Öffentliches Wlan

„Honigtöpfe“ mit Vorsicht genießen

Öffentliche Wlan-Hotspots finden sich in Deutschland noch längst nicht an jeder Ecke – und ihre Nutzung ist stets mit einem gewissen Risiko verbunden, warnen die Experten. Hierbei geht es jedoch nicht nur um das Thema „Datensicherheit“.

Honigtopf und Wabe

Öffentliches und kostenloses Wlan ist für viele Nutzer eine Versuchung – doch die Folgen können zäh und klebrig sein.

Im internationalen Vergleich hinkt Deutschland bei der öffentlichen Vernetzung seit vielen Jahren hinterher. Zwar sei hier in großen öffentlichen Einrichtungen wie z.B. Fußballstadien und Flughäfen sowie bei kleineren Betreibern wie etwa Cafés freies Wlan schon Standard, meint Matthias Peter. Hinsichtlich der Wlan-Abdeckung gerade im kommunalen Bereich könne man Deutschland jedoch nach wie vor als Entwicklungsland bezeichnen. „Öffentlichen Krankenhäusern, Innenstädten und insbesondere unseren Schulen fehlt es immer noch an flächendeckendem und funktionsfähigem Wlan“, stellt der Geschäftsführer der Peter Communication Systems GmbH fest. Dass Deutschland Nachholbedarf hat, weiß auch Axel Simon von HPE Aruba. Hier sei aber nicht nur die Abdeckung durch öffentliche Wlans zu betrachten, sondern vor allem auch der Breitband- und Mobilfunkausbau, „da die Technologien ja in Abhängigkeit zueinander stehen und sich ergänzen“, betont der Chief Technologist.

So schließt Wlan etwa die zahlreichen Lücken in der Mobilfunkabdeckung, insbesondere dort, wo auch ein weiterer Netzausbau keine Verbesserung bringen wird. Laut Matthias Peter können beispielsweise Tiefgaragen, Ladengeschäfte und Bereiche mit hoher Besucherzahl nicht ohne weiteres über Mobilfunk versorgt werden. Den Mehrwert von Wlan sieht er darin, dass hierüber z.B. Dienste wie Location-based Services angeboten werden können, mit denen eine Indoor-Navigation etwa durch ein Klinikum möglich ist. Ferner könne der Zugang zu lokalen Angeboten gewährt werden. Als Beispiel nennt er den direkten Zugriff auf die Live-Berichterstattung mit hochauflösendem Videomaterial bei Sportereignissen.

„Ich persönlich freue mich beispielsweise sehr auf die neuen Möglichkeiten in großen Sportstadien, die sich durch WiFi 6 (neuer Wlan-Standard, Anm. d. Red.) ergeben“, bemerkt Massimo Mazzeo, Senior Director, Systems Engineering Europe bei Commscope, an dieser Stelle. So sollen bei Sport- und E-Sport-Events immer mehr Veranstalter auf die neuesten Technologien setzen und die Fans mittels moderner Augmented-Reality- (AR) und Virtual-Reality-Headsets (VR) mit Echtzeit- und statischen Daten versorgen. Durch VR-Technologie können Besuchergruppen wie Schulklassen beispielsweise einen Spieltag in der Arena virtuell erleben und dadurch auch in einem leeren Stadion das echte „Fan-Feeling“ mitnehmen. Nur aktuelle Wlan-Technologien wie WiFi 6 bieten laut Mazzeo Leistungsstufen, die die meisten Mobilfunknetze kurzfristig nicht erreichen können.

Einige Bremsfaktoren

Ein entscheidender Bremsfaktor für die Bereitstellung öffentlicher Wlan-Netze in Deutschland sind nach Einschätzung von Dirk Wende, Pressesprecher der Deutschen Telekom AG, die Kosten für den Aufbau und den Betrieb eines entsprechenden Netzwerks – und zwar je nach Größe, räumlicher und baulicher Gegebenheit. Die Störerhaftung sei hier kein abschreckender Faktor mehr, schließlich wurde sie im Sommer 2018 durch ein BGH-Urteil, das das seit 2017 geltende Telemediengesetz bestätigt, endgültig beerdigt. Somit sind Anbieter freier Wlans für Urheberrechtsverstöße Dritter nicht haftbar.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 11-12/2019. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo. 

Matthias Peter sieht gleich mehrere Faktoren, die sich nachteilig auf die Bereitstellung öffentlicher Wlan-Netze auswirken: Technischerseits komme regelmäßig Equipment zum Einsatz, das sich für diesen Zweck überhaupt nicht eigne. Und: „Auch ein Wlan benötigt einen Internetzugang“, weiß der Experte. „Bei Installationen im öffentlichen Bereich ist es für uns oft eine Herausforderung, einen ausreichend schnellen Internetzugang vor Ort zu erhalten, und wir müssen immer wieder z.B. über Richtfunk zunächst eine Anbindung herstellen.“ Oftmals werden auch die Kosten als Bremsfaktor vorgeschoben, meint er. Zu einer ordentlichen Wlan-Planung gehöre aber auch ein Konzept, wie die Investition refinanziert werden könne.

Der generelle finanzielle wie auch zeitliche und personelle Aufwand für die Realisierung eines öffentlichen Wlan-Spots für den jeweiligen Betreiber hängt dabei wesentlich von der abzudeckenden Fläche, der vorhandenen Bausubstanz und der zu erwartenden Nutzerzahl ab. Eine professionelle Funkmessung sollte im Vorfeld dazugehören. „Diese kostet zwar etwas Zeit, ist aber unverzichtbar, wenn das Wlan im Betrieb auch die daran gestellten Anforderungen erfüllen soll“, bemerkt Peter. Der personelle Aufwand im Betrieb lasse sich z.B. dadurch verringern, dass die Wlan-Infrastruktur „as a Service“ von einem professionellen Anbieter gemietet werde.

Von Datenspionage bis Gesundheitsrisiko

Die Nutzung eines öffentlichen Wlan-Hotspots – egal, ob im Café, in der Bücherei, innerhalb eines Ladenlokals oder auf dem Markplatz einer Ortschaft – birgt stets Gefahren, derer sich die Nutzer bewusst sein sollten. Denn in der Regel findet hier die Datenübertragung unverschlüsselt statt. „Weiterhin sind Geräte ohne aktive Firewall auch für andere Nutzer erreichbar“, warnt Matthias Peter, „und eine aktivierte Dateifreigabe wäre ein wahrscheinliches Angriffsziel.“ Axel Simon rät ebenfalls dazu, sogenannte „Honigtöpfe“, wie etwa ein Wlan mit dem Namen „kostenlosesFlughafenWLAN“ einer sein könnte, mit Vorsicht zu genießen: „Für die Nutzung mobiler Endgeräte in der Öffentlichkeit besteht die Gefahr, im Wlan ausspioniert zu werden.“ Daher sollten Nutzer stets Verschlüsselungsmechanismen wie z.B. VPNs oder mit SSL verschlüsselte Webseiten nutzen.

In der Öffentlichkeit besteht zudem stets die Gefahr, dass Gespräche gehört und Bildschirminhalte gesehen werden können, die eigentlich nicht für die Ohren und Augen Dritter bestimmt sind. Nicht zuletzt nützen die beste Verschlüsselung und Umsicht der Nutzer nichts, wenn sie allzu sorglos mit ihren Daten in den sozia-len Netzen umgehen.

Abgesehen von den Sicherheitsrisiken wollen immer neuere Studien die Gesundheitsgefahren, die von Mobilfunk- und eben auch Wlan-Strahlung ausgehen, untermauern. Im aktuellen „ElektrosmogReport“ (September 2019) werden etwa sechs Studien zur gesundheitsschädigenden Wirkung von Mobilfunk- und Wlan-Strahlung vorgestellt. Die Studien sollen mitunter Erbgutschäden, Hyperaktivität und krebszellähnliche Stoffwechselveränderungen nachweisen. „Die Bundesregierung muss diese alarmierenden Meldungen aus der Wissenschaft endlich ernst nehmen und nach dem Vorsorgeprinzip die Strahlenbelastung für alle Bürger massiv senken“, fordert Jörn Gutbier, Vorsitzender des Diagnose:funk e.V., einer Umwelt- und Verbraucherorganisation zum Schutz vor elektromagnetischer Strahlung.

An dieser Stelle hakt Axel Simon ein: „Zunächst einmal muss festgehalten werden, dass von Funktechnologien wie Wlan nicht zwangsläufig eine Gesundheitsgefahr ausgeht.“ Es müsse vor allem zwischen Mobilfunk und Wlan unterschieden werden, da beide Technologien gerne in einen Topf geworfen werden, so der Experte. Die Sendeleistung von Wlan sei aber um mindestens eine Größenordnung geringer als jene von Mobilfunk, was Endgeräte angehe, und im Vergleich würden Mobilfunkbasisstationen hoher Reichweite noch ungünstiger abschneiden. „Mit der durch die Regulierung vorgegebenen Beschränkung der Sendeleistung können mit Wlan die Grenzwerte für die spezifischen Absorptionsraten, die sogenannten SAR-Werte, nicht überschritten werden“, versichert der Chief Technologist von HPE Aruba. Und Dirk Wende von der Deutschen Telekom betont: „Mit unseren Diensten und Services halten wir sämtliche Grenzwerte ein und unterschreiten diese zum Teil deutlich.“ Dennoch könne sein Unternehmen die in Teilen der Bevölkerung vorherrschenden Sorgen verstehen und versuche, die Ängste durch intensiven Dialog mit den besorgten Bürgern zu lindern.

Komplementäre Technologien

Abschließend ist noch die Frage zu klären, welchen Einfluss der Aufbau des neuen 5G-Netzes zukünftig auf die Wlan-Infrastruktur ausüben wird. Massimo Mazzeo sieht dem Ganzen gelassen entgegen: „Bevor 5G-Technologien implementiert werden und eine Massenmarktdurchdringung erreichen, wird sich WiFi schneller und mit agileren Prozessen weiterentwickeln. Tatsächlich werden wir wahrscheinlich die Verfügbarkeit von 6 GHz und vielleicht sogar WiFi 7 sehen, bevor die 5G-Implementierungen massiv und global zunehmen.“ Auch Axel Simon hält 5G, auch wenn es derzeit als „Allheilmittel“ und „Hoffnungsträger“ gehandelt werde, in seiner Universalität der Anwendbarkeit für überschätzt. Es zeichne sich vielmehr ein Miteinander von WiFi 6 und 5G ab. Das bestätigt auch Dirk Wende: Wlan sei eine komplementäre Technologie. Letztlich ergänze sie – wie auch schon eingangs erwähnt – das bestehende Mobilfunknetz an Orten, die über den klassischen Mobilfunk nur schwer zu versorgen sind – z.B. das Basement eines Kaufhauses oder Kellerräume. Insofern werde Wlan auch in Zukunft eine Rolle spielen.

Bildquelle: Getty Images / iStock

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