Fujitsu: IT-Produktion in Deutschland

Hardware-Recycling von über 99 Prozent

Vera Schneevoigt, Senior Vice President und Head of Product Supply Operations Service Platform bei Fujitsu, betont im Interview die hohe Bedeutung der Produktionsstätte in Augsburg sowie des Recyclingcenters in Paderborn und beschreibt die zahlreichen Aktivitäten zur Gesundheitsförderung und Prävention im Unternehmen.

Vera Schneevoigt, Fujitsu

Vera Schneevoigt, Senior Vice President und Head of Product Supply Operations Service Platform bei Fujitsu

Frau Schneevoigt, wie gestalten sich die Arbeitsbedingungen in Ihren Produktionsstätten z.B. hinsichtlich Arbeitszeit, Entlohnung sowie Arbeitsschutz?
Vera Schneevoigt:
An unserem Standort im bayrischen Augsburg, mit seiner wettbewerbsfähigen und flexiblen Fertigung – Stichwort „atmende Fabrik“ –  beschäftigen wir aktuell rund 1.600 festangestellte Mitarbeiter. Wir leben hier ein sehr flexibles Arbeitszeitmodell, das kurzfristige Anpassungen der täglichen Arbeitszeit ermöglicht. Dies wird auch durch den Einsatz von Leihkräften ermöglicht.

Bei der umfangreichen Modernisierung des Werks wurde im Jahr 2011 – nach dem Vorbild der Automobilindustrie – von der Linienproduktion auf eine Inselproduktion („U-Cell“) umgestellt. Ein Fertigungsteam ist somit für den kompletten Werdegang „seines“ Produkts, von der ersten Schraube bis zum fertigen Produkt, verantwortlich. Auch die Ergonomie am Arbeitsplatz erfüllt seit der Umstellung moderne Standards – was deutlich zur Erhöhung der Arbeitszufriedenheit beiträgt. Wir haben außerdem Strukturen implementiert, die es erlauben, kundenspezifische Produkte mit unterschiedlichsten Volumenanforderungen kurzfristig zu produzieren und auf die jeweilige Marktsituation zu reagieren.

Für die Koordination der zahlreichen Aktivitäten zur Gesundheitsförderung und Prävention haben wir bei uns ein zentrales Gesundheitsgremium eingerichtet. Dieses setzt sich aus einem Querschnitt von Unternehmensvertretern zusammen: Betriebsleiter, Human Resources, der Gesamtbetriebsrat, eine Fachkraft für Arbeitssicherheit und die Krankenkasse als strategischer Partner. „Vorbeugen, positive Rahmenbedingungen schaffen, Belastungssituationen erkennen und vermeiden“, mit diesem Dreisatz werden Gesundheits- und Arbeitssicherheitsthemen analysiert und entsprechende Maßnahmen daraus abgeleitet. Unseren Erfolg in Bezug auf den Arbeitsschutz können wir unter anderem an der Anzahl von lediglich vier Arbeitsunfällen im Jahr 2013 festmachen. Zum Vergleich: Der Branchendurchschnitt war zwanzig Mal höher.

Zur Entlohnung: Wir sind Mitglied im Arbeitgeberverband Gesamtmetall. Als mitbestimmtes Unternehmen pflegen wir ein konstruktives Miteinander und unsere Entlohnungsstruktur ist tarifgebunden. Wir unterliegen den tariflichen Vereinbarungen (Tarifverträgen) und so profitieren unsere Mitarbeiter von den in den Tarifrunden ausgehandelten Leistungen.

In welchen Städten befinden sich Ihre drei größten Produktionsstätten und welche mobilen Geräte produzieren Sie dort genau?
Schneevoigt:
In unserem Werk Augsburg betreiben wir die einzige in Europa verbliebene vollständige Entwicklung und Produktion von Hauptplatinen für PCs und Workstations, Server, Speichersysteme und industrielle Fabriksysteme. Hier findet auch die Endmontage dieser Systeme sowie die Endmontage von Notebooks für den Hauptzielmarkt Europa statt. Darüber hinaus befinden sich Teile unserer Entwicklungsabteilung in München und Paderborn, wo wir auch ein Recyclingcenter betreiben. Beim Recycling gebrauchter Hardware erzielen wir bereits seit Jahren einen Wiederverwertungsanteil von über 99 Prozent – gesetzlich vorgeschrieben sind 75 Prozent. Das bedeutet, dass nur weniger als ein Prozent der Stoffe entsorgt werden müssen. Darüber hinaus unterhalten wir auch ein Ersatzteil- und Logistikzentrum im thüringischen Sömmerda.

Mit wie vielen Auftragsfertigern und/oder Zulieferern aus welchen Ländern arbeiten Sie zusammen?
Schneevoigt:
Wie in der gesamten ITK-Branche, sitzen unsere rund 400 Lieferanten von Direct Materials (für das Forschungs- & Entwicklungs- wie auch Produktgeschäft) zu großen Teilen in Asien, den Vereinigten Staaten und neben Europa auch im Nahen Osten sowie dem Rest der Welt.

Auf welche Weise verschaffen Sie sich Transparenz über die bei Ihren Auftragsfertigern und/oder Zulieferern herrschenden Arbeitsbedingungen hinsichtlich Arbeitszeit, Lohn und Arbeitsschutz?
Schneevoigt:
Um sicherzustellen, dass auch bei der Zulieferkette und von den Lieferanten soziale und ökologische Nachhaltigkeitsaspekte berücksichtigt werden, sind wir – die Fujitsu Group – dem „United Nations Global Compact“ beigetreten. In diesem Zusammenhang verlangen wir auch von unseren Partnern und Zulieferern, dass diese sich in den Bereichen Menschenrechte, Arbeitsnormen, Umweltschutz und Korruptionsbekämpfung sowie der Umsetzung von CSR-Initiativen verpflichten. Als globales Unternehmen fördern wir ein verantwortungsbewusstes Management und haben nicht nur die Prinzipien des „UN Global Compact“ in unseren Lieferantenverträgen hinterlegt, sondern auch einen Verhaltenskodex für Zulieferer eingeführt, den „Supplier Code of Conduct“. Dieser erläutert das Engagement für ethisches und verantwortungsvolles Handeln und die damit verbundenen Verpflichtungen, die der Hersteller seinen Zulieferern auferlegt. Wir haben übrigens gerade auf der Cebit unseren ersten „Responsible Business Report“ für Deutschland vorgestellt – darin kann man nachlesen, dass diese Themen für uns überaus wichtig sind, und wir uns tagtäglich intensiv mit den einzelnen Aspekten auseinandersetzen.

Stichwort: Umweltbewusster Umgang mit Ressourcen – inwieweit besitzen Sie die Transparenz über die Herkunft sämtlicher in Ihren Produkten verbauten Rohstoffe?
Schneevoigt:
Dies ist sicherlich eine große Herausforderung, denn in unsere Produkte fließen eine große Anzahl unterschiedlicher Rohstoffe bzw. zugelieferter Teile ein. Dennoch bemühen wir uns intensiv, gerade auf diesem Gebiet, um höchstmögliche Transparenz: Die ökologische Nachhaltigkeit bzw. das Thema Umweltschutz haben wir zur höchsten Priorität erklärt. Die „Fujitsu Green Procurement Policy“ beinhaltet die Verpflichtung zu einem umweltfreundlichen Beschaffungswesen über die gesamte Lieferkette hinweg bis hin zu den Geschäftspartnern. Bei der Auswahl neuer Zulieferer prüfen wir unter anderem Umweltzertifikate und den Umgang mit Ressourcen – und bestehende Zulieferer werden regelmäßigen Prüfungen unterzogen.

Wie sorgen Sie dafür, dass der Abbau dieser Rohstoffe sowohl sozial verträglich als auch ökologisch korrekt abläuft?
Schneevoigt:
Für uns ist der verantwortungsvolle Umgang mit Konfliktmineralien eine wichtige Aufgabe im Rahmen der CSR-Aktivitäten. Für uns ist es wichtig, dass wir nicht nur die bestehenden Gesetze befolgen, sondern dass wir eng mit unseren Zulieferern zusammenarbeiten, um die Transparenz der Lieferkette zu verbessern, und um ein verantwortungsvolles Beschaffungsmanagement für sämtliche Materialien, die in unsere Produkte einfließen, zu gewährleisten.  

Welche Kontrollen werden in diesem Zusammenhang durchgeführt?
Schneevoigt:
Unsere Lieferkette besteht aus mehreren Ebenen und Unternehmen und ist sehr komplex. Es ist deshalb ein langwieriger Prozess, ein verlässliches System einzurichten, mit dem wir die Einhaltung unserer Standards nachverfolgen und sicherstellen können. Wir haben allerdings von einigen unserer Zulieferer bereits die Rückmeldung bekommen, dass in ihren Produktteilen keine konfliktträchtigen Mineralien verbaut werden. Mit unserer Due Diligence werden wir unsere Kunden und Shareholder über diese Themen fortlaufend unterrichten; darüber hinaus haben wir unabhängige, externe Audits bei den Lieferanten vor Ort eingeführt.

Ein Blick auf Forschung & Entwicklung: Welche Anstrengungen unternehmen Sie hier speziell für die Umweltverträglichkeit ihrer mobilen Produkte?
Schneevoigt:
Forschung und Entwicklung genießen bei uns einen hohen Stellenwert. Weltweit investiert das Unternehmen rund zwei Milliarden US-Dollar jährlich und besitzt über 100.000 Patente. Neben unseren Laboratorien in Japan ist Deutschland der zweitgrößte Standort für Forschung und Entwicklung.

Schon bei der Entwicklung neuer Produkte achten wir auf die spätere Wiederverwertung und die Anforderungen an das Recycling. Die Entwickler arbeiten eng mit ihren Kollegen im Recyclingcenter in Paderborn zusammen und lassen von ihnen ihre neu entwickelten Prototypen bewerten. Die Recycling-Verantwortlichen beraten die Entwicklungsbereiche hinsichtlich der  Wiederverwertbarkeit und der zu erwartenden Recyclingkosten sowie dahingehend, wie sie ihre Produkte weiter verbessern können. Auf diese Weise ist es uns gelungen, beim Recycling einen Wiederverwertungsanteil von über 99 Prozent zu erzielen.

Wir leisten in Paderborn somit einen wertvollen Beitrag zum nachhaltigen Umgang mit wertvollen Rohstoffen (Gold, Silber, Palladium, seltene Erden, Eisen- und Nichteisenmetalle) sowie zur Vermeidung und – falls dies nicht komplett möglich ist – sicheren Entsorgung gefährlicher Schad- und Gefahrstoffe wie Quecksilber, Blei, Dioxine und Furane. Bei der Entsorgung von nicht mehr weiterverwendbaren Bauteilen und Stoffen arbeiten wir mit zwanzig zertifizierten Entsorgungsfachbetrieben zusammen. Dabei wählen wir bevorzugt Partnerunternehmen aus der Region, um Transportwege auf ein Minimum zu reduzieren.

Heute bieten wir eine breite Palette an mit Umweltzertifikaten ausgestatteten Produkten an, darunter die in Deutschland entwickelten Esprimo-PCs und Celsius-Workstations. Diese wurden von unabhängiger Stelle getestet und tragen Ökolabel wie den Blauen Engel, Epeat und den Energy Star. Auch die Primergy-Server sind dafür ausgelegt, Standards zu erfüllen, darunter die strikten Energy Star oder CSCI-Standards.

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