Navi-Nutzer und ihre Bedürfnisse

Harte Tests für Zweirad-Navis

Die Navigationsgeräte-Hersteller sind sich einig: Trotz der Smartphone-Invasion und stetigen Zunahme entsprechender Navi-Apps werden die klassischen Navigationssysteme nach wie vor bevorzugt. Allerdings gibt es unterschiedliche Nutzergruppen, die verschiedene Ansprüche an die mobilen Devices stellen.

Motorrad-Navi

Für portable Navis gibt es drei großer Nutzergruppen. Neben Pkw-/Lkw- sowie Radfahrern legen besonders Motorradfahrer wert auf landschaftlich schöne Strecken.

Portable Navigationsgeräte bestehen schon seit Jahren im Markt gegenüber Apps oder anderen Lösungen – das soll sich in Zukunft nicht ändern. Im letzten Jahr hätten sich die Absatzzahlen für portable Navigationsgeräte stabilisiert und sogar gesteigert, weiß Luca Tammaccaro, Vice President DACH, Italien und Südosteuropa bei Tomtom, zu berichten.

„2015 wurden mehr klassische Navis verkauft als im Jahr zuvor“, bestätigt Berna Celik-Rymdzionek, Category Manager Automotive DACH bei Ga rmin. Hintergrund sei, dass gerade Vielfahrer den Komfort des immer einsatzbereiten Personal Navigation Device (PND) dem Smartphone vorziehen würden. Denn gerade in puncto Bedienbarkeit, Display-Größe, Akkukapazität, Ausstattung und Montage hat dieses Vorteile gegenüber Smartphone und Co. Außerdem wird durch den Einsatz von mobilen Navis im Gegensatz zum Navigieren mit Smartphones kein Internet-Datenvolumen verbraucht. Und Telefongespräche können während der Fahrt über die Freisprecheinrichtung des Mobiltelefons angenommen werden, ohne dass die Kartenansicht der Navigation ausgeblendet wird. „Daher erwarten wir auch für 2016 einen stabilen PND-Markt, der durch innovative Funktionen im Bereich ‚Fahrerassistenzsysteme’ getrieben sein wird“, so Celik-Rymdzionek.

Verschiedene Bedürfnisse

Für portable Navis gibt es drei große Nutzergruppen: Pkw-/Lkw-, Motorrad- sowie Radfahrer. Deren Bedürfnisse an die Geräte unterscheiden sich in verschiedenen Punkten. Autofahrer legen Wert auf eine möglichst schnelle und sichere Ankunft am Zielort. „Ob sie über die Autobahn oder Landstraße geführt werden“, so Tammaccaro, „spielt dabei nur eine untergeordnete Rolle.“ Sie vertrauen vor allem auf eine klassische Navigation, die eine komfortable Bedienung über Spracheingabe, Echtzeitverkehrsinformationen via Digital Audio Broadcasting (DAB) oder mittels Live-Diensten sowie lebenslange Karten-Updates ermöglicht. „Für ihre Sicherheit sorgen spezielle Features wie eine integrierte Kamera, Kollisionswarner und Spurenhalteassistenz“, weiß Celik-Rymdzionek. Für Truck-Fahrer sind zudem spezifische Informationen etwa zur Straßenbreite oder zu Brückenhöhen interessant.

„Motorradfahrer bevorzugen hingegen landschaftlich schöne Strecken oder kurvige und bergige Routen“, ergänzt Tammaccaro. Zeit sei für sie nicht die wichtigste Richtgröße. Das Navi – nicht zu groß und nicht zu schwer – muss allerdings stabil am Motorrad befestigt werden können, wobei der Stromanschluss und die Kommunikation über die Helmsprechanlage problemlos funktionieren sollten. Ständig den Wetterbedingungen ausgesetzt, sind für Motorrad- und Radfahrer zugleich ein robustes und wasserdichtes Gehäuse sowie die Bedienung per Handschuh notwendig. Außerdem sollte die Routenplanungsfunktion sowohl am Gerät als auch per Software am PC bedienbar sein, „um diverse Routenoptionen u.a. bei kurvenreichen Straßen zu ermitteln“, bemerkt Celik-Rymdzionek. Interessant seien auch Zusatz-Features wie die Ermittlung von Leistungsdaten etwa für Rennradfahrer oder Mountainbiker.

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Aufgrund dieser unterschiedlichen Bedürfnisse der Nutzergruppen basieren etwa Pkw-Navis auf einer grundlegend anderen Software als Produkte für den Zweiradbereich. „Unterschiede gibt es z.B. beim Routing, bei der Display-Ansicht und bei der Auswahl verschiedener Fahrprofile“, erklärt Wolfgang Stock, Geschäftsführer der Baros GmbH. „Unsere Motorrad- und Fahrrad-Navis sind hingegen gar nicht so weit voneinander entfernt.“ Sie verfügen beispielsweise jeweils noch über die Möglichkeit, gefahrene Routen zu exportieren, um sie mit anderen Fahrern zu teilen.

Gegen alle Umwelteinflüsse gewappnet

Da Zweiradfahrer unterwegs kein „Dach über dem Kopf“ haben wie Autofahrer, müssen ihre Navis wie erwähnt sämtlichen Umwelteinflüssen wie Regenschauern, Schnee, Schlammspritzern, aufgewirbelten Staubwolken sowie Hitzeeinstrahlungen durch die Sonne trotzen. Auch wenn etwa beim Tanken Benzin oder Diesel an den Handschuh des Fahrers und letztlich aufs Navi-Display gelangt, darf es keine Probleme geben. Aus diesem Grund werden jene Navis nochmals besonderen Tests unterzogen, ehe sie in Produktion gehen. Dazu gehören etwa Falltests auf Betonboden, Schocktests, Vibrationstests, um reale Straßenbegebenheiten zu simulieren, sowie Temperaturtests, bei denen die Geräte in eine Kälte- und Hitzekammer kommen. Auch die Abdichtung gegen Wasser wird überprüft. Ein zusätzlicher Schwerpunkt liegt „auf der Verlässlichkeit der jeweiligen Halterung“, fügt Wolfgang Stock an. „Diese muss auch in unwegsamem Gelände funktionieren und sich trotzdem leicht montieren und später wieder demontieren lassen.“

Dem Design portabler Navigationsgeräte schreiben die Hersteller unterschiedliche Bedeutungen zu. Bei Pkw-Navis legen Endkunden vor allem Wert auf ein schlichtes Design, das sich gut in das Fahrzeug-Cockpit einfügt, meint Luca Tammaccaro. Bei Geräten für Motorradfahrer sei eher eine Mischung aus klassischem Design in Kombination mit robusten Aluminiumapplikationen gefragt. Auch bei Rad-Computern soll das Design wichtig sein, „denn niemand kauft sich ein Rad für mehrere Tausend Euro, um es dann mit einem optisch nicht ansprechenden Gerät am Lenker abzuwerten“, meint Celik-Rymdzionek. Wichtig sei auch ein guter Mittelweg hinsichtlich Größe und Gewicht. Sicherlich müsse in erster Linie die Ablesbarkeit der Daten vom Display gewährleistet sein, dennoch würden Radsportler besonders auf jedes Gramm Zusatzgewicht achten.

Nach Erfahrung von Baros-Geschäftsführer Wolfang Stock spielt das Design der Geräte hingegen eher eine untergeordnete Rolle. „Viel wichtiger sind ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis, die Display-Qualität, Akkukapazität sowie Aktualität des Kartenmaterials. Das hat uns beispielsweise dazu bewogen, lebenslanges Updating (LMU) bei vielen Geräten preislich zu inkludieren.“ „Stand der Technik“ seien außerdem Bluetooth-Fähigkeit, die Anschlussmöglichkeit für eine Rückfahrkamera, Stauumfahrung (TMC), ein Fahrspur- und Geschwindigkeitsassistent sowie die Option der Straßenansage (Text to Speech). Nicht zuletzt werden sich vor allem Vielfahrer über neue Dashcam-Lösungen freuen. Hierbei nimmt eine eingebaute Kamera das Verkehrsgeschehen durch die Windschutzscheibe auf und speichert die Daten automatisch im Fall einer Erschütterung. Die Videoaufzeichnungen können beispielsweise zur Klärung von Unfallhergängen herangezogen werden.


Bildquelle: Tomtom

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