DRF Luftrettung: Vernetzte Hubschrauberflotte

Hubschrauberwartung per M2M

Manchmal zählt jede Sekunde, bis ein Hubschrauber mit Einsatzkräften der DRF Luftrettung am Notfallort eintrifft. Damit die mehr als 50 rot-weißen Maschinen stets einsatzbereit sind, müssen sie vom technischen Betrieb optimal gewartet werden. Dies funktioniert inzwischen per Machine-to-Machine-Kommunikation (M2M) in Verbindung mit einem speziellen Monitoring-System.

  • Die Ausfallzeiten der Helikopter haben sich verkürzt. Die Techniker reisen nur noch in Ausnahmefällen ungeplant zu den 29 Luftrettungsstationen.

  • Fast immer zählt jede Sekunde, bis ein Hubschrauber der DRF Luftrettung am Notfallort eintrifft.

Verfügbar, zuverlässig, sicher: Das müssen die Helikopter der DRF Luftrettung sein, damit die Arbeit der Piloten, Notärzte und Rettungsassistenten bei durchschnittlich mehr als 100 Einsätzen pro Tag reibungslos läuft. Dazu trägt auch das sogenannte Condition Based Monitoring (CBM) bei: Das regelmäßige Übermitteln der Daten per M2M-Technologie schützt die Maschinen vor kurzfristigen Ausfällen und ermöglicht es den Technikern, die Hubschrauber präventiv zu warten. „Wenn sich bei einem Flug die Temperaturen der Triebwerke einem vordefinierten Schwellwert nähern, kann das einen deutlichen Einfluss auf die weitere Leistungsfähigkeit des Helikop­ters haben“, erklärt Timo Demeter, Fachbereich Technik der DRF Luftrettung. „Je früher wir das erkennen, desto schneller können wir ihn etwa durch eine Triebwerkswäsche oder den Austausch von Bauteilen wieder auf Vordermann bringen.“

Vor der Umstellung auf die M2M-Lösung war es deutlich aufwendiger, die Sensordaten auszulesen. Die Techniker mussten die Datenspeicherkarte alle 50 Flugstunden manuell auslesen. Darüber hinaus analysierten sie diese nur dann, wenn der Pilot ungewöhnliches Flugverhalten gemeldet hatte. In diesen Fällen wurde der Hubschrauber durch ein mobiles Technikteam an der Station untersucht. Musste das während des Einsatzbetriebs erfolgen, wurde ein Ersatzhubschrauber dorthin geschickt, um den Betrieb sicherzustellen. Für die Luftrettung war das mit erheblichen Kosten verbunden.

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Mit der M2M-Lösung funktioniert der Datenimport nun unkompliziert. Bestückt mit einer SIM-Karte der Telekom übermittelt ein Modem nach jeder Landung die aktuellen Maschinendaten an die Server der Luftrettung. Dazu gehören Werte wie die Drehzahl der Triebwerke, die Öltemperatur oder die Flughöhe. Pro Flug fallen in der Regel nicht mehr als 200 KB an. Zum Vergleich: Auf einer handelsüblichen DVD ließen sich die Daten von fast 25.000 Flügen unterbringen.

Beim Design der M2M-Lösung spielte deshalb weniger die Menge der Daten als die Frequenz der Übertragung eine wichtige Rolle. Um einen zuverlässigen Datentransfer von den Landeplätzen sicherzustellen, verstärkten Techniker der Telekom das Signal bei Bedarf mit Repeatern. Der Zugriff auf die auf dem Monitoring-Server gespeicherten Daten erfolgt über ein Webportal. Die Techniker der Luftrettung überwachen den Zustand kritischer Komponenten, falls nötig können sie beschädigte Teile frühzeitig ersetzen, bevor die Flugleistung des Hubschraubers sinkt und aufwendigere Reparaturen ­anfallen. Für die Organisation hat sich die Lösung ausgezahlt: Durch die Auswertung der Daten können die Techniker etwa die Effizienz der Triebwerke so optimieren, dass die Hubschrauber weniger Kraftstoff verbrauchen. Auch die Ausfallzeiten der Helikopter haben sich dank der Lösung verkürzt. Die Techniker müssen nur noch in Ausnahmefällen ungeplant zu den bundesweit 29 Luftrettungsstationen reisen. Während des Flugs können sich Pilot, Notarzt, Rettungsassistent und Patient darauf verlassen, dass die Maschine läuft. Auch hinsichtlich der IT-Sicherheit müssen sich Crew und Patient keine Sorgen machen. Das vernetzte Monitoring-System (Health and Usage Monitoring System, kurz HUMS) ist physisch von den Steuergeräten getrennt. Hacker hätten keine Chance, die Kontrolle über den Hubschrauber zu übernehmen.

Daten an Krankenhäuser übertragen

Künftig lassen sich per M2M-Kommunikation sowohl die Flugdaten des Hubschraubers als auch die Gesundheitsdaten der Patienten übermitteln. Vorbei sind die Zeiten, in denen Mobilfunkgeräte Bordelektronik oder medizinische Instrumente stören. Aus technischer Sicht wäre eine M2M-Datenübermittlung bereits heute möglich. Das Problem: Damit sich die Umrüstung für die Rettungsdienste lohnt, müssten die Krankenhäuser die Annahme und Verarbeitung der Daten unterstützen. Für Krankenhäuser wiederum zahlt sich eine solche Investition jedoch erst aus, wenn viele Rettungsdienste die Übertragung der Patientendaten anbieten. 


Die DRF Luftrettung
Die Organisation setzt an 31 Stationen in Deutschland und Österreich Hubschrauber für die Notfallrettung und dringende Patiententransporte zwischen Kliniken ein. Rund 700 Notärzte, 300 Rettungsassistenten, 160 Piloten und 80 Techniker sind dafür im Einsatz.




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