zertifikat optional bleibt, damit EU-Bürger die volle Kontrolle über ihre Gesundheitsdaten behalten.

Bildquelle: Getty Images / iStock / Getty Images Plus

©2026Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH

Unsere Website verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung zu. Weitere Infos finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

ok