„Allein schon aus Sicherheitsgründen
Herr Thom, wie bewerten Sie das Thema „Enterprise Mobility“?
Winfried Thom: Zunächst wurde die Entwicklung durch den Smartphone- und Tablet-Boom im Consumer-Bereich getrieben. Was Menschen privat für Informationsbeschaffung, Kommunikation oder Einkäufe einsetzen, wollten sie dann auch im beruflichen Alltag nutzen. Inzwischen erkennen Unternehmen Enterprise Mobility als Chance und ergreifen die Initiative, um Arbeitsprozesse zu beschleunigen und flexibler auszurichten.
Heute unterstützen mobile Formfaktoren Teleworking-, Teilzeit- und Outsourcing-Strategien. Gleichzeitig sind sie Basis für einen modernen Außendienst mit innovativen Service- und Vertriebsmodellen. Das Gelingen von Enterprise Mobility ist erfolgskritisch und der Erfolg ist messbar, z.B. in Verkaufszahlen und Vertriebskosten. Waren Unternehmen in Bezug auf Enterprise Mobility zunächst zurückhaltend, steht heute im Vordergrund, den Wandel in der Arbeitswelt nicht zu verpassen und sich rechtzeitig Wettbewerbsvorteile zu sichern.
Sind das eher perspektivische oder schon konkret erfahrbare Wettbewerbsvorteile?
Thom: Nein, das ist ganz konkret. Nehmen Sie als Beispiel unser Unternehmen, das im Projektgeschäft mit Vertriebs- und Lösungspartnern engagiert ist. Enterprise Mobility ist inzwischen das Rückgrat, um uns mit allen Projektbeteiligten enger zu koordinieren und Arbeitsprozesse über Team-, Unternehmens- und selbst Landesgrenzen hinweg zu harmonisieren.
Wenn Sie damit schneller zu besseren Ergebnissen kommen, dann ist das ein Wettbewerbsvorteil. Aber ich stelle das ja auch bei mir selbst fest. Wenn ich früher auf Geschäftsreise war, hätte ich mir zeitlich gesehen weniger Leerlauf gewünscht. Mit dem mobilen Büro in der Jackentasche bin ich auch außer Haus handlungs- und entscheidungsfähig.
Welche Herausforderungen müssen Unternehmen und
Hardwarehersteller bei der Umsetzung von Enterprise Mobility bewältigen?
Thom: Damit Mobilitätsstrategien aufgehen und Unternehmen tatsächlich von einer engeren Vernetzung interner und externer Mitarbeiter profitieren, benötigen sie eine gute Auswahl leistungsstarker und hochwertiger Endgeräte. Gleichzeitig sollte Mobilität in das IT-Konzept eingebettet werden. Hier erwarten Unternehmen von Hardwareherstellern Unterstützung über die reine Produktebene hinaus, um mobile Sicherheitskonzepte umzusetzen oder Geschäftsmodelle individuell abzubilden.
Wir leisten das mit Systemhauspartnern, mit denen wir im Rahmen unseres indirekten Vertriebs eng verbunden sind. Für Unternehmen ist das ein wichtiges Kriterium: Als Insellösungen bringen Endgeräte kaum betriebswirtschaftlichen Nutzen. Der entsteht erst mit einer Einbettung in Arbeits- und IT-Prozesse.
Die Nutzung mobiler Endgeräte ohne strategische Fundierung ist demnach nicht sinnvoll. Ist das eine klare Absage an BYOD, wo jeder sein eigenes Gerät mitbringt?
Thom: Nicht zwangsläufig. BYOD sollte aber als Teil eines Gesamtkonzeptes solide implementiert werden. Denn allein schon aus Sicherheitsgründen können Unternehmen die Einrichtung, Überwachung und Verwaltung der Endgeräte nicht völlig aus der Hand geben.
Unter BYOD-Bedingungen kann das allerdings technologisch und rechtlich problematisch sein. Das gilt vor allem für den Unternehmenszugriff auf die ja eigentlich privaten Smartphones. Um die Privatsphäre zu schützen und Unternehmen dennoch den erforderlichen Gerätezugriff einzuräumen, sollten private und geschäftliche Daten auf einem Gerät sauber getrennt sein. Empfehlenswert ist hier der Einsatz von Smartphones mit einer Multi-SIM-Funktionalität.
Welche Mobilitätsstrategie wird sich langfristig durchsetzen?
Thom: Generelle Prognosen sind schwer zu stellen, da Unternehmen ihre Rolle bei der ITK-Beschaffung individuell definieren. Manche Unternehmen werden zur Technologieausstattung passende Endgeräte konsequent selbst beschaffen und – wenn überhaupt – nach dem „Dienstwagenmodell“ den Mitarbeitern zur privaten Nutzung überlassen. Viel spricht dafür, dass Mitarbeiter und Unternehmen im Rahmen eines CYOD-Ansatzes (Choose your own Device) gemeinsam handeln werden: Die IT-Abteilung trifft eine Vorauswahl im Einklang mit den technischen und fachlichen Anforderungen, die Mitarbeiter suchen sich dann ihr Endgerät aus. Also ein Kompromiss zwischen privaten Wünschen und unternehmerischer Entscheidung.
Bei der Beschaffung mobiler IT sprechen Mitarbeiter also auch in Zukunft ein gewichtiges Wort mit. Welche Auswirkungen hat das für die Hersteller?
Thom: Mit dem gewachsenen Einfluss der Mitarbeiter auf die IT-Entscheidungsträger werden die Rahmenbedingungen für den Vertrieb neu abgesteckt: Will man Unternehmen für ein Produkt gewinnen, muss man gleichzeitig die Mitarbeiter auch als Privatnutzer überzeugen.
Früher sind wir mit einer Unterscheidung von Geschäfts- und Privatkundenbereich gut gefahren. Mit dem „Prosumer“ ändert sich das. Daher haben wir die Geschäftsfelder „Professional“ und „Consumer“ zusammengeführt: Denn wir müssen gleichzeitig die Spielregeln des Consumer-Markts – z.B. mit schneller Marktreife und kurzen Innovationszyklen – sowie die Spielregeln des Professional-Segments beherrschen, also stark bei Support und Service sowie im Partner- und Projektgeschäft sein.
Kann man vor diesem Hintergrund sagen, dass Mobile Computing die Bedingungen sowohl für Anwender als auch IT-Hersteller komplizierter macht?
Thom: Ja, vor allem verändern sich Anforderungen, Technologien und Kundenverhalten schnell. Die Unternehmens-IT ist mit ihrer Vielfalt an Systemen, Formfaktoren und Nutzungsmodellen heterogener geworden. Das hat Auswirkungen auf die IT-Beschaffung und schlägt auch in den mobilen PC-Markt durch. Für ITK-Anbieter bedeutet das, eine große Auswahl an Lösungen und Produkten anzubieten, die die unterschiedlichen Anforderungsprofile erfüllen und dabei die individuellen mobilen Einsatzszenarien exakt abbilden.
Doch immer mehr Geräte, Plattformen, Systemversionen, Konfigurationen und Firmware-Erweiterungen sicher zu steuern, wird kaum gelingen. Unternehmen werden sich langfristig auf wenige Plattformen konzentrieren.
Setzen Sie hierbei eher auf Android oder Windows als Plattform der Zukunft?
Thom: Sowohl Windows als auch Android haben aus unserer Sicht Zukunft. Da Unternehmen häufig auf Windows-Server und -Clients setzen und MS Office der gewohnte Business-Standard ist, hat Windows vielleicht noch einen kleinen Vorsprung bei Tablets. Die Benutzung der Microsoft-Produkte ist seit langem von den Nutzern gelernt, Administratoren und Sicherheitsspezialisten sind mit den Security-Features bestens vertraut.
Letztlich ist für Unternehmen die nahtlose Einbettung der Endgeräte in Arbeits-, Kommunikations- und Wartungsprozesse ausschlaggebend. Gerade hier professionalisiert sich Android und integriert inzwischen moderne Sicherheitstechnologien. Hinzu kommen Tools für Fernwartung, Gerätesperrung, App-Kontrolle und VPN-Verbindungen. Wir sind bei der Frage der Plattformen daher offen. Unser Portfolio trägt sowohl der Unternehmensverankerung von Windows als auch der Popularität von Android Rechnung. Wir lassen unseren Kunden die Wahl zwischen zahlreichen Modellen und Konfigurationen auf der jeweils bevorzugten Plattform.
Wie wollen Sie Unternehmen bei der Homogenisierung ihrer IT-Infrastrukturen unterstützen?
Thom: Wir liefern ein komplettes Client-Portfolio, mit dem Unternehmen über die verschiedenen mobilen Formfaktoren hinweg Strukturen konsolidieren und einheitliche Standards schaffen können. Dazu gehört es auch, zeitnah die aktuellen Versionen der Betriebssysteme sowie Firmware-Erweiterungen bereitzustellen. Das betrifft allerdings lediglich die Produktebene, die wir dann durch Support- und Servicekompetenz flankieren.
Was bedeutet das genau?
Thom: Wir sind einer der wenigen IT-Anbieter, die Service und Support nicht auslagern, sondern „Made in Germany“ in Ahrensburg leisten. Alternativ können Unternehmen diesen Service natürlich auch bei unseren zertifizierten Partnern in der Region in Anspruch nehmen. Entscheidend ist hier das unbedingte Qualitätsbewusstsein, das wir mit dem Acer Reliability Promise für ausgesuchte Businessgeräte unterstreichen.
Sollte eines von ihnen im eigenen Repair-Center instandgesetzt werden müssen, erhalten Kunden zusätzlich zur kostenfreien Reparatur 50 Prozent des Kaufpreises erstattet. Dieses Engagement sichert uns eine hohe Wertschätzung der IT-Entscheider, die unsere Service- und Produktqualität erst kürzlich in der DISQ-Studie „Mehr Transparenz – Mehr Kundennähe“ mit „sehr gut“ ausgezeichnet haben.
Bedeutet die Homogenisierung der mobilen Unternehmens-IT auch, dass Formfaktoren wie das Notebook verschwinden?
Thom: Das denke ich nicht. Sicher ist es für manche Unternehmen sinnvoll, Notebooks komplett durch Tablets zu ersetzen. Sie können so die Anzahl der Geräte verringern und Kosten für Wartung und IT-Administration senken. Für das Lesen, Anschauen und Präsentieren von Dateien sind Tablets perfekt geeignet, dazu braucht man kein Notebook.
Liegt der Schwerpunkt auf der Produktion von Inhalten, stehen Hybrid-Geräte bereit, die beides verbinden: die Leichtigkeit mobiler Kommunikation mit einer robusten Performance zur Dateierstellung. Dennoch werden viele Unternehmen an ihren Notebooks festhalten. Vieles spricht sogar für eine Renaissance dieses Formfaktors. Er bietet mit Leichtigkeit, Ergonomie, Leistungsstärke und langen Akkulaufzeiten eine Balance aus Produktivität und Mobilität. Dasselbe gilt für das Ultrabook, das viele Tablet-Eigenschaften besitzt und dennoch genügend Performance für aufwendige Grafikbearbeitungen liefert.
Zuletzt eine Frage in eigener Sache: Wie sieht Enterprise Mobility bei Acer selbst aus?
Thom: Das Neueste sind gerade Acer-Multi-SIM-Smartphones. Unsere Mitarbeiter suchen ihre Modelle in der bevorzugten Konfiguration selbst aus und setzen sie mit ihrer persönlichen SIM-Karte auch privat ein. Unsere Mitarbeiter sind begeistert und somit unsere wichtigsten Markenbotschafter – wozu ich auch mich selbst seit über zwei Jahrzehnten gerne zähle.
Wilfried Thom ...
... seit 1989 bei Acer – ist Region Manager Central Europe und für das Deutschlandgeschäft verantwortlich. Als langjähriges Mitglied der Geschäftsführung hat er den Aufstieg von Acer zu einem der führenden PC-Hersteller im Markt mit geprägt.