Kaum Anwendung von Wearables in Industrie 4.0

Industrieanlage per Smartwatch überwachen

Bislang finden Wearables im Umfeld von Industrie 4.0 eher selten Anwendung. Doch künftig könnte etwa die Überwachung und Wartung von Industrieanlagen per Smartwatch erfolgen – die entsprechende Technik ist bereits vorhanden.

Erfolgt künftig die Überwachung und Wartung von Industrieanlagen per Smartwatch?

Erfolgt künftig die Überwachung und Wartung von Industrieanlagen per Smartwatch?

Die IT-Analysten von Gartner messen Smartwatches und anderen Endgeräten in ihrem Bericht „Top 10 Strategic Technology Trends“ eine Schlüsselrolle bei der Entwicklung der digitalen Unternehmenskollaboration bei. Eine besondere Aufgabe spiele dabei die Vernetzung bislang nicht verbundener Geräte, beispielsweise die Koppelung von Mobilgeräten mit externen Sensoren an Maschinen, aber auch mit von Mitarbeitern getragenen Wearables. Dadurch werde der Einsatzbereich der Mobilgeräte erweitert, etwa bei der Überwachung und Wartung von Industrieanlagen.

Viele Anwendungen sind bisher fast ausschließlich bei Privatanwendern verbreitet. So kann eine mit einem Smartphone gekoppelte Smartwatch den Eingang von E-Mails mit Absender und Betreff auf dem Mini-Display anzeigen. Doch auch in Unternehmen erhoffen sich viele mehr Effizienz in der Arbeitswelt von den kleinen Gadgets.

Wearables finden sich bisher bei Privatanwendern

Von Wearable-Befürwortern werden nun einige futuristisch wirkende Szenarien genannt, z.B. Augmented-Reality-Brillen (AR) oder Eingabegeräte direkt auf der Haut. Tatsächlich gibt es in der Industrie bereits einzelne Demonstrationsanwendungen für solche Geräte. Doch den Massenmarkt haben die Lösungen bislang nicht erreicht. Vor allem für kleinere und mittelgroße Unternehmen gibt es bislang nur wenige Lösungen, die mit geringen Mitteln rasch umgesetzt werden können. Doch die entsprechende Technik für den Einsatz von Wearables ist vorhanden. Interessierte Unternehmen können freiverkäufliche Hardware wie eine Smartwatch in kostengünstigen Entwicklungsprojekten an ihre Bedürfnisse anpassen. Hierbei sind vier Szenarien denkbar: der Einsatz von Wearables für einfache Zusammenarbeit, unkomplizierte Zugriffskontrolle, effizientere Arbeitseinsätze und größere Arbeitssicherheit. Grundlegender Einsatzbereich für eine Smartwatch ist, dass ein Teil der mobilen Funktionen auf das Wearable verlagert wird. Den Mitarbeitern könnten kurzfristige, neue Termine oder aktuelle Aufträge durch Vibration der Uhr angekündigt werden. Sie wissen nun, dass sie baldmöglichst auf dem Mobilgerät nachschauen oder direkt auf einem Smart Device auf die neuen Informationen reagieren sollten.

Ein Logistikunternehmen nutzt Smartwatches denn auch bereits, um die Fahrer der Transporter kurzfristig über Aufträge zur Abholung von Waren zu informieren. Auf der Uhr sieht der Fahrer alle wichtigen Kurzinfos und er muss das Display kurz antippen, um den Auftrag zu bestätigen. Detailinfos erhält er wie bisher auf das Smartphone. Eine weitere Möglichkeit ist die Auftragsannahme durch Antippen der Smartwatch. Hilfreich ist dies in der Logistik: Die Mitarbeiter müssen nicht anhalten und auf dem Mobilgerät nachschauen. An anderen Orten, etwa im Lager oder vor Ort beim Kunden, haben sie beide Hände frei für die Arbeit. Denn so sinnvoll Mobilgeräte aller Art sind, sie sind in manchen Situationen eher hinderlich. Eine Smartwatch ist oft die praktischere Lösung.

Sicherheit integrieren

Ein Einsatzgebiet für Wearables aller Art liegt zudem in der Zugangssteuerung für Gebäude, Anlagen und IT-Systeme. Kontaktlose Smartcards, die mit RFID-Chips arbeiten, sind in der Wirtschaft bereits verbreitet. Der Schritt zu einem Wearable ist daher nur klein. Denkbar wäre ein Clip oder Armband mit der entsprechenden technischen Ausstattung. Doch der Zusatznutzen gegenüber einer Smartcard ist nur gering. Die Vorteile von Wearables zeigen sich erst bei erweiterten Szenarien, etwa bei einem Dienstleister, der Montage, Wartung oder Überwachung übernimmt. Die Einsatzzentralen können auf eine Smartwatch jeweils kurzfristig vor dem Betreten eines bestimmten Gebäudes oder Sicherheitsbereichs Zertifikate und Zugangscodes senden. Nach dem Verlassen dieses Bereichs werden die Daten dann automatisch wieder entfernt. Dadurch entfällt auf Mitarbeiterseite der fehleranfällige Umgang mit teilweise Dutzenden von Smartcards.

Arbeitseinsätze effizienter machen

Der Einsatz einer Smartwatch bei einem externen Service-Mitarbeiter kann auf weitere Prozesse erweitert werden. So ist es möglich, mit einer Smartwatch die automatische Erkennung von Objekten in der Umgebung aufzubauen. Die Uhr zeigt die wichtigsten Informationen zu dem Objekt an. Ein Mitarbeiter kann nun den Maschinenstatus „im Vorbeigehen“ ablesen. Ebenso leicht ist es, den Mitarbeiter über eine Alarmmeldung zu einem bestimmten Objekt zu lotsen, etwa einer Maschine, die gewartet werden muss. Natürlich ist der Platz auf dem Display nur sehr begrenzt, in diesem Szenario ist immer ein gekoppeltes Smartphone oder Tablet notwendig. Die Mitarbeiter können vor Ort durch Antippen der Smartwatch eine Detailansicht zu dem jeweiligen Objekt auf ihrem Mobilgerät öffnen.

In engen Schächten und Röhren

Viele Arbeitsbereiche von Montage- und Wartungstechnikern sind Hochrisikoumgebungen, in denen hohe Unfall oder Gesundheitsgefahr besteht. Ein Beispiel sind enge Schächte und Röhren, in denen Arbeiter sehr leicht Atemnot bekommen können. Mithilfe von Wearables können hierbei Vitaldaten wie Puls oder die Sauerstoffsättigung des Blutes überwacht und an die Einsatzzentrale übertragen werden. Sollte es zu ungewöhnlichen Anzeigen kommen, kann sie z.B. eine Statusabfrage auf die Smartwatch senden, die durch Antippen bestätigt werden muss. Der Vorteil für den Mitarbeiter: Er erhält schnelle Hilfe durch eine Benachrichtigung der Einsatzzentrale. Bisher gibt es jedoch erst wenige schlüsselfertige Lösungen für solche Aufgaben in der Industrie und erst langsam gehen Hersteller und Betreiber dazu über, zusätzliche Sensoren, Netzwerkadapter und Software-Schnittstellen in ihre Maschinen einzubauen.

„Vor allem Smartwatches sind leistungsfähig und flexibel im Business einsetzbar“, glaubt Frank Westermann, Leiter Marketing in der T-Systems TC Division. „Sie erlauben die Entwicklung von innovativen Lösungen in vielen Einsatzgebieten. Unternehmen sollten aber die Integration der mobilen Lösungen in einen digitalen Workplace berücksichtigen.“ Wearables liefern erst im Zusammenhang mit einem mobilen Cloud-Arbeitsplatz ihren Nutzen – etwa dem Dynamic Workplace der Telekom, einer Kombination aus Mobility- und Workplace-Lösung aus einer Hand. Sie geht weiter als das herkömmliche Enterprise Mobility Management (EMM) und verknüpft Device-, App- und Dokumenten-Management sowie weitere Aspekte von Enterprise Mobility miteinander. Wearables werden dabei nicht anders behandelt als Smartphones und Tablets, inklusive Enterprise-Appstore und Selfservice-Portal für die Geräteregistrierung. Sie sind dadurch zugleich in alle Maßnahmen zur Informationssicherheit eingebunden. Westermann: „Unternehmen, die auf Mobility und Wearables in ihrer Arbeitsplatzlösung setzen, können bereits jetzt zukunftssichere Prozesse einführen.“ 


Nutzen noch nicht erkannt
Nachdem die Zahl der verkauften Smartwatches im dritten Quartal 2016 im Vergleich zum selben Vorjahreszeitraum um 51,6 Prozent gesunken war (2,7 Mio. Geräte gegenüber 5,6 Mio. im dritten Quartal 2015), liegt die Vermutung nahe, dass viele Anwender den Nutzen der tragbaren Geräte (noch) nicht erkennen können. Für die Hersteller geht es nun darum, sowohl Privatpersonen als auch
Firmenkunden eben jenen Nutzen näherzubringen.

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