Innovationsschub durch Webapps
Das Versprechen von Webapps auf der Basis von HTML5 lautet: Eine Anwendung für alle Plattformen vom Mobilgerät bis zum Desktop-PC. Und tatsächlich gibt es eine Großzahl an aktiven Webapps für alle möglichen Zwecke. Ein sehr gutes Beispiel ist der Notiz-Editor Write.App.
Die Apps zeigt für die Möglichkeiten von HTML 5. Write.App setzt vollkommen auf seine ebenso einfache wie elegant gestaltete Weboberfläche. Der Markdown-Editor bietet Basisfunktionen zur Formatierung und überzeugt durch eine praktische Format-Vorschau. Besonders interessant ist die Möglichkeit, bestimmte Notizen auf einer eigenen Profilseite wie in einem Blog anzuzeigen.
Die App nutzt viele HTML5-Features, unterstützt aber insgesamt nur eine Untermenge der auf Mobilgeräten angebotenen Funktionen. Viele Entwickler nutzen deshalb gerne die Möglichkeiten von nativen Apps. Zahlreiche bekannte Apps wie Instapaper oder Evernote besitzen deshalb zwar eine Weboberfläche.
Das Web ist jedoch oft kein Schwerpunkt des Gesamtangebots, sondern arbeitet lediglich als Alternativoberfläche. Im Vordergrund steht stattdessen eine App mit einem Backend in der Cloud. Die Gründe für die bisher immer noch überlegene Rolle von nativen Apps sind seit Jahren dieselben:
Grafisch aufwändig aufbereitete Benutzeroberflächen oder Dokumente führen bei Webapps immer wieder zu teils enormen Performanceproblemen, vor allem auf Mobilgeräten. Außerdem gibt es keine Hintergrundprozesse, so dass bestimmte App-Funktionen die ganze Webapp blockieren können.
Unterschiede in der Implementation von HTML5 in verschiedenen Browsern sorgen für Schwierigkeiten bei der Entwicklung wirklich plattformübergreifende Apps. Zudem benötigen Webapps immer eine Internetverbindung, was aber zumindest in der Funklochrepublik Deutschland nicht immer der Fall ist.
Der letztlich eingeschränkte Funktionsumfang gegenüber den Möglichkeiten auf einer Systemplattform sowie der komplizierte (und teilweise unmögliche) Zugriff auf gerätespezifische Funktionen sorgen für den Vorsprung nativer Apps.
Ein wichtiger Grund für native Apps: Sie sind über die verschiedenen Appstores sehr leicht in ein Geschäftsmodell zu übersetzen. Webapps besitzen demgegenüber keinen einfachen Weg zur Monetarisierung.
Und ein letzter Grund: Native Apps haben eine höhere Sicherheit, da sie exklusiven Zugriff auf eingebaute Sicherheitsfunktionen und Verschlüsselung in den Geräten haben.
Doch trotzdem ist das letzte Wort in der Auseinandersetzung HTML5 vs. Native noch nicht gesprochen. HTML5 ist gegenüber nativen Apps zwar eingeschränkt, dies kann jedoch auch positiv wirken: Das Web ist als Entwicklungsplattform etwas leichter zu beherrschen. Es gibt eine Vielzahl an kostenlosen Hilfsprogrammen, die es auch einem Anfänger erlauben, relativ schnell in die Entwicklung von Webapps einzusteigen.
Für Entwickler hat das Web als App-Plattform sogar einen deutlichen Vorteil gegenüber den nativen Plattformen: Es ist zunächst viel einfacher, ein App-Konzept zu erproben und auszubauen. Da eine Webapp problemlos zu aktualisieren ist und jedes Update sofort bei den Nutzern ankommt, können auch kleinere Nutzeranregungen sofort verwirklicht werden.
Dadurch können auch einzelne Entwickler oder kleine Teams eine innovative Lösung wie Write.App auf den Markt bringen. Die Einschränkungen von HTML5 werden dabei eher zum Vorteil: Eine erfolgreiche Webapp ist eine gute, auf Einzelprobleme fokussierte Lösung. Innovative Services wie zum Beispiel Trello, Workflowy oder Coolendar nutzen die Möglichkeiten von HTML5 geschickt aus.
Viele dieser Webservices bieten auch Apps für Mobilplattformen an. Das sind oft allerdings keine nativen Anwendungen, sondern Hybrid-Apps. Bei dieser Variante ist die eigentliche App auf der Plattform nur ein Framework für eine HTML5-App, die lokal installiert ist. Dadurch ist einerseits die plattformübergreifende Entwicklung einfacher und andererseits können Gerätefunktionen genutzt werden.
Mit einiger Sicherheit werden Webapps in Zukunft zum Standard auf Mobilgeräten werden. Es gibt inzwischen eine Vielzahl an Javascript-Bibliotheken, die auch gerätespezifische Funktionen und viele spezielle Features anbieten. Die Arbeitsgeschwindigkeit ist zwar immer noch ein Thema, aber auf Highend-Geräten mit Vierkernprozessor zumindest kein Problem mehr.
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