Industrie-Handhelds im Einsatz

Handhelds: Gewappnet für Industrie 4.0?

Transport, Lager, Logistik oder auch Ticketing sind nur einige der Bereiche, in denen klassische Handhelds Anwendung finden. Doch inwieweit sind die robusten Mobilcomputer für Industrie-4.0-Szenarien gewappnet?

Handheld-Computer im Lager

Aufgrund ihrer hohen Robustheit werden industrielle Handhelds gerne in großen Stückzahlen in den Bereichen „Lager“ und „Logistik“ von Handels- und Industrieunternehmen, Transportdienstleistern und Speditionen eingesetzt. Doch auch im Gesundheitswesen, in den Bereichen „Maintenance“ und „Service“, beim Ticketing von Bahnunternehmen, in der Parkraumbewirtschaftung oder im öffentlichen Dienst sind die handlichen Geräte beliebte Helfer. Denn sie können mitunter als mobile Kasse genutzt werden und z.B. über einen integrierten Drucker Belege ausgeben. „Für den Handel und am Point of Sale (POS) stehen besonders ansprechend und ergonomisch gestaltete Handhelds und robuste Tablet-PCs mit professionellen Sicherheits-Features zur Verfügung“, ergänzt Thomas Uppenkamp, Sales Manager bei Casio Europe. Und manche Geschäfte stellen ihren Kunden gar Handhelds zum Selbst-Scannen der ausgewählten Artikel zur Verfügung.

Interaktion mit intelligenten Systemen

Doch inwieweit sind die mobilen Geräte für die Industrie 4.0 gewappnet? Diese sieht es vor, Prozesse zu automatisieren und Entscheidungen computer-gestützt zu treffen. „Moderne Mobilcomputer sind absolut bereit für Industrie 4.0“, ist sich Alexander Honigmann sicher, „denn Robustheit und intelligente Geräte stehen längst nicht mehr im Widerspruch zueinander“, so der Senior Sales Engineering Manager DACH bei Zebra Technologies. Robuste Gehäuse erlauben den Einsatz in anspruchsvollen Industrieumgebungen, leistungsfähige Hardware und Software ermöglichen die Interaktion mit intelligenten Systemen. Zudem sind moderne Handhelds via Wlan oder Mobilnetz mit dem Internet verbunden, wodurch sie Daten zu Betriebsabläufen in Echtzeit verarbeiten können. „Das macht Handhelds zu einem wichtigen Faktor in Industrie-4.0-Systemen“, betont Honigmann.

„Die Lebensdauer eines Industrie-Handhelds hängt i.d.R. von vorrangig zwei Faktoren ab: zum einen, in welchem Umfeld die Geräte eingesetzt werden und wie mit ihnen umgegangen wird, und zum anderen vom technischen Fortschritt.“ Thomas Uppenkamp, Casio

Neben der ständigen Konnektivität und Robustheit ist es wichtig, dass Industrie-Handhelds einfach zu bedienen sind, sichere Unternehmensanwendungen unterstützen, sinnvolle Schnittstellen vorweisen und vor allem auf eine langlebige Batterie zurückgreifen, um Ausfallzeiten möglichst zu vermeiden. Die Datensicherheit eines Handhelds ist dabei u.a. vom Betriebssystem abhängig, meint Thomas Uppenkamp. „Mit iOS, Android und Windows 10 ringen drei Schwergewichte für den mobilen Einsatz um die Vorherrschaft. Wir sehen die Vorteile von Android in der großen Marktverbreitung.“ Ein Nachteil sei indes der häufige Versionswechsel und die daraus resultierende geringe Investitionssicherheit. Außerdem sei Android relativ anfällig für Malware. „Die Vorteile von Windows 10 liegen in der Sicherheit des Betriebssystems mit schnellen Updates und besserem Schutz gegen Malware“, so der Sales Manager von Casio. Nachteilig sei allerdings der noch sehr geringe Markteinfluss.

Sicheres Handling

Über die Sicherheit von Industrie-Handhelds entscheidet aber nicht nur das Betriebssystem – für ein sicheres Handling sorgen darüber hinaus die Ergonomie der Geräte sowie spezielle Halterungen und Befestigungen. Ein ergonomisches Design verbessert grundsätzlich die Arbeitsabläufe, senkt die körperliche Belastung und steigert dadurch die Produktivität. „Mithilfe von neuen Technologien konnte das Gewicht der Geräte verringert und die Ergonomie verbessert werden, ohne dabei an Robustheit einzubüßen“, berichtet Honigmann aus der Praxis. Auch Casio hat nach eigenen Aussagen „einen sehr hohen Ergonomie-Anspruch“. Das ermüdungsfreie Arbeiten nach dem „Human Center Design“-Aspekt sei sehr wichtig.

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Das Angebot an Zubehör orientiert sich dabei an der Nachfrage aus den Unternehmen – und hier gibt es laut der Hersteller alles angefangen bei Einzel- und Mehrfachladestationen, über Schutzhüllen, widerstandsfähige USB-Kabel und extrastarke Akkus bis hin zu spezialisierten Aufsätzen, die Datenerfassung mittels RFID ermöglichen, praktische Fahrzeug- oder Gürtelhalterungen, Handschlaufen, Halteriemen oder Tragetaschen. So, wie es für verschiedene Anwendungsbereiche speziell entwickelte Handhelds gibt, werden letztlich auch die Zubehörteile spezifisch für solche Anwendungen angeboten – und zwar immer unter dem Aspekt, den Kunden möglichst viel Komfort und Sicherheit zu bieten.

Technologische Innovationen

Wie oft Industrie-Handhelds trotz ihrer Robustheit den Geist aufgeben, hängt von der Branche und vom einzelnen Nutzer ab. „Allerdings sehen wir aufgrund der höheren Robustheitsstandards – durch besseres Material und technologische Innovationen – seit einigen Jahren, dass die Zahl der beschädigten Geräte zurück geht“, berichtet Alexander Honigmann. Auch Thomas Uppenkamp meint, die Ausfallrate der Handhelds sei gering. Doch: Wie schon UPS vor 25 Jahren festgestellt hätte, sei das Display der schwächste Punkt eines mobilen Endgeräts. Deshalb hatte UPS sich wohl damals für ein Gerät mit möglichst kleinem Display entschieden. Der Trend geht seit einigen Jahren nun den gegenläufigen Weg, da mehr und mehr Informationen auf einen Blick verfügbar sein sollen. Die Displays werden somit immer größer. Doch trotz neuester Technologien lässt es sich laut Uppenkamp nicht vermeiden, „dass die Displays nach wie vor der schwächste Punkt in einem robusten, mobilen Endgerät sind“. Da ist es gut, wenn die Anwender auf entsprechende Garantie-Services zurückgreifen können, falls mal etwas zu Bruch geht. „In den letzten Jahren haben sich die meisten Kunden für die vollumfassende Schutzoption für Handhelds entschieden – ähnlich der Vollkaskoversicherung für Autos“, weiß Honigmann zu berichten. Darin inbegriffen seien u.a. ein 24/7-Support, Geräteaustausch am selben Tag, Reparatur-Dashboard für mehr Transparenz sowie Batteriewartung. Casio lässt sich derweil in den Bereichen Reparatur-Service und technischer Support von einem externen Partner unterstützen, dessen Service-Zentrum für Arbeiten an aktuellen Handhelds zertifiziert wurde.

„Hinter Android steht eine riesige Entwickler-Community, die Innovationen vorantreibt. Die daraus resultierenden vielfältigen Android-Anwendungen lassen sich auf die individuellen Bedürfnisse von Unternehmen zuschneiden, bieten ein hohes Sicherheitsniveau und dauerhafte Konnektivität in einer Industrie-4.0-Umgebung.“ Alexander Honigmann, Zebra

Doch keine Sorge! Die durchschnittliche Lebensdauer von Industrie-Handhelds soll grundsätzlich zwischen fünf und zehn Jahren liegen. Der Bedarf an neuen Unternehmensanwendungen, neue Anwendungsbereiche sowie die Zunahme an Industrie-4.0-Technologie zwingen Kunden nur manchmal dazu, Geräte frühzeitig auszutauschen, um die neuen technologischen Möglichkeiten nutzen zu können und bestimmte Geschäftsanforderungen zu erfüllen. An dieser Stelle müssen die Anwender abwägen, ob sie mit den alten Geräten weiterhin klar kommen und ein paar Abstriche machen oder Geld in die Hand nehmen, um auf die neuesten Modelle umzusteigen.


Bildquelle: Thinkstock/ iStock

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