Crowdsourcing

Innovative Ideen und agile Teams

Crowdsourcing funktioniert, aber nicht von allein. Notwendig sind Planung, Auswahl der Ergebnisse und digitale Tools zum Teamaufbau.

Crowdsourcing für neue Ideen

Crowdsourcing für neue Ideen

Der große Hype ist zwar vorbei, doch Crowdsourcing hat sich inzwischen als oft genutztes Werkzeug in den Unternehmen etablieren können. Der Neologismus aus „Crowd“ und „Outsourcing“ bezeichnet die Auslagerung von Aufgaben an eine große Zahl von Akteuren. Meistens wird dafür eine offene, plattformgestützte Ausschreibung genutzt. Dieses Verfahren wird häufig für die Bearbeitung genau festgelegter Aufgaben, aber auch zur Ideenfindung eingesetzt. Für beide Aufgabenbereiche gibt es inzwischen eine Vielzahl an Plattformen, doch ihr Einsatz läuft nicht immer problemlos.

Beim Ideen-Crowdsourcing wollen die Unternehmen Innovationen oder wenigstens neue Produkte erhalten, in dem sie die Kreativität der Öffentlichkeit anzapfen. Viele Unternehmen haben dabei allerdings unrealistische Erwartungen – unter anderem die, dass die ausgelagerte Ideenfindung ein Selbstläufer ist. Leider werden bei Crowdsourcing zwar viele Ideen erzeugt, aber in erster Linie für inkrementelle Verbesserungen. Es ist recht schwer, die brauchbaren Innovationen herauszufiltern. Hinzu kommt: Das Internet ist ein Spielplatz für Scherzkekse aller Art. Vor allem Mitmachaktionen auf Facebook entwickeln schnell eine Eigendynamik.

Eigendynamik von sozialen Netzwerken

So hatte das Versandhaus Otto einen Fotowettbewerb ausgerufen, um das neue Otto-Gesicht auf der Facebook-Seite zu ermitteln. Sieger war „der Brigitte“, ein Student, der mit blonder Perücke und Federboa posierte. Auch Henkel hat mit Ideen für Pril diese Erfahrung gemacht: Die höchste Bewertung erhielt ein Entwurf mit dem Claim „Schmeckt lecker nach Hähnchen“. Und bei Ritter Sport gab es mit „Cookies & Cream“ zwar ein sinnvolles Ergebnis, aber parallel zur Aktion entstanden viele Ideen für Gaga-Sorten wie „Currywurst-Pommes“, „Mett“ oder „Rippchen mit Kraut“.

Zudem können Crowdsourcing-Aktionen auch ohne Netzhumor eine Eigendynamik gewinnen. In der Aktion des Schweizer Herstellers Rivella hatte das Siegergetränk Ingwergeschmack. Auf den ersten Blick unauffällig, doch eine genaue Analyse des Stimmverhaltens ergab: Die Beliebtheit dieser Geschmacksrichtung lag in erster Linie am Aktivismus einiger weniger Teilnehmer. Sie unterstützen sich gegenseitig, aktivierten zahlreiche andere Leute zur Stimmabgabe und verursachten so relativ viel Aufmerksamkeit für den exotischen Geschmack.

Vor allem Kontaktfunktionen (etwa Facebook-Freunde) führen zu einer Verzerrung im Abstimmverhalten. Bei einer Untersuchung von 87 Crowdsourcing-Projekten hat ein Wissenschaftlerteam der Universität Luzern herausgefunden, dass jemand mit höherer Wahrscheinlichkeit eine Idee unterstützt, die bereits von einem Freund mit einem „Like“ bedacht wurde. Auf diese Weise entsteht ein Stimmungsbild, das nicht unbedingt die realen Präferenzen der gesamten Community widerspiegelt.

Unternehmen sollten bei solchen Aktionen also immer externe Kriterien heranziehen und ihren Blick auch auf weniger beliebte oder heiß diskutierte Ideen richten. Zudem hat sich in der Untersuchung gezeigt, dass es keinen statistischen Zusammenhang zwischen Crowdsourcing und Qualität einer Idee gibt. Zudem legen Konsumenten zu wenig Wert auf die Umsetzbarkeit – was für die Unternehmen aber im Vordergrund steht.

Auf digitalem Weg schnell gebildete Organisationen

Eine zweite, ebenfalls recht häufig eingesetzte Variante des Crowdsourcing ist das Auslagern von genau abgegrenzten Aufgaben, oft als Microtasks oder -jobs bezeichnet. Es handelt sich dabei um bezahlte Aufgaben, die über Plattformen wie „Mechanical Turk“ (Amazon) ausgeführt wird. Sie haben häufig wenig mit Kreativität und Ideenfindung zu tun, sondern umfassen Webrecherchen, Datenerfassung, Testen und Bewerten von Produkten, das Schreiben von kurzen Texten für Webshops oder Kataloge sowie das Beschreiben und Kategorisieren von Bildern.

Komplexe Aufgaben und Projekte lassen sich auf diese Weise jedoch nicht abwickeln, denn sie können normalerweise nicht gut in kleine Teilaufgaben zergliedert werden - sei es, weil die Ergebnisse von Zwischenschritten zum Input des nächsten Schrittes werden, sei es, weil die Kriterien für die Erfüllung einer Aufgabe oder den Erfolg unklar sind. Ein Wissenschaftlerteam der Stanford University will jetzt einen Ausweg aus dieser Situation gefunden haben, sodass Crowdsourcing auch bei komplexen Projekten mit offenem Ende funktionieren soll: Die Umwandlung von Crowds in strukturierte „Flash Organisations“, die nach Bedarf auf digitalem Wege aufgebaut werden.

Basis ist dabei eine nach Rollen und Funktionen an das Projekt angepasste Einteilung der Crowd. Dabei werden Erfahrungen und Expertise der einzelnen Clickworker berücksichtigt, und zugleich eine Art übergeordnete Teamstruktur aufgebaut. Die Studie nennt mehrere erfolgreiche Anwendungsfälle, bei denen sich aus einer Vielzahl an Clickworkern mit unterschiedlichen Skillsets strukturierte, aber agile Teams bildeten. So konnten beispielsweise Teamleiter zusätzliche Clickworker beauftragen.

Dabei stellte sich heraus, dass eine „Flash Organisation“ mit den entsprechenden digitalen Tools schnell aufgebaut werden kann und sich über die Laufzeit eines Projekts stabilisiert. Um die Einarbeitungsphase gering zu halten, wurden ähnliche Aufgaben oft an dieselben, erfahrenen und erfolgreichen Clickworker vergeben – die „Flash Organisation“ ist ein Zwitter aus Masse und Organisation.

Bildquelle: Thinkstock

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