Eingebautes 5G-Modem

Huawei stellt neue Smartphone-Chips vor

Um 5G-Mobilfunk empfangen zu können, brauchen Smartphones entsprechende Modem-Chips. Huawei hat auf der IFA einen Prozessor vorgestellt, bei dem dieser bereits integriert ist.

Die neuen drahtlosen Huawei-Ohrhörer FreeBuds 3

Die neuen drahtlosen Huawei-Ohrhörer Freebuds 3 lehnen sich äußerlich stark an die populären AirPods von Apple an. ((Foto: Andrej Sokolow))

Zudem präsentierte Huawei auch einen kleinen Chip für die Anbindung von tragbaren Geräten wie Ohrhörer oder Computer-Uhren. Auch Künstliche Intelligenz ist auf den Chip-Systemen direkt integriert. Das biete etwa App-Anbieter die Möglichkeit, neuartige Funktionen nahezu in Echtzeit berechnen zu lassen, sagte Huaweis Smartphone-Chef Richard Yu in Berlin. „Wir sind führend bei der mobilen Künstlichen Intelligenz.“

Beim Smartphone-Prozessor Kirin 990 sieht sich Huawei in einer führenden Position. Er sei schneller und effizienter als zum Beispiel Qualcomms Top-Modell Snapdragon 855, betonte Yu. Dazu trage unter anderem die Integration des 5G-Modems direkt ins Chipsystem bei. Bei den Huawei-Konkurrenten Samsung und Qualcomm sind der Hauptchip (CPU) und das Datenmodem noch in zwei Gehäusen untergebracht. Zudem sei der Chipset, der in Strukturbreiten von 7 Nanometern hergestellt ist, bis zu 36 Prozent kleiner.

Ein erstes Gerät mit dem kleineren Chip für Wearables sind die Bluetooth-Ohrhörer Freebuds 3, die sich äußerlich stärker an die populären Airpods von Apple anlehnen als Modelle anderer Anbieter.

Im Gegensatz zu den Airpods können die Huawei-Ohrhörer aber Umgebungsgeräusche herausfiltern. Von Apple erwarten Analysten die Funktion erst im kommenden Jahr. Huawei betont auch, dass die Bluetooth-Verbindung der FreeBuds einen deutlich höheren Datendurchsatz als Konkurrenz-Modelle - und damit auch eine bessere Soundqualität bei hochwertigen Musikdateien ermöglichen.

Huawei droht der Verlust des Zugangs zu westlicher Technologie, weil die US-Regierung den Konzern unter Verweis auf Sicherheitsbedenken auf eine schwarze Liste gesetzt hat. Damit dürfen US-Unternehmen nur mit einer speziellen Erlaubnis Geschäfte mit Huawei machen.

Bemerkenswert war vor diesem Hintergrund, dass Yu auf seiner Eröffnungsrede zum Start des ersten Publikumstages der IFA den Konflikt mit den USA mit keinem Wort erwähnte. Ein erstes Gerät, das Huawei in der Folge des Handelskriegs ohne Google-Apps wie Maps oder den Play Store herausbringen wird, will das Unternehmen am 18. September in München vorstellen.

Wann das „Mate 30“ auch in Deutschland verfügbar sein wird, stehe allerdings noch nicht fest, sagte Yu. Nutzer könnten den Playstore von Google allerdings selbst herunterladen. Von einem negativen Effekt auf das Geschäft in Europa gehe Huawei nicht aus. Im Zweifel träfen die Sanktionen Google mehr als Huawei. Das Unternehmen sei einer der größten Kunden des Internet-Konzerns.

Das erste faltbare Smartphone könnte laut Yu bereits im Oktober auf den Markt kommen. Rivale Samsung hatte die IFA dafür genutzt, sein „Galaxy Fold“ zu präsentieren. Das „Mate X“ von Huawei solle jedoch zunächst in China auf den Markt kommen, möglicherweise erst im nächsten Jahr in Europa, sagte Yu. Das Unternehmen erhofft sich im Heimatland mehr zahlungskräftige Kunden für das voraussichtlich deutlich über 2000 Euro teure Gerät.

Aber auch Firmen aus anderen Ländern, die Geschäft in den USA haben, könnten durch die Sanktionen gezwungen sein, nicht mehr an Huawei zu liefern. Dazu könnte auch der britische Chipentwickler ARM gehören, auf dessen Architektur die Chips in praktisch allen heutigen Smartphones basieren, auch die Kirin-Serie von Huawei.

dpa/pf

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