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Im Interview erklärt Nathan Clapton, Vice President Mobile Partnerships bei Tripadvisor, warum Apps zunehmend zum Urlaubsinventar dazugehören und welche neuen mobilen Features moderne Weltenbummler in Zukunft erwarten.

„Bekanntermaßen stellen Roaming-Gebühren ein echtes Hindernis für die uneingeschränkte Nutzung mobiler Endgeräte dar“, gibt Nathan Clapton, Vice President Mobile bei Tripadvisor zu bedenken.

Herr Clapton, welche Rolle spielen Apps in der heutigen Tourismusbranche?
Nathan Clapton:
Mobile Endgeräte sind für viele Tourismusunternehmen inzwischen ein weiterer wichtiger Kanal zur Kundenansprache. Die mobile Entwicklung eröffnet neue Möglichkeiten, nun auch während der Reise zielgerichtet und zugeschnitten mit den Urlaubern zu kommunizieren. Einer Umfrage von Greystripe MDG zufolge recherchieren 94 Prozent der Reisenden vor Ort nach Aktivitäten, die sie unternehmen können – 75 Prozent suchen nach Restauranttipps.
    
Gibt es typische Tourismusfelder, die sich zunehmend mobil ausrichten?
Clapton:
In der Hotellerie beispielsweise ist „mobile“ als Kommunikationsweg nicht mehr wegzudenken. Unsere halbjährliche Studie „Tripbarometer“, die wir unter 35.000 Hoteliers und Reisenden weltweit durchgeführt haben, zeigt: Über ein Drittel der befragten deutschen Reisenden erwartet, dass ein Übernachtungsbetrieb über Smartphones und Tablets erreichbar ist. Knapp zwei Drittel halten dabei besonders die Option zur mobilen Buchung für hilfreich (63 Prozent). Der Blick in die Industrie zeigt, dass 31 Prozent der Umfrageteilnehmer mobil mit den Kunden in Kontakt treten, bei 69 Prozent liegt dieser Bereich brach. Speziell dieser Tourismusbereich verspricht also noch Marktpotential.

Wenn es um das eigene Mobile-Angebot geht, nennen Hoteliers am häufigsten die Bereitstellung einer „Mobile Booking“-Funktion, gefolgt von einer für Mobile optimierten Webseite und einer eigenen Smartphone- oder Tablet-App als Hauptbetätigungsfelder. Spezielle Marketingaktionen wickeln nur neun Prozent der deutschen Hoteliers mobil ab. Interessant ist, dass Franchise-Unternehmen weltweit zu den Vorreitern gehören, denn 46 Prozent haben bereits ein mobiles Angebot etabliert. Zum Vergleich: Unter allen befragten Hoteliers liegt die Quote bei 25 Prozent.

Welche mobilen Features erwartet der Globetrotter von heute?
Clapton:
Smartphones verbessern das Reiseerlebnis in vielerlei Hinsicht. Vor allem die zivile Luftfahrt setzt auf spezielle Features. Sie stellt z.B. mobile Boarding-Pässe zur Verfügung, um den Check-in-Prozess zu vereinfachen. Oder es existieren bereits mobile Upgrade-Services etwa von United Airlines – hier werden Reisende kurz vor dem Abflug informiert, ob sie ein Upgrade für den gebuchten Flug erhalten.

Inwiefern spielen dabei Standortunterschiede eine Rolle?
Clapton:
Reisende erwarten immer mehr, dass ihnen die gleiche Quantität und Qualität an Information zur Verfügung steht – unabhängig davon, ob sie sich in ihrem Zuhause oder im Ausland befinden. In der Praxis stehen dabei mitunter Roaming-Gebühren im Weg.

Apropos Roaming-Gebühren – inwiefern stellen diese ein Problem bei der Nutzung der Reise-Apps dar?
Clapton:
Eine kürzlich durchgeführte Umfrage unter unseren Nutzern auf der ganzen Welt fragte, worüber sich Reisende (wenn überhaupt) am meisten bei der Nutzung mobiler Endgeräte im Ausland ärgern. Insgesamt sagten mehr als 22.500 Teilnehmer aus 14 Ländern – vielleicht nicht ganz überraschend –, dass dies Roaming-Gebühren seien. Bei den deutschen Befragten gaben dies 52 Prozent an.

Wie kann man diesen „aus dem Weg“ gehen bzw. sie „in Grenzen halten“ und trotzdem mobil aktiv sein?
Clapton:
Bekanntermaßen stellen Roaming-Gebühren ein echtes Hindernis für die uneingeschränkte Nutzung mobiler Endgeräte dar. Allerdings gibt es ein paar Schlupflöcher: So kann man z.B. auf Offline-Angebote zurückgreifen. Viele Apps bieten mittlerweile die Option, Kartenmaterial oder Reise-guides im „Home-Netz“ herunterzuladen, um diese anschließend ohne Kosten vor Ort zu nutzen.

Wir haben daher die offline verwendbaren City Guides entwickelt. Für rund 80 Städte weltweit sind Karten, Rundwege sowie Bewertungen, Fotos und Ratings von Restaurants und Hotels direkt auf dem mobilen Endgerät verfügbar. Wer ein gewisses Datenvolumen im Ausland zwingend benötigt, dem rate ich zu einem Service, der die Datenmenge auf eine bestimmte Rate beschränkt. Vodafone z.B. bietet ein Datenvolumen über 25 MB am Tag für einen geringen Aufpreis. Außerdem stellen viele Hotels kostenloses WLAN bereit. Dem Tripbarometer nach plant über ein Viertel der befragten Hoteliers weltweit, diesen Service auf dem Zimmer (35 Prozent) oder in der Hotel-Lobby (25 Prozent) zur Verfügung zu stellen – es lohnt sich also, dies vor der Buchung zu checken.

Was sollten Anbieter aus der Tourismusbranche bei der Entwicklung von Apps beachten? Was können sie etwa unternehmen, um das Benutzererlebnis zu verbessern?
Clapton:
Die Mehrheit der Unternehmen, die auf Online-Angebote setzen, versteht unter„mobile” zumeist nur kleinere, wenn auch allgegenwärtige Bildschirme, auf denen es gilt, eigene Inhalte darzustellen. Jedes Smartphone ist jedoch auch mit Sensoren ausgestattet, die für die App-Entwicklung genutzt werden können. Durch ihre Verwendung können Kunden in einer Art und Weise beeindruckt werden, wie es auf dem Desktop undenkbar ist. Etwa durch eine Kompassfunktion, die User die richtige Richtung aufzeigt, wie sie zu ihrem Hotel oder einem bestimmten Restaurant kommen. „Mobile“ nicht nur als abgespeckte Desktopversion zu sehen, ist der erste und beste Schritt, eine App hilfreich zu gestalten. Und das wird sich letztendlich in einer vielfachen Nutzung widerspiegeln.

Worin sehen Sie wegweisende Mobile-Trends für die Tourismusbranche?
Clapton:
Der Trend geht zum Einsatz von Sensoren und weiteren smartphone-eigenen Funktionen, um eine sich vom Desktop unterscheidende Erfahrung zu schaffen. „Content on the go“ kann ein Motto für zukünftige Entwicklungen sein. Dabei wird es auch zu einer immer engeren Verzahnung von „mobile“ und „social“ kommen – Smartphone-Apps werden intelligenter werden, in dem Sinne, dass sie auch die soziale Vernetzung und den daraus entstehenden Content einbeziehen.

Denkbar ist beispielsweise eine Art GPS-gesteuertes Navigationssystem für Restaurants. Es könnte während der Autofahrt anzeigen, welche Restaurants sich in der Nähe befinden und wie diese bewertet wurden. Gleichzeitig würde eine solche App auch darauf verweisen, welche der Facebook-Freunde bereits das Restaurant besucht haben und wie es ihnen dort gefallen hat.

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