Kein Konkurrenzverhältnis

Home Office als zusätzlicher Nutzen

Laut Oliver Blüher, Deutschland-Chef von Slack, ist es wichtig, Heimarbeit und die Arbeit im Büro nicht in ein Konkurrenzverhältnis zu setzen. Vielmehr sollte Home Office als zusätzlicher Nutzen für das Tagesgeschäft verstanden werden.

Oliver Blüher, Deutschland-Chef von Slack

„Grundsätzlich gibt es kaum Unterschiede bezüglich der technischen Herausforderungen zwischen der Arbeit von zu Hause und im Büro“, meint Oliver Blüher von Slack.

MOB: Herr Blüher, welchen Einfluss übt die Corona-Krise derzeit auf die Digitalisierung in Deutschland aus?
Oliver Blüher:
Aufgrund der aktuellen Situation rücken Themen wie flexibles Arbeiten und Home Office immer mehr in den Fokus der Öffentlichkeit. Einige Regelungen und Arbeitsmethoden werden daher in Frage gestellt und gewisse Prozesse beschleunigt. Aber auch im normalen Arbeitsalltag müssen wir das Thema „Digitalisierung“ stärker diskutieren. Viele Arbeitsprozesse können wesentlich erleichtert und verbessert werden, wenn man die richtigen Tools dafür verwendet. Die grundlegende Herausforderung für alle Unternehmen und Organisationen ist, Koordination zu schaffen und diese dauerhaft aufrechtzuerhalten. Die richtige Channel-basierte Messaging-Plattform kann dabei helfen, eine bessere Lösung für Koordination und Kommunikation zu finden. Ein solches Tool kann von jedem und von überall aus genutzt werden. So werden Informationssilos aufgebrochen, es gibt einen permanenten Austausch von Wissen und die Koordinierung von Ressourcen und Teams wird deutlich einfacher.

MOB: Da die Unsicherheit wächst, fragen sich immer mehr Angestellte, ab wann sie eigentlich zu Hause bleiben und remote arbeiten dürfen. Inwieweit haben Deutschlands Arbeitgeber das Thema „Modern Workspace“ bereits auf der Agenda oder gar „Home Offices“ konkret in Angriff genommen?
Blüher:
Meiner Meinung nach hat ein Umdenken bereits stattgefunden, was auch dringend notwendig war. Digitalisierung ist nicht mehr wegzudenken – Trends wie BYOD und mobile Arbeitsplätze gehören dazu. Dennoch gibt es in deutschen Unternehmen immer noch einen gewissen Hang zur Präsenz der Mitarbeiter im Büro und den damit verbundenen Hang zum Mikromanagement. Wie auch bei anderen Aspekten der Themen „Modern Workplace“ und „New Work“ sind viele Arbeitgeber verunsichert und wissen nicht, wie sie damit umgehen sollen. Darüber hinaus wird der Ruf nach einer Arbeitsweise, die moderner und zeitgemäßer ist, immer lauter. Ein immer größerer Anteil der Belegschaft besteht inzwischen aus Digital Natives, die besonderen Wert auf einen flexiblen, effizienten und transparenten Arbeitsplatz legen. Die digitale Entwicklung ist also mittlerweile unumgänglich bzw. zwingend notwendig. Zusätzlich sind laut Umfragen für Millenials Vertrauen und Transparenz am Arbeitsplatz äußerst wichtig. Statt stundenlangem Warten auf die Beantwortung ihrer E-Mails fordern sie Flexibilität und eine übersichtlichere Arbeitsweise. Wer also im „War for Talents“ überleben will, täte gut daran, sich als Unternehmen spätestens jetzt entsprechend zu positionieren.

MOB: Was sind/waren für die Arbeitgeber bisherige Bremsfaktoren, ihre Angestellten zuhause arbeiten zu lassen?
Blüher:
Für Arbeitgeber und Führungskräfte kann es schwierig sein, ihren Mitarbeitern eine selbstständige und flexible Arbeitsweise zu erlauben. Teilweise sind Unternehmen auch noch nicht auf einem Stand, der Home Office technisch zulässt, und haben vielleicht Angst vor hohen Kosten für die digitale Nachrüstung. Tatsächlich gibt es aber inzwischen Möglichkeiten, jedem Mitarbeiter die Arbeit von zu Hause aus ohne großen finanziellen Aufwand zu ermöglichen und gleichzeitig die allgemeine Zusammenarbeit effizienter zu gestalten. Darüber hinaus befürchten Arbeitnehmer vielleicht auch, dass die Abstimmung zwischen ihren Teams nicht funktioniert, wenn alles digital vonstatten geht. Unternehmen sollten ihre unbegründeten Vorurteile gegenüber dem Arbeiten von zuhause aber schnellstmöglich ablegen und sich auf die komplexen und volatilen Marktbedingungen einstellen. Andernfalls werden sie früher oder später Probleme haben, sich als erfolgreiche und attraktive Arbeitgeber zu positionieren.

MOB: Worin bestehen die konkreten Vorteile von Home-Office-Arbeit für das Tagesgeschäft?
Blüher:
Ich denke, es ist wichtig, Heimarbeit und die Arbeit im Büro nicht in ein Konkurrenzverhältnis zu setzen. Vielmehr sollte Home Office als zusätzlicher Nutzen für das Tagesgeschäft verstanden werden. Arbeitnehmer können flexibel von zuhause aus arbeiten, wenn sie beispielsweise einen privaten Termin haben oder ein Streik die öffentlichen Verkehrsmittel lahmlegt – Arbeitgeber können sich auf die Arbeitskraft ihrer Angestellten verlassen, selbst wenn die Anwesenheit im Büro durch äußere Umstände verhindert wird. Zusätzlich ist der Arbeitsweg ein hoher Zeit- und Kostenfaktor für die Arbeitnehmer, welcher an Tagen mit Home Office wegfällt. Durch den Einsatz von Channel-basierten Messaging-Plattformen ist das „Wo“ für den Arbeitsalltag mittlerweile kein relevanter Faktor mehr. Alle Teammitglieder können von überall auf sämtliche Informationen zugreifen und sich jederzeit abstimmen. Geschäftsprozesse laufen so beständig weiter und werden sogar deutlich erleichtert und verbessert. Als Organisation und Team gilt es dann nur noch die richtigen Abläufe zu definieren, um die Abstimmung und das Zusammenarbeiten so effizient wie möglich zu gestalten.

MOB: Mit welchem Aufwand ist die Umsetzung eines modernen Home-Office-Arbeitsplatzes verbunden?
Blüher:
Pauschal lässt sich das nicht beantworten. Wer ein Channel-basiertes Messaging-Tool nutzt, in das die meisten gängigen Arbeitsprogramme nahtlos integriert werden können, dem reichen schon ein Laptop und eine stabile Internetverbindung für einen funktionierenden Arbeitsplatz in den eigenen vier Wänden. Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass das Umrüsten auf Remote-Arbeiten einiges an Motivation und positiver Stimmung bringt: Wenn Chefs ihre Mitarbeiter dazu auffordern, selbstständig organisiert zu arbeiten, wird ihnen ein Maximum an Wertschätzung entgegengebracht. Das ist toll und bringt letzten Endes dem gesamten Unternehmen etwas.

MOB: Was sind häufige Stolpersteine bei der technischen Umsetzung?
Blüher:
Grundsätzlich gibt es kaum Unterschiede bezüglich der technischen Herausforderungen zwischen der Arbeit von zu Hause und im Büro. Die Nutzung vieler verschiedener Programme erhöht das Risiko von Missverständnissen und Informationsüberflutung. Das Hin- und Herspringen zwischen den zahlreichen Tools kostet einfach sehr viel Zeit, ist oftmals demotivierend und trägt in keiner Weise dazu bei, effizient zu arbeiten. Im Vergleich zu traditionellen Kommunikationsmitteln wie E-Mail oder Telefon haben Channel-basierte Messaging-Plattformen hier viele Vorteile. Während es leicht passieren kann, dass man keinen Zugang zu wichtigen Informationen hat, wenn man nur auf der falschen Mailingliste steht oder neu im Unternehmen ist, ermöglicht eine gemeinsame Plattform dagegen allen am Projekt beteiligten Mitarbeitern jederzeit den Zugriff auf alle Informationen. Für deutsche Nutzer ist zusätzlich das Thema „Datensicherheit“ besonders wichtig, vor allem wenn die Mitarbeiter von zu Hause oder unterwegs arbeiten.

MOB: Welche mobilen/digitalen Tools und Lösungen sind für einen Home-Office-Arbeitsplatz unabdingbar?
Blüher:
Natürlich gibt es eine Vielzahl von Lösungen, die das Remote-Arbeiten erleichtern, und oft werden Nutzer, die sich zum ersten Mal damit beschäftigen, von neuen Lösungen abgeschreckt – genau wie das bei der erstmaligen Nutzung von E-Mails der Fall war. Viel wichtiger sind für mich jedoch bestimmte Eigenschaften, die ein solches Tool haben sollte, um damit den Arbeitsalltag bestmöglich zu meistern. Intuitive Handhabung und eine gewisse Anpassungsfähigkeit sind extrem wichtig. Zudem werden im Arbeitsalltag oft viele verschiedene Tools und Programme genutzt. Unser Ansatz ist hier Integration. Mit einer Channel-basierten Messaging-Plattform wie Slack können verschiedene Apps wie Google Drive, Dropbox, Trello oder auch Salesforce und Hubspot integriert werden. Die Mitarbeiter haben alles an einem Ort, eine Art Kommandozentrale, um To-Dos abzuarbeiten und die Zusammenarbeit auf die nächste Ebene zu bringen.

MOB: Wie lässt sich die Kommunikation vom Büro bis zum Home Office und mit den Kunden absichern?
Blüher:
Der wichtigste Aspekt für eine effektive und zielführende Zusammenarbeit ist, dass Informationen möglichst ohne Umwege beim richtigen Adressaten ankommen. Dabei ist erst einmal nicht wichtig, ob man gerade vom Büro, von zuhause oder unterwegs arbeitet. Entscheidend ist, dass man den richtigen Kommunikationsweg wählt. Nutzt man beispielsweise eine Channel-basierte Messaging-Plattform, hat man die Möglichkeit, in sogenannten Shared-Channels über die Unternehmensgrenzen hinaus in einem einzigen Channel zu arbeiten. Konkret eröffnet das für Teams die Möglichkeit, sich mit Dritten auf eine kollaborative Weise zu vernetzen, und für Unternehmen die Chance, Probleme schneller zu lösen – manchmal sogar, bevor sie überhaupt entstehen. So wird immer der richtige Ansprechpartner erreicht, egal ob im Büro, Home Office oder beim Kunden. Zusätzlich können beispielsweise über die App-Integration von Zoom auch ad hoc Videokonferenzen aufgesetzt werden, um in Zeiten von global verstreuten Teams und auch Zeitzonen die Zusammenarbeit bestmöglich zu gewährleisten. Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die Geschäftskommunikation sich grundlegend ändert, weil es die Marktbedingungen schlichtweg verlangen.

MOB: Welche Home-Office-Regelung gibt es in Ihrem eigenen Unternehmen?
Blüher:
Als Head of Sales bei Slack Deutschland bin ich natürlich sehr viel unterwegs, d.h., ich arbeite oft in der Bahn, in Hotels oder eben von Zuhause aus. Mit Slack habe ich dabei keinerlei Nachteile gegenüber den Kollegen im Büro. Durch die übersichtliche Aufteilung habe ich innerhalb kürzester Zeit einen Überblick über alles Wichtige und muss mich nicht erst durch unzählige E-Mails wühlen, wenn ich mal aus einem längeren Meeting komme. Zusätzlich habe ich einen übersichtlichen Zugriff auf alle relevanten Dokumente. Und dabei spielt es keine Rolle, ob ich mich mit Kollegen oder Kunden austausche.

MOB: Wie schätzen Sie die zukünftige Entwicklung im Bereich „Modern Workspace“ ein?
Blüher:
Vor allem die neue Generation von Arbeitnehmern wird die Art und Weise, wie wir zusammenarbeiten, neu gestalten. Die E-Mail – momentan noch Standardmittel der Kommunikation – wird immer mehr von neuen, flexibleren Tools abgelöst werden. Unternehmen beginnen zu begreifen, dass sie über die Art und Weise, wie sie intern und extern kommunizieren möchten, frei entscheiden können. Der Austausch mit Kunden und Kollegen wird dadurch immer effizienter und agiler, was auch dringend notwendig ist. Ich denke, für Unternehmen wird es in Zukunft wichtig sein, sich mit den neuen Formen der Zusammenarbeit intensiv auseinanderzusetzen, um so ihr volles Potenzial auszuschöpfen.

Bildquelle: Slack

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