Consumer Robotics

Heimroboter werden zu Haustieren

Noch dominieren Staubsauger-Roboter den Markt. Bald folgen Roboter in den Bereichen Bildung, Haushalt und Spielzeug – als elektromechanisches Haustier.

Roboterkatze jagt Robotermaus

Roboterkatze mit Robotermaus - der Roboter als Haustieren

Roboter für Privatleute sind in der Mehrzahl flach, rundlich und machen den Boden sauber. Im Jahr 2016 waren weltweit etwa 20 Prozent der verkauften Staubsauger automatisch arbeitende Roboter, ein Jahr später bereits 23 Prozent. Ähnlich weit verbreitet sind Mähroboter und Roboter für die Schwimmbadreinigung. Reinigungsroboter haben in den letzten 20 Jahren den Markt dominiert, doch langsam verlagert sich der Bereich der „Konsumentenroboter“ auf persönliche Assistenten oder robotische Spielzeuge.

Ein gutes Beispiel ist Domgy von Roobo, der wie ein Haustier agiert. Diese Geräte kommen aus Asien und gehören zu einer neuen Generation vernetzter Spielzeuge, die sich ähnlich wie Tiere verhalten und Kinder aktiv zum Spielen auffordern. Hier ist der asiatische Markt der Vorreiter, in anderen Teilen der Welt schlägt solchen Geräten eher eine gewisse Skepsis entgegen.

Der Heimrobotikmarkt wächst langsam

Nach Ansicht vieler Experten steht der Bereich der Heimroboter kurz vor einem starken Boom. Die Analysten von CBInsights haben sich die einzelnen Investitionen im Robotik-Markt einmal etwas genauer angeschaut. Das meiste Geld fließt in die Industrierobotik, doch Konsumentenroboter folgen gleich auf Platz zwei, noch vor den Medizinrobotern. Insgesamt sind seit 2012 über eine Milliarde US-Dollar in diesem Teilbereich der Robotik geflossen.

Der Markt ist noch entwicklungsfähig, denn 2016 wurden weltweit nur für etwa 3,8 Milliarden Dollar Konsumentenroboter verkauft, ein großer Teil davon Reinigungshilfen. Zum Vergleich: Allein in Deutschland wurden 2016 Haushaltsgeräte im Wert von gut 14 Milliarden Euro verkauft. In diesem Jahr soll der Heimrobotikmarkt auf gut 6,4 Milliarden Dollar wachsen und die Analysten von Juniper Research erwarten, dass im Jahr 2022 etwa 23 Milliarden Dollar weltweiter Umsatz gemacht werden.

Die größten Erwartungen gibt es an die drei Bereiche Bildung, Haushalt und Roboterspielzeug. Hier gehen verschiedene Analysten von dem größten Umsatzpotenzial aus. Das meiste Wachstum wird im Bildungsbereich erwartet, nicht vom schwierigen Markt der Haushaltshilfen. Denn bisher sind „zupackende“ Roboter, die Spülmaschinen ausräumen, Möbel verrücken oder Wäsche in Schränke einräumen noch Science-Fiction. Doch Unterstützung bei den Hausaufgaben oder Hilfe beim Lernen durch Roboter ist dagegen bereits heute möglich -  dank der Vernetzung der Geräte mit Cloud und Internet, die alle wichtigen Informationen anbietet.

Dieser Bereich der Robotik ist allerdings nur schwer von anderen Geräten zu trennen. Auf der einen Seite gibt es vernetzte KI-Assistenten wie Alexa, die Wissensfragen beantworten und damit grundsätzlich zum Abfragen von Vokabeln geeignet sind - es muss nur jemand den passenden Skill programmieren. Auf der anderen Seite gibt es dann die herkömmlichen Mobilgeräte wie Tablets, die mit Apps für selbstständiges Lernen eine Vielzahl an Szenarios im Bildungsbereich erfüllen kann.

Voraussetzungen für Boom fehlen noch

Die Vorstellung von Lernrobotern geht dagegen weiter: Sie rufen die Kinder zum Lernen herbei und können sie motivieren, stehen in Pausenphasen als Spielkamerad zur Verfügung und erlauben durch interaktive Intelligenz den Umgang mit herkömmlichen Lernmaterialien, da sie den Kindern beispielsweise über die Schulter gucken können. Doch das ist ebenfalls noch Science-Fiction, denn bisher sind die meisten Roboter für Kinder eher rollende Sprachassistenten, die lustige Bewegungen machen können.

Bis die Roboter tatsächlich in unsere Häuser und Wohnungen kommen, sind noch eine Vielzahl an Voraussetzungen zu erledigen. Die KI-Spezialisten des Marktforschungsunternehmens Tractica weisen in einer Studie darauf hin, dass der Markt der Konsumentenroboter sich erst dann stark entwickeln wird, wenn eine Reihe von Voraussetzungen geschaffen sind. Zunächst einmal müssen die bisher vorhandenen Haushaltsroboter mit besseren und mehr Sensoren ausgestattet werden, um intelligenter agieren zu können.

Zudem ist ein übergreifendes, einheitliches Ecosystem für das Smart Home erforderlich. Wenn jeder Hersteller sein eigenes Süppchen kocht, wird die Marktfragmentierung auf niedrigem Niveau bestehen bleiben. Außerdem ermahnt die Studie die Hersteller, nicht zu stark auf Marketingbegriffe wie „smart“ oder „intelligent“ zu setzen. Die meisten Kunden haben an Geräte mit dieser Etikettierung hohe Erwartungen, die im Moment oft enttäuscht werden. Aber ein frustrierter Kunde ist ein Ex-Kunde.

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