Jan Michael Gerwin ist zusammen mit Christian Justus Geschäftsführer der App Agentur Hybrid Heroes (hybridheroes.de), die sich auf hybride App-Entwicklung mit Web-Technologien spezialisiert hat.
Wie steht es um das Thema Hybrid Apps? Haben sich Hybrid Apps 2015 weiter etablieren können?
Jan Michael Gerwin: Das Prinzip, mit einer App mehrere Plattformen wie iOS, Android, Windows Phone oder auch den Browser abzudecken, war schon immer verlockend. Nachdem die erste Hybrid- App-Welle 2012 viele Kritiker auf den Plan gerufen hat, war 2015 ein wichtiges Jahr für das ganze Hybrid-App-Ökosystem. Es konnte bewiesen werden, dass Hybrid Apps eine echte Alternative zu nativer App-Entwicklung darstellen und mittlerweile in Sachen Performance, Sicherheit und Nutzererfahrung nativen Apps in nichts nachstehen. Das drückt sich auch in der Anzahl hochwertiger Neuentwicklungen aus. Die Hybrid Apps der neuen Generation sind oft gar nicht als solche zu erkennen. 2015 haben sich verstärkt auch große Unternehmen und Konzerne mit dem Thema Hybrid Apps beschäftigt, die nach günstigen Lösungen für ihre internen Apps suchen oder Synergien mit ihren Web-Angeboten schaffen möchten.
Wie ist der aktuelle Stand bezüglich Tools und Frameworks?
Gerwin: Leider ist das Angebot an Tooling und Frameworks nach wie vor recht unübersichtlich. Es zeichnen sich aber Lösungen ab, die als Best Practice gelten. Am häufigsten kommt eine Kombination aus Cordova, AngularJS und Ionic Framework zum Einsatz. Hervorzuheben ist dabei vor allen Dingen das UI Framework „Ionic“, das nach einjähriger Beta-Phase 2015 offiziell veröffentlicht wurde und schon eine beachtliche Community aufgebaut hat. Ionic sorgt dafür, dass sich die Hybrid App wie eine native App anfühlt, indem es Transitions, Touch Events und das Layout der App optimiert. Die großen Anbieter wie Adobes „Phonegap“ oder Telerik Platform bedienen sich dieser Best-Practice-Technologien und bieten drum herum Tools und Services, um die Hybrid- App-Entwicklung zu vereinfachen.
Dies ist ein Artikel aus unserer neuen Print-Ausgabe. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo frei Haus.
Wann lohnt sich eine hybride App – wann eine native App?
Gerwin: Gründe für eine Hybrid-App-Entwicklung sind häufig das Budget und die Möglichkeit Synergien mit den bestehenden Webangeboten oder dem Web-Entwickler-Team zu nutzen. Hybrid-App- Entwicklung ist in der Regel deutlich günstiger, da nur eine und nicht zwei oder drei Apps entwickelt werden müssen. Das kostet nicht nur weniger, sondern geht meist auch schneller. Jeder, der also mit begrenztem Budget an die App-Entwicklung geht, sollte sich mit Hybrid Apps beschäftigen.
Eine native App lohnt sich vor allen Dingen, wenn rechenintensive Operationen oder sehr ausgefallene Animationen verwendet werden sollen. Insbesondere unter iOS erhalten native Apps mehr Power vom Betriebssystem und können daher besser performen. Eine native App-Entwicklung bietet sich auch an, wenn nur für eine Plattform entwickelt werden soll oder wenn das Know-how zur Web-Entwicklung nicht vorhanden ist. Für beide Ansätze gilt: Da sich die Design-Sprache der Betriebssysteme sehr schnell weiterentwickelt, sollte eine Mobile App alle zwei bis drei Jahre überarbeitet werden.