Bisher nur zwei Anbieter

Instant Payment: Warum Deutschland hinterher hinkt

Im Gespräch mit Stefan Roßbach, Gründungspartner der TME AG sowie Mitglied im Management Board und im Vorstand des TME Instituts, sowie Robert Hesse, Consultant im Bereich „Digital Banking“ bei TME, über Instant Payment

  • Robert Hesse ist Consultant im Bereich Digital Banking bei der TME AG und spezialisiert auf das Thema Zahlungsverkehr.

    Robert Hesse ist Consultant im Bereich Digital Banking bei der TME AG und spezialisiert auf das Thema Zahlungsverkehr.

  • Stefan Roßbach ist Gründungspartner der TME AG sowie Mitglied im Management Board und im Vorstand des TME Instituts.

    Stefan Roßbach ist Gründungspartner der TME AG sowie Mitglied im Management Board und im Vorstand des TME Instituts.

Herr Roßbach, inwieweit wird Instant Payment bereits angeboten und genutzt?
Stefan Roßbach:
Mit der Unicredit und der VZ-Depotbank bieten derzeit nur zwei Finanzinstitute den neuen SEPA-Inst-Standard für ihre Kunden an. Dies hat zur Folge, dass lediglich Kunden dieser Institute bei Überweisungen innerhalb ihres Instituts oder bei Überweisungen zu einem Konto des jeweils anderen Institutes die sofortige Abbildung der Transaktion wahrnehmen können.

Herr Hesse, warum hinkt Deutschland hier im weltweiten Vergleich hinterher?
Robert Hesse:
Viele Länder, vor allem im skandinavischen und südeuropäischen Raum, haben bereits vor der Initiative des European Retail Payments Board einen Standard für Instant-Payment-Zahlungen innerhalb ihrer Länder entwickelt. Somit ist in diesen Ländern die Entwicklung bereits weiter fortgeschritten als bei uns in Deutschland.

Wie kann das 2018 geändert werden?
Roßbach:
Mit der VZ-Depotbank bietet seit dem 5. Februar 2018 ein zweites Finanzinstitut, neben der Unicredit, Instant Payment an. Desweiteren haben sich die Sparkassen für die Umsetzung im Juli dieses Jahres verpflichtet. Ebenso ist zu hören, dass sowohl die Volksbanken als auch die Deutsche Bank und die Commerzbank noch in diesem Jahr nachziehen wollen. Sollte dem so sein, wäre ein großer Schritt getan, um den Nutzen von Instant Payment langfristig beim Kunden aufzeigen zu können.

Welche konkreten Möglichkeiten bietet Instant Payment für die Finanzdienstleister, Unternehmen und Verbraucher?
Hesse:
Der größte Nutzen wird dem P2P-Bereich zugeschrieben – egal, ob beim privaten Autoverkauf oder beim Restaurantbesuch mit Freunden. Vor allem solche Vorgänge, bei denen heute Bargeld und Schecks eingesetzt werden müssen, können zukünftig über Instant Payment abgewickelt werden. Selbiges gilt für den P2B-Bereich. Egal, ob das Bezahlen des Umzugsunternehmens oder der Möbellieferanten – die Zug-um-Zug-Geschäfte können mittels Instant Payment zukünftig ohne Bargeld vollzogen werden. Dies ist sowohl für den Konsumenten als auch den Lieferanten sehr komfortabel, da der Weg zum SB-Bank-Automaten zur Aus- bzw. Einzahlung gespart werden kann und kein Risiko besteht, das Geld zu verlieren. Ebenso bestehen zahlreiche Vorteile im B2B-Bereich. Rechnungen brauchen nicht mehr schon zwei bis drei Tage vor dem Fälligkeitstag veranlasst werden, damit sie rechtzeitig beim Empfänger ankommen. Es reicht dafür der letzte Tag der Zahlungsfrist. Dies führt dazu, dass die Unternehmen, Finanzinstitute eingeschlossen, diese Cashflows zwei bis drei Tage länger selber effektiv nutzen können, wie z.B. für Geldanlagen oder anderes.

Welche Schwierigkeiten stehen diesen Pluspunkten gegenüber?
Roßbach:
Vor allem die Banken stehen vor großen Herausforderungen. Zum einen ist vor allem ein hoher organisatorischer Aufwand in Bezug auf die Technik und das Personal zu nennen, da die derzeit vorherrschende Batch-Verarbeitung nicht kompatibel zur sofortigen Ausführung des Clearings ist. Gerade in der Einführungsphase wird daher sehr viel manuelle Arbeit notwendig sein, wofür entsprechende Verfügbarkeiten und Kapazitäten geschaffen werden müssen. Hierbei sind aber wiederum auch arbeitsrechtliche Gesichtspunkte hinsichtlich der 365/7/24-Verfügbarkeit zu beachten. Ebenso müssen die Know Your Customer (KYC) und Geldwäschepräventionsmaßnahmen weiter den regulatorischen Anforderungen entsprechen.

Inwieweit gibt es bereits einheitliche Standards, um das Instant Payment für alle Beteiligten zu erleichtern?
Hesse:
Um einer weiteren fragmentierten Entwicklung nationaler Instant-Payment-Strukturen vorzubeugen, hat das European Retail Payments Board im Dezember 2014 ein europaweites, einheitliches Rahmenwerk in Auftrag gegeben, welches im November letzten Jahres in Kraft getreten ist. Somit sind für alle EU-Länder dieselben Rahmenbedingungen vorhanden.

ITM: Wie kann ein Instant-Payment-Auftrag grundsätzlich erteilt werden? Welche Rolle spielen hierbei mobile Endgeräte?
Roßbach:
Instant Payment ist nur eine Erweiterung des bisherigen SEPA-Schemas. Somit findet Instant Payment grundsätzlich überall und unabhängig vom Zahlungsmittel Anwendung. Es spielt also keine Rolle, ob eine Überweisung, Lastschrift oder ein Zahlungsauftrag online oder per mobilem Endgerät erteilt wird. Die mobilen Endgeräte stehen nur dann im Fokus, wenn es um das Bezahlen am PoS und damit um die langfristige Ablösung des Bargelds geht.

Wie ist es um Sicherheit und Datenschutz beim Instant Payment via Smartphone oder Tablet bestellt?
Hesse:
Diese Thematik fällt vielmehr unter den Geltungsbereich der PSD2, die bezüglich der starken Kundenauthentifizierung klare Vorgaben gemacht hat (mind. Zwei-Faktor-Authentifizierung), die bis spätestens Q3 2019 von allen umgesetzt werden müssen. Bezüglich Datenschutz ist hinsichtlich des SEPA-Inst-Schemas klar geregelt, dass der Kunde selbst entscheidet, wem er welche Daten von sich freigeben möchte.

Wie schnell ist Instant Payment tatsächlich?
Roßbach:
Der Standard fordert eine Zahlungsabwicklung innerhalb von maximal zehn Sekunden. Tatsächlich erfolgt diese aber schneller. Die HVB spricht von einer Abwicklungszeit von fünf Sekunden.

Inwieweit könnten Schnellüberweisungen Ihrer Meinung nach die Zahlungswelt revolutionieren?
Hesse:
Wie bereits erwähnt, kann Instant Payment langfristig das Nutzen von Bargeld obsolet machen.

Welchen Einfluss wird das Instant-Payment-Angebot der Kreditinstitute auf Dienstleister/Anbieter wie Paypal ausüben?
Roßbach:
Ganz einfach gesprochen hat der Kunde zukünftig keinen Grund mehr, Paypal zu nutzen, da die Überweisung zukünftig direkt über das Bankkonto getätigt werden kann. Nachdem im letzten Jahr nun auch der Käuferschutz, mit welchem Paypal sich jahrelang abheben konnte, gekippt wurde, entfällt mit der sofortigen Transaktionsabwicklung via Instant Payment auch der zweite große Vorteil, den Paypal bisher gegenüber den klassischen Finanzinstituten hatte.

Welche weiteren Trends zeichnen sich anno 2018 im Bereich „Mobile Payment“ ab?
Hesse:
Der Bereich Mobile Payment befindet sich derzeit in einer rasanten und vielfältigen Entwicklungsphase. Die Umrüstung am PoS auf NFC oder sogar BLE-fähige Lesegeräte nimmt immer mehr zu, was die Kunden dazu befähigt, das Angebot des Mobile Payment wahrnehmen zu können. Ferner wird mittels Tokenization das Thema Sicherheit, welches nach wie vor gerade bei uns Deutschen ein besonders großes ist, weiter verstärkt. Und zu guter Letzt wird spätestens mit dem Start von Apple Pay, welchen wir im Laufe des Jahres erwarten, Mobile Payment noch einmal eine ganz neue Strahlkraft entwickeln. Hierbei gilt, spätestens wenn etwas von Apple angeboten wird, nimmt die Berichterstattung stark zu und ist damit die Aufmerksamkeit beim Kunden um ein Vielfaches höher.

Bildquelle: TME

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