Mobile-Arbeit-Gesetz

Hoffentlich kein Bürokratiemonster

Die Corona-Pandemie hat viele Arbeitnehmer ins Homeoffice „getrieben“ und schnell stellte sich heraus, dass auch von dort aus produktives Arbeiten möglich ist. Zukünftig soll es hierzu gar eine gesetzliche Regelung geben.

Monster am Meer

Es bleibt zu hoffen, dass sich das „Mobile-Arbeit-Gesetz“ nicht – wie einige bereits befürchten – als Bürokratiemonster entpuppt.

So hat das Bundesministerium für Arbeit und Soziales eine Gesetzesinitiative für die gesetzliche Regelung der mobilen Arbeit gestartet, wobei sich der Gesetzesentwurf des BMAS derzeit in der „Frühkoordination“ befindet. Es ist also noch gar nicht klar, ob der Entwurf in letzter Instanz tatsächlich zum Gesetz wird. Laut Medienberichten strebt Bundesarbeitsminister Hubertus Heil immerhin einen Rechtsanspruch auf 24 Tage Homeoffice im Jahr für Arbeitnehmer an.

Bislang ist es so, dass Arbeitnehmer in Deutschland zwar jederzeit mit dem Wunsch nach mobiler Arbeit an ihren Arbeitgeber herantreten können. Dieser ist jedoch nicht dazu verpflichtet, auf jenen Wunsch einzugehen, und kann ihn formlos ablehnen – ohne jegliche Begründung oder Einhaltung von Fristen. Natürlich gibt es in Deutschland schon zahlreiche Firmen, die ihren Mitarbeitern die Arbeit im Homeoffice erlauben, doch im Vergleich zu anderen europäischen Ländern herrscht hierzulande noch eine starke Präsenzpflicht am Arbeitsplatz.

Die aktuelle Pandemie zeigt allerdings, wie schnell mobile Arbeit zum Alltag werden und das Leben einfacher machen kann. Die Mehrheit der deutschen Angestellten wünschte sich schon vor dem Lockdown die Möglichkeit zum Homeoffice. Laut einer im März veröffentlichten BVDW-Studie erwarten 66,1 Prozent der Angestellten von ihrem Arbeitgeber, entsprechende digitale Lösungen anzubieten. Die Mehrheit der Arbeitgeber sei dazu auch in der Lage, heißt es.

Wichtig ist jedoch, dass Regeln des Arbeitsschutzes bei mobiler Arbeit bzw. im Homeoffice genauso gelten wie im Büro. Das betrifft z.B. auch Fragen der Erreichbarkeit, also Arbeits- und Ruhezeiten. Und sollte während der (mobilen) Arbeit ein Unfall passieren, so ist dies schon heute auch im Homeoffice ein Arbeitsunfall. Noch bestehende Versicherungslücken müssen unbedingt geschlossen werden. BVDW-Vizepräsidentin Anna Kaiser hält daher „ein klärendes Gesetz mit Rechtssicherheit für Arbeitgeber und Arbeitnehmer“ für dringend nötig.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 09-10/2020. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

Laut den Plänen von Hubertus Heil sollen Arbeitnehmer dort, wo es organisatorisch möglich ist, eine Chance zu mobilem Arbeiten erhalten – nicht jedoch grundsätzlich. Kaiser kann die Einschränkungen nachvollziehen: „Längst nicht jeder Job lässt sich mobil verrichten.“ Aber die Corona-Krise habe gezeigt, wo mobiles Arbeiten bereits möglich und nötig sei und wie wichtig es auch sei, die Möglichkeiten der Digitalen Transformation zu nutzen. Bleibt also zu hoffen, dass das „Mobile-Arbeit-Gesetz“ schnell Gestalt annimmt und sich nicht – wie einige bereits befürchten – als Bürokratiemonster entpuppt, dessen Umsetzung sich noch monatelang dahinzieht.

Bildquelle: Getty Images / iStock / Getty Images Plus

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