Kommentar

Grünes Licht für E-Scooter

Mit einer Höchstgeschwindigkeit von bis zu 20 km/h dürfen elektrische Tretroller, auch E-Scooter genannt, künftig im deutschen Straßenverkehr offiziell genutzt werden – allerdings nicht auf Gehwegen und erst ab 14 Jahren. Ganz ungefährlich ist das Ganze nicht und über einzelne Punkte aus der entsprechenden Regierungsverordnung lässt sich durchaus streiten.

Grünes Licht für E-Scooter

Schon bald sollen die elektrischen Flitzer auch in deutschen Städten den urbanen Verkehr prägen – doch was ist dran am Hype um die E-Scooter?

Am 17. Mai dieses Jahres stimmte der Bundesrat einer Verordnung der Bundesregierung zu, die den Umgang mit „Elektrokleinstfahrzeugen“ regelt. Noch in diesem Monat soll es mit der tatsächlichen Zulassung für den Straßenverkehr losgehen. Dann dürfen die E-Scooter ganz offiziell über Radwege bzw. Radfahrstreifen flitzen – und falls diese nicht vorhanden sind, geht es auf die Straße. Grundsätzlich müssen die Roller mit einer Bremsvorrichtung und einer Beleuchtungsanlage ausgestattet sein – so ist es im Beschluss des Bundesrates vermerkt. Zum Versicherungsnachweis wurde von der Bundesregierung eigens eine aufklebbare Versicherungsplakette zur Anbringung an den elektrischen Tretrollern konzipiert. Eine Helmpflicht besteht allerdings nicht.

Und gerade das ist ein Punkt, über den sich streiten lässt – denn das Nutzen der E-Scooter im Straßenverkehr ist wahrlich nicht ungefährlich. So hat es beispielsweise erst kürzlich in Schweden einen schweren Unfall gegeben, bei dem ein Verkehrsteilnehmer gestorben ist. Der betroffene 27-jährige Mann war mit einem Leihroller unterwegs und stieß mit einem Auto zusammen. Später erlag er seinen Verletzungen.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 5-6/2019. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.


Scooter bergen jedoch nicht nur ein Verletzungsrisiko, sondern möglicherweise auch erhebliches Frustpotential, insbesondere wenn sie zum Platzproblem werden – etwa bei Mitnahme in der Bahn oder beim Abstellen in der Stadt. Die Stadt Paris will beispielsweise an dieser Stelle strengere Regeln für die Zulassung und Benutzung von Elektrotretrollern einführen und unterzeichnete einen Verhaltenskodex mit zehn Anbietern, heißt es. Mit der „Charta für gutes Fahren“ würden sich die Verleiher verpflichten, das wilde Parken zu unterbinden. Im Gegenzug will die Stadt 2.500 Stellplätze zur Verfügung stellen.

Wie dies zukünftig in Deutschland geregelt wird, bleibt abzuwarten. Denn während im Ausland die neuen, gehypten Vehikel mit den zwei kleinen Rädern, großer Trittfläche und Elektromotor schon länger offiziell unterwegs sind, nimmt das nachhaltige Mobilitätskonzept hierzulande erst jetzt scharfe Konturen an, was Fredrik Hjelm, Gründer und CEO des Urban-Mobility-Unternehmens Voi, begrüßt: „Mehr als drei Jahre nach der Regelung auf europäischer Ebene ist mit deutscher Gründlichkeit und einer über 50-seitigen Verordnung für Elektrokleinstfahrzeuge der Weg frei für Elektrotretroller in Deutschland gemacht worden.“ Er freue sich darüber, denn dies sei ein erster wichtiger Schritt für die Etablierung neuer, nachhaltiger Mobilitätskonzepte in Deutschland, die den Stadtverkehr stärken und flexibler gestalten werden.

Bildquelle: Gettyimages/iStock

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