Navigation im Internet

Hat die klassische URL ausgedient?

Das US-Magazin „Wired” berichtet, dass Google nach alternativen Konzepten für die URL sucht. Eine gute Idee? Unbedingt.

Adresszeile im Browser

Der URL-Standard wird 25 Jahre alt. Zeit für ein Umdenken?

Die URL, umgangssprachlich auch einfach als Internetadresse bezeichnet, ist ein derart bewährtes Konzept, dass kaum noch jemand aktiv darüber nachdenkt. Umso abstrakter scheint für viele die Vorstellung zu sein, auf anderen Wegen durch das Internet zu navigieren. Genau darüber sollen derzeit Entwickler bei Google nachdenken, wie „Wired” berichtet. Das Team hinter dem hauseigenen Chrome-Browser soll demnach glauben, dass das einst so einfache Konzept unsicher und impraktikabel geworden sei. Tatsächlich zeigt das System große Schwachstellen. Laut einer Studie des Sicherheitsanbieters Webroot sollen alleine im ersten Halbjahr 2017 rund 1,4 Millionen gefälschte Pishing-Webseiten online gegangen sein. Seiten, die in der Regel täuschend echt aussehen und Nutzer durch verschiedene Eingabemöglichkeiten dazu bringen sollen, empfindliche Daten preiszugeben. Selbst für normale Nutzer sind solche Seiten oft nur schwer zu erkennen. Ungeübte Menschen bemerken den Betrug dementsprechend oft gar nicht – auch, weil das derzeitige URL-System viele Tricksereien zulässt. 

Chrome steht wie viele Anwendungen von Google zwar immer wieder für das exzessive Sammeln von Daten in der Kritik, gibt sich bezüglich der Sicherheit beim Surfen aber auch gerne kompromisslos. So wurde erst im vergangenen Monat dazu übergegangen, nicht per HTTPS-Protokoll verschlüsselte Seiten für Nutzer konsequent als „unsicher” auszugeben. Überhaupt sei das Team hinter Chrome der Meinung, dass die URL schlichtweg kein gutes Mittel mehr ist, um die Identität einer Webseite zu bestätigen. Die Vorstellung, gänzlich ohne durch das Web zu navigieren, ist und bleibt dabei allerdings ziemlich abenteuerlich – selbst, wenn man sich die eigentliche Funktion noch einmal vergegenwärtigt. Denn letztendlich ist die URL nichts anderes als eine Übersetzung, die bei der Eingabe in den Browser von DNS-Servern zurück in ein für Maschinen lesbares Format (IP-Adresse) übersetzt wird. Heißt: Ohne Übersetzung wird es für den Nutzer ziemlich kryptisch.

Behelfslösungen polarisieren

Wie schwierig die grundlegende Fragestellung eigentlich ist, wird auch deutlich, wenn die Entwickler von Google nicht einmal grobe Beispiele für mögliche Alternativen nennen wollen (oder können). Selbst innerhalb des Teams sei man sich nicht einig, heißt es lediglich. Fakt sei nur, dass etwaige Lösungen definitiv polarisieren werden, ganz egal, wie sie auch aussehen werden. Daran dürfte etwas dran sein, ist es doch nicht das erste Mal, dass sich Google an dem Thema die Finger verbrennt. Bereits 2014 wurde mit dem Origin Chip ein Ansatz vorgestellt, der den Umgang mit URLs grundlegend vereinfachen sollte. Das Konzept sah vor, dass Nutzer nur noch die Basis-URL einer Seite angezeigt bekommen und so nicht durch kryptisch Linkinformationen verwirrt oder gar auf falsche Fährten geführt werden können. Das Feature kam nicht gut an und wurde letztendlich gekippt.

Nutzer von Apples Safari-Browser scheinen sich daran derweil weniger zu stören, ist diese Praxis dort doch bereits seit einiger Zeit an der Tagesordnung. Von einer Alternative zur URL kann allerdings auch hier nicht gesprochen werden, da schwer lesbare Teile der URL ebenfalls nur ausgeblendet und über einen Klick in die Adresszeile wieder angezeigt werden. Nur: So schwammig die Alternativen derzeit auch anmuten mögen, ist eine Diskussion über den fast 25 Jahre alten Standard  längst überfällig. Nicht nur, aufgrund der Eingangs genannten Sicherheitsprobleme, sondern auch aufgrund der zunehmenden Unübersichtlichkeit. Kürzungsdienste wie Bit.ly tragen dazu ebenso bei wie uneinheitliche Standards. Das System ächzt unter der Last der eigenen Historie. Höchste Zeit, sich zumindest mit dem Thema auseinanderzusetzen.

Bildquelle: Thinkstock/iStock

©2018Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH

Unsere Website verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung zu. Weitere Infos finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

ok