Versicherung: Peer-to-Peer-Modell von Friendsurance

Insurtechs erweitern das Versicherungsangebot

Im Interview erläutert Tim Kunde, Geschäftsführer von Friendsurance, warum Insurtechs eine wichtige Alternative und Ergänzung zum klassischen Versicherungsangebot darstellen.

Tim Kunde, Friendsurance

„Als wir unser Peer-to-Peer-Modell 2010 eingeführt haben, waren wir der einzige Anbieter am Markt. Mittlerweile gibt es ein eigenes Segment für Peer-to-Peer-Versicherungen mit über 25 Anbietern weltweit", beschreibt Tim Kunde, Geschäftsführer und Mitgründer von Friendsurance, die derzeitige Situation.

Herr Kunde, stellen Sie zunächst Ihr Unternehmen und Geschäftskonzept in wenigen Sätzen vor.
Tim Kunde:
Friendsurance agiert als unabhängiger Online-Versicherungsmakler, der Schadensfreiheit mit jährlichen Beitragsrückzahlungen belohnt. Den Schadensfrei-Bonus gibt es sowohl für neue Versicherungen, die direkt über Friendsurance abgeschlossen werden, als auch für laufende Hausrat-, Kfz-, Privat-Haftpflicht- und Rechtsschutzversicherungen. Bislang haben über 80 Prozent der Nutzer Beiträge zurückbekommen – im Kompositbereich durchschnittlich rund 30 Prozent der eingezahlten Beiträge. Darüber hinaus bieten wir unseren Kunden die Möglichkeit, ihre Versicherungsverträge bequem online zu verwalten.

Auf welche Weise heben Sie sich von der Konkurrenz am Markt ab?
Kunde:
Unseren Schadensfrei-Bonus basiert auf einem Peer-to-Peer-Modell bei dem Versicherte mit derselben Versicherungsart online zu kleinen Gruppen zusammengeschlossen werden. Deren Mitglieder unterstützen sich im Schadensfall gegenseitig. Als wir unser Peer-to-Peer-Modell 2010 eingeführt haben, waren wir der einzige Anbieter am Markt. Mittlerweile gibt es ein eigenes Segment für Peer-to-Peer-Versicherungen mit über 25 Anbietern weltweit.

Wie bewerten Sie die derzeitige Rolle von Insurtechs in Deutschland?
Kunde:
Die deutsche Versicherungsbranche hat seit vielen Jahren keine großen Innovationen gesehen. Insurtechs sind wichtig um Alternativen und Ergänzungen zu klassischen Versicherungsangeboten zu bieten und die Branche transparenter, unkomplizierter und kundenfreundlicher zu machen.

Erläutern Sie kurz, was Sie grundsätzlich unter einer digitalen Versicherung bzw. einem digitalen Vertrieb verstehen.
Kunde:
Unter einer digitalen Versicherung verstehe ich, dass das Unternehmen in jedem einzelnen Schritt sowohl digital denkt als auch digital arbeitet – und der Kunde das auch spürt. Besonders das digitale Arbeiten ist für viele Versicherungsunternehmen eine Herausforderung: Während Insurtechs ihre Organisation und Prozesse von Anfang an digital aufbauen, wird in großen Unternehmen oft keine Notwendigkeit dafür gesehen; weil das althergebrachte System ja irgendwie funktioniert. Die Umstellung fällt ihnen daher oft schwer.

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Der Erfolg Ihres Geschäftsmodells ist hauptsächlich von der Kundenakzeptanz abhängig. Wie hoch schätzen Sie diese für digitale Versicherungsprodukte im Vergleich zur papierbasierten Form hierzulande ein?
Kunde:
Leider verschicken gerade Versicherungsunternehmen unserer Meinung nach immer noch viel zu viel Papier. Meistens erhält man für jede Veränderungsmeldung eine schriftliche Bestätigung, die man eigentlich auch gut per Mail senden könnte. Dabei wäre es doch viel kunden- und umweltfreundlicher vom Brief auf das PDF umzusteigen. Unseren Erfahrungen nach akzeptieren Kunden das nicht nur, sondern schätzen es auch. 

Wie wichtig ist heute die persönliche Beratung in Kombination mit einem Treffen? Und wie gefragt sind vergleichsweise dazu persönliche Gespräche über Telefon, Chat oder Video-Chat?
Kunde:
Ein beliebter Satz in der Versicherungsbranche ist: „Das Internet wird niemals einen guten Makler oder Agenten vollständig ersetzen können.“ Das ist ein gutes Beispiel dafür, wie die Branche dazu neigt, in schwarz und weiß zu denken.

Insurtechs beschäftigen sich damit wie Menschen und digitale Services zusammenarbeiten können, um die bestmöglichen Produkte und Dienstleistungen anbieten zu können.

Was können etablierte Versicherer Ihrer Meinung nach von Insurtech-Start-ups lernen?
Kunde:
Der Kunde sollte immer im Mittelpunkt jedes Unternehmens stehen. Wen sollte man fragen ob man einen guten Job macht, wenn nicht den eigenen Kunden? Außerdem fehlt es vielen etablierten Versicherern an Innovationsgeist. Dabei ist es relativ einfach: Wenn sich der Kunde Veränderung wünscht und das Unternehmen alles daran setzt diesen Wunsch zu erfüllen, stellt sich Innovation automatisch ein. Deshalb machen wir regelmäßige User-Tests mit echten Kunden und widerholen Vorgänge so lange, bis das Problem bestmöglich gelöst ist.

Wagen Sie eine Prognose für die nächsten Jahre: Auf welche Veränderungen muss sich die Versicherungsbranche einstellen?
Kunde:
Generell entwickelt sich Versicherung in die Richtung: Antizipiert, digital und auf Knopfdruck anstatt viel Papierarbeit.

Was außerdem die Versicherungsbranche stark beeinflussen wird, ist das Internet of Things. Ein Thermostat stellt z.B. ungewöhnliche Temperatur fest, meldet es via Internet und so werden Brände, Überschwemmungen etc. schneller erfasst und Schäden geringer gehalten oder verhindert. Man kommt also an mehr Daten, um Schäden zu antizipieren und aktiv zu verhindern, in der Folge intelligenter zu kalkulieren und bessere Preise zu bieten.

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