Regulierung stärkt Innovationskraft

Gut ausgebaute LTE-Netze

Im Interview erläutert Johannes Weicksel, Bereichsleiter für TK-Technologien beim Bitkom e.V., warum eine regulatorische Harmonisierung die Innovationskraft der gesamten Branche stärken würde.

Johannes Weicksel, Bitkom

Johannes Weicksel, Bereichsleiter für Telekommunikationstechnologien beim Bitkom

Herr Weicksel, LTE gilt als prädestinierter Standard für eine schnelle Datenübertragung. Nun soll Voice over LTE, kurz VoLTE, auch eine verbesserte Telefonie ermöglichen. Wie ist es aktuell um die Verbreitung von VoLTE in Europa, Asien und USA bestellt? Welche großen Unterschiede gibt es?
Johannes Weicksel:
VoLTE hat in Sachen Sprachqualität und schnelleren Verbindungsaufbau viele Vorteile für den Endkunden. Die Einführung in Deutschland ist inzwischen abgeschlossen.

Neben altbekannten Netzbetreibern wie der Telekom, AT&T oder Vodafone arbeiten Neueinsteiger wie Facebook und Google an eigenen Datennetzen – wie ist hier der aktuelle Stand?
Weicksel:
Der Bitkom ist für den wettbewerblichen Ausbau von Telekommunikationsangeboten. Dies gilt sowohl für Deutschland wie auch für andere Regionen – dies schließt die Bemühungen ein, bislang nicht mit Telekommunikationsangeboten abgedeckte Gebiete der Welt zu versorgen.

Stichwort Zusatzdienste (neudeutsch: Over the top services, OTT wie Hulu, Netflix, Spotify): Inwiefern werden diese das Bild der internationalen Netze verändern?
Weicksel:
Gerade die angesprochenen Streaming-Dienste werden stark durch die Endnutzer nachgefragt und durch diese – sowie auch andere Angebote – wird der weltweite Datenverkehr über die nächste Jahre weiter exponentiell wachsen. Dieser Entwicklung werden Carrier und Telekommunikationsprovider mit weiterem Ausbau ihrer Infrastruktur Rechnung tragen.

Indien erwägt, Whatsapp einer Regulierung zu unterwerfen. Ähnliche Überlegungen gibt es seitens der EU hinsichtlich der Regulierung von OTT-Diensten – was halten Sie von solchen Vorhaben?
Weicksel:
Generell begrüßen wir innovative neue Anwendungen. Um für etablierte TK-Provider als auch OTT-Diensteanbieter einheitliche Bedingungen in der Gestaltung ihrer Produkte zu gewährleisten, sprechen wir uns für ein Level-Playing-Field aus. Eine regulatorische Harmonisierung würde unserer Meinung nach die Innovationskraft der gesamten Branche stärken, da die Verzahnung von Infrastruktur und Diensten immer enger wird.

Inwieweit unterscheiden sich die europäischen Mobilfunkmärkte von afrikanischen, asiatischen und amerikanischen Märkten? Welches sind hier die auffälligsten Merkmale?
Weicksel:
Sowohl der Preiswettbewerb als auch der Datenhunger der Endnutzer sind zwei Phänomene, die sich weltweit beobachten lassen. Jede Region zeigt entsprechend ihrer wirtschaftlichen Möglichkeiten unterschiedliche Ausprägungen dessen. Auffällig für den deutschen Markt ist, dass wir sehr gut ausgebaute LTE-Netze haben und gleichzeitig die Zahl der LTE-Nutzer deutlich langsamer als in anderen Regionen der Welt zunimmt.

Mobilfunkverträge schließt man hierzulande in der Regel über eine Mindestlaufzeit von zwei Jahren ab. Inwieweit sind dies im internationalen Vergleich gängige Vertragslaufzeiten? Welche alternativen Vertragslaufzeiten sind Ihnen bekannt?
Weicksel:
Die Vertragslaufzeit von Mobilfunkverträgen kann jeder Provider selbst ausgestalten. Auch in Deutschland gibt es inzwischen deutlich mehr als nur ein Zwei-Jahres-Modell. Pre-Paid-Modelle, monatliche Kündbarkeit, Post-Paid ohne Mindestvertragslaufzeit: Die Tariflandschaft in Deutschland hat sich entsprechend der Kundennachfragen deutlich ausdifferenziert. International ist das ähnlich.

Wo zahlt man innerhalb Europas durchschnittlich die geringsten und wo die höchsten Mobilfunkkosten? Wie sieht die Preisgestaltung in den afrikanischen, asiatischen und amerikanischen Mobilfunkmärkten aus?
Weicksel:
Für Januar 2014 erhebt Body of European Regulators for Electronic Communications (Berec) einen durchschnittliche Preis pro Minute für Mobilfunkentgelte in Europa von 1,924 Eurocent. Deutschland liegt mit 1,790 Eurocent/min sogar darunter. In Luxemburg wurden im Vergleich 8,576 Eurocent/min beobachtet.

Glaubt man Branchenkennern, befinden sich mobile Dienste wie SMS oder Prepaid-Angebote derzeit weltweit auf dem absteigenden Ast – wie schätzen Sie diesen Sachverhalt ein?
Weicksel:
SMS sind aufgrund der vielfältigen Angebote von Kurznachrichtendiensten nicht mehr so gefragt wie früher. In Deutschland ist die Zahl der versandten SMS-Nachrichten von 2013 auf 2014 um 40 Prozent gesunken. Post-Paid-SIM-Karten haben von 57 Prozent auf 58 Prozent zugenommen – daher abzuleiten, dass Prepaid-Angebote auf dem absteigenden Ast wären, wäre wohl etwas zu weitreichend.

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