Sicherheitslücken in Elektrofahrzeugen

Hackerangriff auf Elektroautos

Im vergangenen Jahr sorgten chinesische Studenten für Aufruhr: Sie hackten sich in ein fahrendes Elektroauto ein. Wie schätzen deutsche Sicherheitsexperten den Fall ein und wie leicht ist es für Cyberkriminelle, auf Fahrzeugfunktionen von außen zuzugreifen?

  • Chinesischen Studenten ist es gelungen, ein fahrendes Elektroauto von Tesla von außen zu manipulieren.

  • Um weitere Sicherheitslücken zu finden, werden vom Unternehmen professionelle Hacker engagiert.

Die Hackattacke – was war passiert?

Chinesische Studenten haben im Rahmen der Sicherheitskonferenz Syscan einen Tesla Model S gehackt. Ihnen gelang es, das fahrende Auto zu manipulieren, indem sie alle Türen und das Schiebedach öffneten, die Hupe betätigten sowie die Lampen einschalteten. „Bei der zunehmenden Technisierung der Fahrzeuge war dies nur eine Frage der Zeit“, bemerkt Christian Funk, Leiter des deutschen Forschungs- und Analyseteams bei Kaspersky Lab. Sofern diese Pentests von Sicherheitsforschern durchgeführt werden und die gefundenen Schwachstellen an den Hersteller zur Nachbesserung weitergegeben werden, könne der Konsument nur davon profitieren. „Wenn sich allerdings Personen mit krimineller Energie daran machen, sieht die Sachlage natürlich anders aus“, so Funk. Deshalb müsse beim Einzug dieser Technologien in Fahrzeuge die sichere Implementierung von Anfang an groß im Pflichtenheft stehen.

Wie einfach ist es für Hacker, auf die Bordelektronik eines Automobils von außen zuzugreifen?

Wenn man vom erwähnten Beispiel liest, ist diese Frage berechtigt – Antworten liefert Lars Thyroff, Vice President Global Head Automotive bei Gemalto: „Eine Vielzahl kleiner Computer, die elektronische Steuereinheiten genannt werden, befinden sich spätestens seit den 1990ern in jedem Fahrzeug. Seitdem diese Einheiten mit dem Internet verbunden sind, können Hacker theoretisch auf das ganze System zugreifen.“ Doch bestätigt er gleichwohl, dass Erstausrüster stark in diesen Bereich investieren und eine enge Zusammenarbeit mit Sicherheitsexperten pflegen.

Wäre die komplette Kontrolle über das Automobil von außen möglich?

Eine komplette Kontrolle des Fahrzeugs von außen ist laut Dr. Rainer Mehl von NTT Data heute noch nicht vorstellbar. Sobald Autos über die Möglichkeit des autonomen Fahrens verfügen, sei dieses Szenario aber sehr wohl denkbar, ja sogar gewollt. Ein Beispiel dafür sei das automatische Finden eines Parkplatzes und das selbstständige Einparken. „Bedenklich ist nicht alleine die komplette Fahrzeugkontrolle: Schon die Manipulation der Navigation oder der elektrischen Lenkung bis hin zu einem ungewollten Bremseneingriff stellen durchaus ernstzunehmende Szenarien und Gefahren dar“, so Mehl.

Übrigens: Auf der im August stattgefundenen Sicherheitskonferenz Def Con in Las Vegas forderte Tesla-Chef Elon Musk die IT-Profis heraus, einen Tesla zu hacken, um weitere Sicherheitsschwachstellen zu entdecken und im Anschluss zu schließen. Laut dem Automobilhersteller waren rund 20 Hacker erfolgreich und dürfen sich als Belohnung auf eine Festanstellung im Unternehmen freuen.

 

Bildquelle: Tesla; Thinkstock/ iStock

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